Kunstkredit-Zoff
Streit blockiert die Kunstkredit-Ausstellung

Kunstschaffende und Kunstsachverständige weigern sich, im Wett bewerb des Kunstkredites zu jurieren. Somit ist unklar, ob die Kunstkredit-Ausstellung dieses Jahr überhaupt stattfinden kann.

Ursula Haas
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Sie ist eines der Highlights der regionalen Kunstszene: Die jährliche Ausstellung des Kunstkredites, an der die Gewinner der Wettbewerbe sowie die Ankäufe gezeigt werden. Doch nun steht die diesjährige Ausstellung auf dem Spiel, die am 10. September 2011 anlaufen sollte.

In einem Brief an Peter Stohler, Beauftragter für Kulturprojekte Basel-Stadt, teilen die Kommissionsmitglieder mit, dass sie sich weigern, den diesjährigen Wettbewerb zu jurieren. «Für uns ist es juristisch problematisch, dass in einem laufenden Wettbewerbsverfahren die Termine vorverschoben werden», erklärt Daniel Reichmuth, Mitglied der Kunstkreditkommission. So wurden aus den ursprünglich vorgesehenen 14 Wochen Bearbeitungszeit nur noch sechs, da der Ausstellungstermin und die Abgabedaten vorverlegt wurden. Die verbindliche Präsentationsform für die Wettbewerbe wurde den Künstlern erst vor wenigen Tagen mitgeteilt.

Konflikt schwelt schon länger

Doch nicht nur daran hat sich die Jury gestört, der Konflikt schwelt anscheinend seit längerem: «Bereits im November 2010 hat die Kommission beschlossen, dass zu den Ausstellungsräumen im Architekturmuseum noch der Oberlichtsaal der Kunsthalle hinzugenommen werden sollte», sagt Reichmuth.

Im April dieses Jahres hatte sich die Kommission mit diesen Bedenken an die Leitung der Kulturabteilung gewandt. Es wurde auch eine Lösung gefunden, nämlich mit der Ausdehnung ins Antikenmuseum – allerdings zum Preis einer Vorverschiebung. In den letzten Wochen hatten sich Beschwerden von Kunstschaffenden gehäuft, erzählen Mitglieder der Kunstkreditkommission. Unter anderem schrieb Eric Hattan, Basler Künstler, einen offenen Brief an die Leitung der Kulturabteilung. Darin moniert er die Arbeitsbedingungen der Künstler: «Man nimmt uns nicht ernst», sagt Hattan. Die verkürzte Bearbeitungszeit falle noch mit den Sommerferien zusammen, führt er aus. Dann fehlen häufig Ansprechpartner zu Materialisierungs- oder Finanzierungsfragen der Kunstwerke.

Hattan ist zufrieden über die Reaktion der Kommissionsmitglieder: «Ich finde es konsequent, dass die Jury so reagiert», sagt Hattan. «Dass auch von innen heraus reagiert wird, zeugt doch von grossem Missmut», fährt er fort. Er sieht ein Grundproblem, das hinter den ganzen Verwirrungen steht: «Was oder wer ist eigentliche mit dem Begriff ‹Kunstkredit› gemeint? Die Kommission, das Reglement, die Sammlung, das Kuratorium oder die Wettbewerbe?»

Entscheidung heute Nachmittag?

Klar ist, dass die Jurierung der Wettbewerbe nicht ohne die Anwesenheit einer Mehrheit der Kommissionsmitglieder stattfinden kann. Für Daniel Reichmuth ist noch völlig offen, wie es weitergeht. Am kommenden Freitag trifft sich die Jury, um in einer ersten Runde über die Werkbeiträge zu entscheiden, «wie es das Programm vorsieht», sagt Reichmuth. Er hofft jedoch, dass es in diesem Jahr auch eine Kunstkredit-Ausstellung geben wird.

Die Kulturabteilung Basel-Stadt kann zum momentanen Zeitpunkt ihren Standpunkt und das weitere Vorgehen noch nicht kommunizieren. «Ich kann und will dazu noch nichts sagen, da dies nun intern diskutiert wird», sagt Philippe Bischoff, Leiter der Kulturabteilung. Eine Entscheidung ist aber heute Nachmittag zu erwarten.