Straumann konnte 2015 den Umsatz um 12,4 Prozent auf 798,6 Mio. Franken steigern. In Lokalwährungen betrug das Plus gar 18,6 Prozent. Dass der Reingewinn um 54,7 Prozent auf 71,5 Mio. Fr. einbrach, führte Konzernchef Marco Giadola am Donnerstag in Basel vor den Medien auf die vollständige Übernahme des brasilianischen Implantatherstellers Neodent zurück, der 63 Mio. Fr. zum Umsatz beisteuerte.

Dieser für die Zukunft von Straumann enorm wichtige Deal führte zu einem einmaligen, nicht liquiditätswirksamen Aufwand von 73 Mio. Franken. Ohne diesen Sondereffekt hätte sich der Reingewinn dagegen auf 144,7 Mio. Fr. belaufen. Das Betriebsergebnis auf Stufe EBIT stieg - ohne Neodent-Deal - um 25,2 Prozent auf 185,7 Mio. Franken.

Konzernchef Gadola zeigte sich mit diesem unerwartet guten Ergebnis überaus zufrieden. Straumann habe in allen Region zulegen und die Profitabilität steigern können. Als Weltmarktführer habe das Unternehmen seinen Marktanteil auf geschätzte 22 Prozent steigern können.

20 statt 35 Prozent weniger Lohn für CEO

Von dieser Entwicklung soll nun die Schweizer Belegschaft des weltweit nahezu 3500 Mitarbeitende zählenden Konzerns profitieren. Um die Folgen des Frankenschocks vom Januar 2015 abzufedern und einen Stellenabbau zu verhindern, mussten die knapp 770 Angestellten in Basel und Villeret BE eine Lohnkürzung von fünf Prozent schlucken.

Diese Einbusse wird nun für das vergangene Jahr in den allermeisten Fällen mit Boni kompensiert. An der Lohnkürzung hält Straumann indes fest, bis ein Euro wieder 1.20 Franken kostet, wie ein Sprecher des Unternehmens zur sda sagte. Je nach Geschäftsgang solle der Ausfall aber weiterhin kompensiert werden.

Mit weniger Lohn muss dagegen CEO Gadola auskommen. Die Kürzung beträgt jedoch nicht 35 Prozent, wie vor Jahresfrist angekündigt, sondern nur 20 Prozent, weil die für 2015 gesetzten Ziele 2015 übertroffen wurden. Gadolas Gesamtentschädigung sank letztes Jahr von 3 auf 2,6 Mio. Franken.

Profitieren vom guten Ergebnis können auch die Aktionäre: Sie sollen erstmals seit 2008 wieder in den Genuss einer Dividendenerhöhung kommen. Die Ausschüttung soll um 25 Rappen auf 4 Franken pro Aktie erhöht werden.

China im Visier - neuer Deal im "Value"-Segment

Mit Neodent erkaufte sich der im hochpreisigen "Premium"-Segment tätige Basler Konzern Zugang zum preiswerten "Value"-Segment, in dem Straumann ebenfalls weltweiter Marktführer werden will. Um dieses Ziel zu erreichen, übernehmen die Basler zu einem ungenannten Preis 30 Prozent am französischen Implantathersteller Anthogyr, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Interessant ist der neue Partner mit 400 Angestellten und 45 Mio. Euro Umsatz für Straumann deshalb, weil dessen Implantate in China bereits zugelassen sind. Mitte Jahr soll das Implantologie-Geschäft von Anthogyr an den Basler Konzern übergehen, der im chinesischen Markt bereits im Premium-Segment führend ist.

Mit dem neuen Partner will Straumann in China nun auch im stark wachsenden Value-Segment mithalten können. Mit eigenen Produkten ist dies laut Gadola schwierig, weil das Zulassungsprozedere in China viel Zeit in Anspruch nimmt. "Wir können jedoch nicht Jahre warten", hält der CEO fest.

Nicht auszuschliessen, dass sich Straumann bald mit einem weiteren Deal beschäftigen wird. Laut dem CEO ist der Konzern durchaus am israelischen Implantathersteller MIS interessiert, der demnächst zum Verkauf stehen könnte - gerüchteweise für 300 Mio. Dollar. Straumann sei aber nicht bereit, jeden Preis zu zahlen, hielt Gadola fest.

Nach dem "Premium"- und dem "Value"-Segment will Straumann laut dem Konzernchef auch das billige "Discount"-Segment weltweit forcieren. Vehikel dafür ist der taiwanesische Implantathersteller T-Plus, an der Basler Konzern über seine für die internationale Vermarktung der "Value"-Marken geschaffenen Plattform Instradent seit 2014 beteiligt ist.