Basel-Stadt

«Strippen ist wie Tiefenpsychologie»: Erotikmesse ging gesittet über die Bühne

Ein besonderer Publikumsmagnet an der «Extasia» waren die Live-Cam-Girls gleich beim Eingang. Sie liessen sich beider Arbeit filmen.

Ein besonderer Publikumsmagnet an der «Extasia» waren die Live-Cam-Girls gleich beim Eingang. Sie liessen sich beider Arbeit filmen.

Die Extasia bot einen tiefen Einblick ins Erotik-Business. Was jedoch hinter gewissen Vorhängen geschah, blieb uns leider verborgen.

Die Schönheit lässt die letzte Hülle fallen und legt einen Lapdance hin. Der Bass wummert. Die Menge feiert ekstatisch. Russlana Rassiva, so heisst die Tänzerin, bedankt sich beim Freiwilligen, der sich kurz darauf, ziemlich euphorisiert, aus der Backstage-Zone schleicht. Seine Kollegen legen ihm ihre Arme um die Schulter. Er hoffe, entdeckt zu werden, sagt der Baselbieter keuchend und begibt sich, das Teleobjektiv gezückt, zur nächsten Station: Wet-T-Shirt-Contest.

«Den veranstalten wir dieses Jahr zum ersten Mal», sagt Arnold Meyer, Organisator der Extasia, die von Freitag bis Sonntag die Massen in die Messe Basel lockte. Die Gewinnerin des Wettbewerbs, «Lena Black», sagt zur «bz», sie wolle den Schweizer Erotikmarkt erobern, mit «erotischen Filmen für den normalen Bürger». Sie lege Wert «auf die szenische Einbettung», sagt die dreifache Mutter mit offensichtlich vergrösserten Brüsten. Ein Bewunderer bittet um ein Selfie.

18-jährige Freundinnen hecheln Strippern hinterher

Szenenwechsel. Der als US-Soldat verkleidete «Roy» entblösst vor zwei kichernden jungen Frauen sein Geschlechtsteil. «Ich hatte Spass», sagt die 18-Jährige, die mit ihren Freundinnen an der Erotikmesse ihre Volljährigkeit feiert. Den muskulösen Stripper habe sie am Nachmittag an einer seiner Shows in intimerem Rahmen kennen gelernt, erzählt sie, bevor sie bereits zur nächsten Darbietung eilt. Wir folgen ihr.

Männer sind hier nicht erwünscht und Filmaufnahmen verboten. Seine Freundin habe eine dreijährige Tochter, die er schützen wolle, erklärt Tänzer Yven Rogers, der mit den Berlin-Dreamboys tourt. «Ich lade auf die Bühne ein, wer mich zuerst anlächelt», sagt er. Das Schlimmste sei, wenn eine Dame ablehne, sagt der 25-jährige Heimmitarbeiter, der das Strippen als gut bezahlten Ausgleich zum Job geniesse. Er tanze für Junggesellinnen, Seniorinnen, Beeinträchtigte – und seit der Einführung der Homo-Ehe in Deutschland auch für Junggesellen. Viele der Frauen trauten sich zunächst nicht, sich darauf einzulassen, sagt er und fügt an: «Strippen ist wie Tiefenpsychologie». Er führt uns durch die Messestände und erzählt von der «Venus». An der Berliner Erotikmesse gehe es nicht ohne Bodyguards. In Basel sei die Atmosphäre gesitteter.

Wir sollen ihre Aussagen löschen, sagt der Chef

Dieser Meinung sind auch Russlana Rassiva und ihr Mann, Diplompsychologe, Stripper und Chef der Truppe Paul Gee. Die beiden lernten sich bei einer seiner Shows kennen, erzählt die 32-jährige Studentin und Mutter. Eifersucht sei für beide kein Thema, sagt «Paul Gee». Es ginge wohl gar nicht anders.

Eine Brünette in knappem Slip streamt live vor der «Bonga-Cam». Eine Kollegin tanzt an der Stange. Jemand bucht sie für eine Privatdarbietung, bezahlt einen dreistelligen Betrag und verschwindet mit ihr hinter einen schwarzen Vorhang. Grauzone. Als wir bei einer Tänzerin nachhaken, erwidert sie, dass sie das für Geld mache. Dass trotz der Regel, die Berührungen eigentlich untersage, fast alles passieren könne. Und wie sie wegen der Liebe zum Tanzen in die Szene «abgerutscht» sei. Ihr Vorgesetzter mischt sich ein, fordert von uns, ihre Aussage zu löschen.

Die Kehrseite des Pornobusiness kennt auch «Pussykat.» In Zeiten des Onlinemarktes sei es schwer, hochwertig zu produzieren, sagt die zierliche Vietnamesin, die für ihren Einsatz gegen Kinderpornografie ausgezeichnet wurde. Am Autogrammtisch posiert «Blanche Bradburry» mit einem jungen Fan. «Du bist so schön», stammelt er. Wir werden über den neusten Vibrator, der per App funktioniert, informiert. Ein bisexuelles Pärchen schaut sich eine Stripshow an. In der Fetish-Area erzählt man uns vom Andrang, der «Fifty Shades of Grey» ausgelöst habe.
Ein Paar hat sich soeben eine Liebesschaukel gekauft und küsst sich verliebt. Aber jetzt müssen die zwei weiter. Die nächste Station wartet: der Weihnachtsmarkt in Colmar.

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