Es herrschten kurz nach Mitternacht am Samstagmorgen an der Basler Heuwaage Zustände wie im Wilden Westen, allerdings nicht hoch zu Ross, sondern tief im Taxi respektive Pseudo-Taxi. Taxifahrerin Cindy Schütz schildert die Situation, in die etwa 20 Taxifahrer und fünf Fahrer des umstrittenen Fahrdienstanbieters Uber involviert waren, so: «Wir haben uns vor die Uber-Fahrer gestellt, sie eingekreist und zur Rede gestellt. Sie wurden zum Teil aggressiv.» So sei ein Uber-Fahrer einem Taxi-Chauffeur über den Fuss gefahren. Zum Glück sei eine Polizeipatrouille in der Nähe gewesen und habe Verstärkung angefordert.

Die Taxifahrer bliesen danach zu einer Art Treibjagd. Cindy Schütz: «Die Polizisten positionierten sich an verschiedenen Orten, sodass wir ihnen Uber-Fahrer direkt in die Hände spielen konnten.» Diese Zusammenarbeit mit der Polizei, welche die Uber-Fahrer eingehend kontrolliert hätten, sei eine «richtig tolle Aktion» gewesen. Schütz’ Euphorie ist eine Folge ihres Frusts in den vergangenen Monaten. Immer wieder hätten die Taxi-Fahrer friedlich gegen Uber demonstriert und sich zusammen mit der Unia an die Regierung gewandt. Doch diese reagiere überhaupt nicht. Dabei sei Uber doch ein illegaler Fahrdienst und treibe die legalen Taxifahrer in den Ruin, empört sich Schütz. Sie ergänzt: «Ich habe wegen Uber 60 Prozent meiner Einnahmen verloren.»

Polizei weiss von nichts

Ins gleiche Horn bläst Markus Kümin, Vorstandsmitglied der Gruppe Taxi bei Unia. Die Taxifahrer würden am Rand des Ruins leben, und die inaktive Politik in Basel sei verantwortlich, dass das Ganze eine gefährliche Eigendynamik entwickelt habe. In andern Kantonen würde die Polizei viel aktiver mit Verzeigungen gegen Uber-Fahrer vorgehen. In Basel seien bis jetzt zwei Uber-Fahrer unter anderem mangels Fahrtenschreiber zu Bussen verurteilt worden. Kümin fordert denn auch: «Wir verlangen gleich lange Spiesse für die Taxifahrer wie Uber.» Das heisst für ihn, dass kein Uber-Fahrer mehr ohne Fahrtenschreiber unterwegs sein darf.

Kümin war bei der Aktion am Samstagmorgen auch vor Ort und bestätigt Schütz’ Schilderungen. Und was sagt die Polizei? Sie schweigt mangels Kenntnis der Vorgänge und mangels Einträge im Einsatzjournal und vertröstet auf Abklärungen heute Montag. (Hi)