Gundeldingen

Streit im Gundeli: Vier Trägervereine verlassen Quartierkoordination

Seit Jahren schwelt ein Konflikt zwischen der Quartierkoordination Gundeldingen und einigen Trägervereinen. Trotz Mediation, kantonale Intervention und Gesprächen folgt nun der Paukenschlag im Gundeli.

Ein Paukenschlag im Gundeli. Als hätte er dies geahnt, hat der damalige Präsident der Quartierkoordination, Silvan Piccolo, im Jahresbericht 2018 geschrieben: Man müsse sich «auch auf neue Schritte einlassen». Dies sei nicht immer einfach. «Man tritt sich bei diesem Tanz gelegentlich auf die Füsse.»

Eine Medienmitteilung, die gestern verschickt worden ist, bestätigt dies. Unterzeichner sind die vier grossen Trägervereine der Quartierkoordination: die Interessengemeinschaft Gewerbe Gundeldingen, der Neutrale Quartierverein Gundeldingen (NQVG), die Genossenschaft der Pfarrei Heiliggeist und das Rote Kreuz Basel. Der Grund für ihren Austritt: jahrelange Differenzen und Konflikte. Sylvia Scalabrino vom NQVG erklärt: «In den vergangenen vier Jahren waren vier Mitglieder von uns im Vorstand der Quartierkoordination, aber nach kurzer Zeit traten sie wieder aus. Kritische Nachfragen werden dort nicht goutiert und als Misstrauensvotum gewertet.»

«Da waren wir nicht ganz sauber, dazu stehe ich»

Laut Medienmitteilung eskalierte der Konflikt im März 2019. Der damalige Präsident Piccolo wollte von seinem Posten zurücktreten. Deshalb wurde an der Generalversammlung beantragt, einen Vorstand ohne Präsidium einzusetzen. Für diese Änderung hätten aber die Vereinsstatuten angepasst werden müssen. «Da waren wir nicht ganz sauber, dazu stehe ich», sagt Silvan Piccolo. Sie hätten die Trägerschaft überrumpelt.

Im Anschluss an die missglückte Versammlung gab es eine Mediation. Mit am Tisch die Geldgeber: Der Kanton Basel-Stadt steuert 70'000 und die Christoph Merian Stiftung (CMS) 30'000 Franken bei. Das Verfahren endete erfolglos, da sind sich Scalabrino und Piccolo einig. Während die Trägervereine vorschlugen, SP-Grossrat Tim Cuénod und David Friedmann, Präsident des Quartiervereins Grossbasel-Ost, ins Präsidium zu holen, stellte der Vorstand der Quartierkoordination klar: Diese Lösung wollen sie nicht vor die Nase gesetzt bekommen.

Kanton und Stiftung versuchten, Lösungen zu finden

Für die vier Trägervereine war der Austritt der logische Schritt. «Für uns ändert sich damit nichts. Wir arbeiten auch ohne Quartierkoordination gut mit den anderen Vereinen zusammen», sagt Scalabrino. Sie betont: «Es ist aber natürlich eine verpasste Chance.» Auch die anderen drei Trägervereine geben sich gelassen.

Verheerend ist die Entwicklung für die Quartierkoordination. «Der Vorstand hat mittlerweile die Zuversicht verloren, dass der Konflikt noch gelöst werden kann», so Piccolo. Die sechs Mitglieder würden bis zur Delegiertenversammlung in einem halben Jahr die notwendigen Geschäfte weiterführen und den Verein dann «hoffentlich in glücklichere Hände übergeben». Noch steht allerdings der Budgetentscheid des Grossen Rats für die kommenden Jahre aus. Fällt dieser negativ aus, müsste der Dachverein seinen Betrieb einstellen.

Zusätzlich kündigt auch der Kanton eine Prüfung der Situation an. Der Basler Stadtentwickler Lukas Ott versuchte in den vergangenen Monaten zusammen mit der CMS, den Konflikt zu lösen. Beide Geldgeber verlangen von der Quartierkoordination, dass die Arbeit im Gundeli weiter umgesetzt werden kann. Kanton und CMS machen aber auch klar, dass sie für das Funktionieren des Vereins ein Präsidium für sinnvoll erachten.

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