Nachtleben

Streit um Basels erste Nacktbar - Vermieterin will keinen FKK-Gastro-Betrieb

Elle et Lui

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Im Lokal der ehemaligen Schwulenbar «Elle et Lui» wollte ein Bordellbesitzer ein Nacktrestaurant eröffnen. Die Vermieterin will aber keinen FKK-Gastronomiebetrieb an der Rebgasse 39.

Am vergangenen Samstag berichtete diese Zeitung über die Pläne für Basels ersten kleiderlosen Gastronomiebetrieb. Im Lokal der ehemaligen Schwulenbar «Elle et Lui» wollte Bordellbesitzer Diego ein Nacktrestaurant mit Bar eröffnen. Nachdem die Ankündigung für grosses Medieninteresse gesorgt hatte, schaltete sich die Besitzerin der Liegenschaft ein. Sie war alles andere als erfreut.

Diego klingt enttäuscht, als er von den Entwicklungen der vergangenen Tage erzählt. Die Besitzerin der Liegenschaft hatte von seinen Plänen Wind bekommen und ihn wutentbrannt angerufen. Sie hätte sich Sorgen gemacht, dass es beim neuen Konzept für das Lokal nicht nur um das Nacktsein, sondern auch um Sex gegangen wäre. Dies, obwohl Diego bereits im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» versichert hatte, dass an der Rebgasse 39 keine Kontaktbar entstehen sollte.

Komplett abwegig ist die Befürchtung wohl nicht, wenn man bedenkt, dass der Betreiber vom Sex-Club Edelweiss ein neues Lokal mit fast gleichem Namen eröffnen wollte, in dem alle nackt sein sollten. Alle – nicht nur die Gäste, auch das Personal, hätten blank ziehen müssen.

Dieses Geschäftskonzept hat gleich mehrere Ämter auf den Plan gerufen. Darunter das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), das für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden zuständig ist. Auf Anfrage teilte das AWA mit, dass «Schutzkleidung zwingend erforderlich ist, wenn im Betrieb Gesundheitsbeeinträchtigungen durch technische oder organisatorische Massnahmen nicht oder nicht vollständig ausgeschlossen werden können». Insbesondere in der Restaurantküche hätte daher eine Lösung zum Schutz der Angestellten gefunden werden müssen.

Vermieterin ist ebenfalls im Rotlichtmilieu tätig

Das Bau- und Verkehrsdepartement liess dagegen verlauten, dass ein Restaurationsbetrieb an der betreffenden Adresse bereits bewilligt sei, weshalb es kein Baubewilligungsverfahren mehr brauche. Eine Betriebsbewilligung müsste hingegen beantragt werden, sagte Nicole Ryf-Stocker vom Bau- und Verkehrsdepartement am Montag. Das Baudepartement war es denn auch, das die Besitzerin des Hauses an der Rebgasse 39, Saadia Knauseder, auf den Plan rief.

Es kam zu einem Streit zwischen Diego und seiner Vermieterin, worauf diese ihn – obwohl eine solche Passage bereits im Mietvertrag enthalten sei – ein Schreiben unterzeichnen liess, laut dem er sich verpflichtet, «kein Erotikgewerbe zu betreiben». Trotzdem erhielt Diego nach eigener Aussage am Donnerstag ein Kündigungsschreiben wegen Vertragsbruch. Dieses will er zwar nicht akzeptieren, hat aber auch keine Lust auf einen Rechtsstreit mit seiner Vermieterin.

Paradoxerweise ist Diegos Vermieterin laut Grundbuch Eigentümerin verschiedener Liegenschaften, in denen sich Erotikgewerbe befinden. Wieso sie ausgerechnet gegen das Nacktrestaurant Sturm läuft, ist unklar. Knauseder war am Donnerstag nicht erreichbar.

Für Diego ist die Idee mit der Nacktbar vorerst gestorben. Er denkt aber nicht daran, sich aus der Liegenschaft zurückzuziehen. «Dann mache ich halt eine normale Bar», sagt er. «Vielleicht eine Latinobar.» Die Basler dürfen also weiterhin gespannt sein, wie es an der Rebgasse 39 weitergeht.

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