Basler Stadtreinigung
Streit um die Hightech-Mülleimer: Erkrankte können sie nicht öffnen

Nach Politik und Heimatschutz kritisieren auch Behinderte die neuen Basler Abfallkübel.

Nora Bader
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Einer der ersten mit Solarstrom betriebenen Pressabfallkübel.

Einer der ersten mit Solarstrom betriebenen Pressabfallkübel.

GEORGIOS KEFALAS

Die hochmodernen, solarbetriebenen Pressabfallkübel spalten in Basel die Gemüter. 160 wurden bereits bestellt. Nachdem Grossrat Stefan Wittlin (SP) dazu sowohl eine Interpellation wie einen Änderungsantrag zum Budget eingereicht hatte, wurde auch der Basler Heimatschutz aktiv. Die Kübel würden nicht ins Stadtbild passen. Auf Facebook wird derweil heftig diskutiert und bemängelt, dass die Kübel nicht behindertengerecht seien.

«Gerade Leute mit Erkrankungen, bei denen die Beine und der Oberkörper betroffen sind und die deshalb auf den Rollstuhl angewiesen sind, haben keine Chance, den Eimer zu öffnen. Ebenso wie Menschen, die kleinwüchsig oder durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt sind», sagt Markus Schley. Er ist selber auf den Rollstuhl angewiesen und ärgert sich über die Eimer.

Im Übrigen würde die neue Anschaffung der Stadt für alte Menschen eine Herausforderung darstellen, da es viel Kraft benötige, die Klappe zu öffnen. «Dann lieber nichts als so was», konstatiert Schley. So oder so seien die neuen Abfalleimer viel zu teuer. «Wenn die Stadt solche Investitionen tätigt, sollte sie an alle denken und vor allem auch die Behinderten berücksichtigen.» Bei der Stadtreinigung heisst es auf diese Kritik angesprochen, die Kübel seien bei der Ausschreibung auf verschiedene Kriterien getestet worden. In Sachen Behindertengerechtigkeit habe das Siegermodell effektiv nicht am besten abgeschnitten, auch wenn es die Maximalhöhe nicht überschreite, räumt Dominik Egli ein, der Leiter der Stadtreinigung. Allerdings habe man mit dem Behindertenforum Basel die Tauglichkeit der Eimer getestet.

Der Preis war ausschlaggebend

Dort versteht man die Kritik: «Das ausgewählte Modell ist nicht ideal, aber es war eines der besseren unter den evaluierten Modellen. Es ist in diesem Sinne noch das kleinste Übel», urteilt Geschäftsführer und SP-Grossrat Georg Mattmüller. Er begrüsse es sehr, dass das Behindertenforum bei der Auswahl einbezogen und seine Anliegen berücksichtigt worden seien.

Ausschlaggebend für die Wahl der Abfallkübel war gemäss Dominik Egli am Schluss der Preis. Das Siegermodell sei pro Stück 3000 Franken günstiger als jenes, das in Sachen Behindertengerechtigkeit die bessere Punktzahl erreicht hat. Bei der vorgesehenen Beschaffung von 1000 Eimern ginge das ganz schön ins Geld.