Strategie
Nach jahrelangem Streit: Historisches Museum will wieder nach vorne schauen

Das Historische Museum will sich wieder stärker auf Basel fokussieren. Doch trotz des angepeilten Neustarts ist der Rechtsstreit mit dem Noch-Direktor Marc Fehlmann ungeklärt.

Jonas Hoskyn
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Im Historischen Museum stehen die Zeichen auf Neuanfang.

Im Historischen Museum stehen die Zeichen auf Neuanfang.

Nicole Nars-Zimmer

In den vergangenen Jahren kam das Historische Museum Basel nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Organisatorische Mängel, finanzielle Probleme und über allem ein Museumsdirektor, der sich heillos mit Chefin und Angestellten verkracht hatte. Die Eskalation gipfelte in der juristisch fragwürdigen Freistellung des Noch-Direktors Marc Fehlmann, die rechtlich bis heute nicht geklärt ist, einem vernichtenden Bericht der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats und nicht zuletzt in der Abwahl der damaligen Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne).

Deren Nachfolger Beat Jans will nun nach vorne schauen. Diese Woche segnete der Gesamtregierungsrat die neue Strategie für das Historische Museum ab. Für Jans stehen die Zeichen nun auf Neuanfang: «Die Zeit der Unsicherheit ist vorbei. Es ziehen nun alle am gleichen Strang», so der SP-Regierungsrat. Ihm sei wichtig gewesen, dass die Mitarbeitenden und auch die Museumskommission einbezogen wurden.

Fokus wieder stärker auf regionale Aufgaben

Viele Überraschungen birgt das achtseitige Strategiepapier aber nicht. Klar ist dafür nun, dass das Musikmuseum im Lohnhof bleiben soll. Jans sieht den entscheidenden Punkt darin, die Frage der Positionierung geklärt zu haben. «Die richtige Rolle für das Historische Museum konnte gefunden werden», sagt er. «International wahrgenommen, überregional bedeutend und regional verankert», umschreibt er das neue Leitziel. Das Museum solle als Gedächtnis des Kantons fungieren – für Schulklassen wie für Wissenschaftler. «Es soll das Publikum in der Gegenwart abholen und es für die Geschichte sensibilisieren, indem diese kritisch hinterfragt wird», sagt Jans. Dazu kommen periodisch auch Ausstellungen, die international wahrgenommen werden. Damit verbunden ist auch eine Kurskorrektur. Fehlmann hatte als Direktor den Fokus auf die internationale Ausstrahlung des Museums gelegt.

Im Rahmen der Museumsstrategie wurde vor zwei Jahren eine Betriebsanalyse des Historischen Museums erstellt, die die grössten Baustellen benannte und insgesamt 39 betriebliche Massnahmen vorschlug. Diese sollen nun schrittweise umgesetzt werden: Die betrieblichen Strukturen werden optimiert und das Sammlungsmanagement verbessert. Zudem werde ein Leitbild entwickelt, die Digitalisierung vorangetrieben und die Depotsituation geklärt. Das Ziel sei es, die bisher neun in der ganzen Region verteilten Depots in einem zentralen Standort zusammen zu führen. Mögliche Standorte seien auch bereits geprüft worden.

Offener Rechtsstreit mit Noch-Direktor Fehlmann

Marc Fehlmann ist seit August als Direktor des Historischen Museums freigestellt.

Marc Fehlmann ist seit August als Direktor des Historischen Museums freigestellt.

Roland Schmid / BLZ

Auch weitere dringliche Arbeiten hat das Museum unter der interimistischen Leitung von Marc Zehntner zwischenzeitlich angepackt. So wurde mit der Generalinventur begonnen. Anfang Jahr hat das Basler Parlament dafür 6,6 Millionen Franken gesprochen. Bis 2025 werden die rund 305'000 Sammlungsobjekte einzeln begutachtet, digital in der Sammlungsdatenbank erfasst und dokumentiert – von der Marsstatuette aus der Römerzeit über den Basler Münsterschatz bis hin zur Tennisausrüstung von Roger Federer.

Mit der Grossaktion sollen Lücken geschlossen werden, welche sich über die Jahre und Jahrzehnte des Sammelns ergeben haben. Für Schlagzeilen hatte vor ein paar Jahren die Aussage des Direktors Fehlmann gesorgt, er könne nicht einmal sagen, in welchem Archiv des Museums sich die seltene «Basler Dybli»-Briefmarke befinde.

Der offene Rechtsstreit mit dem Noch-Direktor Marc Fehlmann ist denn auch die grosse offene Frage. Seit das Appellationsgericht im vergangen die Freistellung von Fehlmann für ungültig erklärt hat, liegt der Ball wieder beim Präsidialdepartement. «Wir bedauern, dass wir noch immer im Rechtsstreit sind», sagt Jans. Dieser soll aber dem Neustart nicht im Weg stehen. Mit der neuen Strategie sollen vielmehr allfällige Blockaden gelöst werden.

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