Kasernenareal
Streit um Kaserne seit nun mehr als 137 Jahren

Denkmalschutz und Historiker eröffnen gemeinsam im «Museum Kleines Klingental» eine Ausstellung zur Geschichte der Basler Kaserne. Ziel ist es, der Bevölkerung Hintergrund zu den diversen politischen Debatten zu liefern.

Benjamin Rosch
Merken
Drucken
Teilen
Kaserne Basel

Kaserne Basel

Kenneth Nars

Seit 137 Jahren wird über die Funktion der Kaserne Basel gestritten. 1875 stritt man sich in Basel, wie fest man sich an die Eidgenossenschaft annähern wolle.

Die Kaserne war ein Monument, mit dem man die Partnerschaft zwischen Kanton und Bund verstärken wollte. Andere Stimmen verlangten, die Universität Basel in den Neubau von 1863 zu verlegen. Man entschloss sich schliesslich für einen eher kleinen Waffenplatz, doch die Rolle der Kaserne änderte sich über die Jahre immer wieder.

Fast ein Parkhaus geworden

In den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts verliess die Schweizer Armee die Kaserne und überliess das neugotische Monument der Stadt. Verschiedene Pläne zur Umnutzung waren schnell vorhanden. Um ein Haar wäre das grösste Gebäude des berühmten Basler Architekten Jakob Stehlin überbaut und als Parkhaus verwendet worden. Doch die Kaserne wurde weder Hotel, Park noch ganz einfach abgerissen. Im Gegenteil, Organisationen verschiedenster Art fanden Eingang in den Bau am grössten Platz im Kleinbasel. Darunter die erste Kinderkrippe der Schweiz oder auch seit 1974 eine Moschee.

Heute noch ein Streitpunkt

Zur Ruhe kam der Zankapfel jedoch nie, und so erstaunt es nicht, wenn auch heute die Kaserne und bauliche Massnahmen daran brandaktuelle Themen sind. Die geplante Volksinitiative «Öffnung zum Rhein» oder die Diskussion um das «Basel Tattoo» und die Nutzung der Rasenfläche sind da nur die jüngsten Beispiele. Um die Bürger der Stadt in Zukunft auf die historische Bedeutung der Kaserne zu sensibilisieren, hat nun eine Sonderausstellung zu diesem Thema im «Museum Kleines Klingental» eröffnet. Zustande kam dies durch die Zusammenarbeit von Bau- und Verkehrsdepartement, der Christoph-Merian-Stiftung, dem Basler Denkmalschutz und dem Museum als Gastgeber. Trotz unterschiedlicher Meinungen insbesondere zur geplanten Öffnung der Hauptfassade zum Rhein hin zeigte man sich auf allen Seiten sehr erfreut über die gute Zusammenarbeit. «Die Kaserne ist ein Produkt radikaler Geschichtswende», sagt der Regierungsrat und Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartments Hans-Peter Wessels. Die Ausstellung solle nicht nur die Vergangenheit beleuchten, sondern auch «Impulse für die Zukunft geben».

Streit historisch betrachtet klein

Aufseiten des Denkmalschutzes erhofft man sich das Gegenteil der von der Regierung befürworteten Öffnung. «Nimmt man einen Teil der Monumentalfassade weg, löscht man den Eindruck des Gebäudes aus», sagt Daniel Schneller, Kantonaler Denkmalpfleger. Nichtsdestotrotz möchte auch er den Besuchern ein «Instrument für die kommende Volksinitiative geben». Der Kurator der Ausstellung und zugleich Autor des begleitend erscheinenden Buches «Die Kaserne in Basel» (siehe Box), David Tréfás, möchte als Historiker keine Stellung zu aktuellen Diskussionen beziehen. Letztlich seien heute wichtig scheinende Streitpunkte historisch betrachtet kleine Auseinandersetzungen. In Anbetracht der Diskussionen seit 1875 mag er Recht haben.