Strafgericht

Streit wegen offener Gartentüre: 44-Jähriger muss wegen versuchter Tötung ins Gefängnis

(Symbolbild)

Die Gartentüre war an jenem Tag ein ausreichender Anlass für Diskussionen.

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Ein Streit zwischen Nachbarn an der Basler Burgfelderstrasse im September 2017 eskalierte zur Messerstecherei. Das Basler Strafgericht verurteilte am Dienstag einen 44-jährigen Mann wegen versuchter vorsätzlicher Tötung.

Es war eigentlich ein ruhiger Sonntagmittag im September 2017, ein Mann hatte soeben seine Eltern an der Basler Burgfelderstrasse besucht und wollte auf seinen Roller steigen. Ein heute 44-jähriger Nachbar ging gleichzeitig in das Haus, doch hinter sich schloss er die Gartentüre nicht. Wie freundlich die Ermahnung war, das Türchen doch bitte zu schliessen, blieb am Dienstag vor Gericht unklar.

Zwischen den Familien schwelte schon seit längerer Zeit ein Streit. Auch die Gartentüre war an jenem Tag ein ausreichender Anlass für Diskussionen, bald gesellte sich auch noch der besuchte Vater dazu. Auf gegenseitige Beleidigungen folgte ein Gerangel, dann Schläge, schliesslich zog der 44-jährige Nachbar ein Klappmesser mit einer 5,5 Zentimeter langen Klinge aus der Tasche und stach damit dem Besucher dreimal in den Rücken. Der Vater musste sich daraufhin ebenfalls Drohungen des 44-Jährigen anhören.

Notwehr oder versuchte Tötung?

Wie bei jedem Messereinsatz drehte sich der Streit am Dienstag im Strafgericht hauptsächlich darum, ob die Tat als Körperverletzung oder als versuchte Tötung einzustufen ist. Verteidiger Alain Joset forderte einen Freispruch, der Mann habe sich in einer Notwehrsituation befunden. «Er wurde im Hauseingang in die Enge getrieben, bedroht, von einem der Männer geschlagen und geriet in Panik», so Joset.

Das sah das Dreiergericht anders: Wie die Staatsanwaltschaft gingen die Richter von einer versuchten Tötung im Eventualvorsatz aus. Die Todesgefahr sei sehr nahe gewesen, so das Gericht. Als Strafmass setzte es eine unbedingte Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 8 Monaten fest.

Von Notwehr wollten die Richter nichts wissen: Der Mann habe bei seiner Festnahme selbst gesagt, er habe seine Familie schützen wollen und lasse sich nicht alles bieten. Auch habe man bei ihm selber keinerlei Verletzungen festgestellt. Der Mann sass nach der Tat für sechs Wochen in Untersuchungshaft.

Pässe eingezogen

Er ist armenisch-schweizerischer Doppelbürger, weshalb ihn die Gerichtspräsidentin bat, am Nachmittag zur Urteilseröffnung sämtliche Pässe mitzubringen. Dem Wunsch kam er nach, und tat sich damit selbst einen grossen Gefallen: Wegen der gesprochenen Freiheitsstrafe sah das Gericht eine gewisse Fluchtgefahr und hätte eine Sicherheitshaft anordnen können. Darauf wurde nun verzichtet, statt dessen werden vorläufig die Pässe des Mannes einbehalten. Bislang ist er nicht vorbestraft, sowohl er wie auch seine Ehefrau arbeiten und ziehen zwei minderjährige Kinder auf. Das Urteil kann er noch weiterziehen.

Der Verletzte leidet noch heute psychisch und körperlich an den Folgen der Messerstiche, das Basler Strafgericht sprach ihm eine Genugtuung von 10'000 Franken zu. Eigentlich wären 12'000 Franken angemessen gewesen, doch das Gericht kürzte die Summe leicht, weil er den Streit provoziert hatte. Gefordert hatte er 35'000 Franken. Weil der Vater des Verletzten die Bluttat direkt miterleben musste, sprach das Gericht auch ihm eine Genugtuung von 3000 Franken zu.

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