Sie prüften und prüften und prüften. Nach zahlreichen «wir prüfen»-Statements und ohne politisches Hickhack war es für die Regierung beschlossene Sache: Das Parking unter dem Landhof kommt. Gebaut wird es unter anderem von einem, der weiss, wies geht: Alt Baudirektor Christoph Stutz (CVP) sitzt im Verwaltungsrat der «Zum Greifen AG», die bereits das Parkhaus Claramatte verwaltet. Die Firma hatte sich auf die Ausschreibung beworben. Im Sommer erhielt sie von der Regierung den Zuschlag für das Landhof-Parking.

Der Plan: Christoph Stutz und Co. sollen das Parking im Baurecht bauen und später als Betreiber dafür sorgen, dass die 200 Parkplätze nur von Quartierbewohnern genutzt werden. Der Haken: Zahlreiche Anwohner wollen das Parking gar nicht. Sie befürchten mehr Verkehr im Quartier und einen Verlust der Lebensqualität rund um die «grüne Oase Landhof».

Über 800 Gegner-Unterschriften

In zweieinhalb Monaten hat die Interessengemeinschaft «Nein zum Quartierparking Landhof!» über 800 Unterschriften gegen das Parkhaus gesammelt – und es werden täglich mehr. Die Petition ist nicht das einzige Instrument, mit dem die Gruppe den Bau bekämpfen will. «Sobald das Baugesuch vorliegt, werden wir Einsprache erheben», sagt Kampagnenleiter und Anwohner Roberto Rivetti.

Bloss: Warum wollen Bewohner eines Quartiers, das ständig wegen Parkplatzmangels Schlagzeilen macht, zusätzliche Parkplätze verhindern? Denn zusätzliche Parkplätze, das wären es in diesem Fall tatsächlich. Die Regierung will als Kompensation keine oberirdischen Felder abschaffen, obwohl das Gesetz dies eigentlich verlangt. Der Parkplatzdruck im Wettsteinquartier sei aber so hoch, dass es als Ausnahme zusätzliche Plätze vertrage – zumal aufgrund zahlreicher Bauprojekte wie etwa jene bei der Roche von «einer spürbar steigenden Nachfrage nach Parkplätzen» auszugehen sei, sagt die Regierung. 

Schon jetzt Auswärtige auf Allmend

Rivetti überzeugt das nicht. «Dieses Parkhaus ist ein verkehrspolitischer Unsinn, der zu mehr Verkehr führt», sagt er. «Wenn es wenigstens ein vernünftiges Projekt wäre, mit dem die Verkehrsprobleme gelöst werden könnten!» Das ist es in seinen Augen und jener der anderen IG-Mitglieder aber nicht: Zu den kritischen Tageszeiten, insbesondere morgens zwischen sieben und neun Uhr, würden die Allmend-Parkplätze bereits jetzt vorwiegend von Auswärtigen besetzt.

«Würden diese anderswo parkieren, gäbe es genug oberirdische Parkplätze für die Bewohner des Quartiers», ist Rivetti überzeugt. Ein Quartierparking spiele in die Hände der Pendler, die bei einer grösseren Parkplatz-Auswahl auf Allmend erst recht mit dem Auto zur Arbeit kämen.

Halbes Parkhaus schon vermietet

Die Regierung hingegen ist sich sicher, dass dies nicht der Fall sein wird: «Die heutige und die künftige oberirdische Nutzung werden nicht beeinträchtigt», schrieb sie im Herbst in der Antwort auf einen Vorstoss. Drei Vorstösse zum Thema wurden schon behandelt, eine grosse politische Debatte steht noch aus. Denn das Projekt muss, anders als die oberirdische Landhof-Umgestaltung, nicht zuerst den Weg durch das Parlament machen: Die Regierung spricht zwar 1,7 Millionen Franken, allerdings stammt das Geld nicht aus der Staatskasse, sondern aus dem Pendlerfonds. Die Gegner können daher kein Referendum ergreifen. Selbst wenn: Die Befürworter glauben, mit dem Parking einem Bedürfnis nachzukommen. Dafür spreche, dass mit 90 reservierten Plätzen bereits fast die Hälfte vergeben sei, sagt Christoph Stutz.

Und das, obwohl die Firma niemanden angeworben habe und noch kein «unterzeichneter» Baurechtsvertrag existiere. Unter den künftigen Mietern seien auch Genossenschaften um den Landhof, die verbindlich reserviert hätten, um ihre Wohnungen besser vermieten zu können.
Die Gegner lassen sich dadurch nicht entmutigen. Sie wollen die Unterschriftensammlung fortsetzen und eine Petition einreichen. Nebst der Einsprache gegen das Baugesuch prüfen sie ausserdem juristische Schritte gegen die Finanzierung durch den Pendlerfonds. Dieser sei dazu da, den Pendlerverkehr in den Quartieren zu minimieren, sagt Rivetti. «Unserer Meinung nach passiert hier aber das Gegenteil.»