Fazit: ungenügend. Im Umgang mit schwulen, lesbischen, bi- oder transsexuellen Studierenden erhält die Universität Basel auf der gängigen Notenskala gerade mal eine 3,7. Es ist das schlechteste Resultat aller fünf untersuchten Hochschulen in der Schweiz. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, welche die Strategieberatung Oliver Wyman zusammen mit den Hochschulvereinen z&h und UniGay durchgeführt hat.

Zwar haben sich nur gerade zehn sogenannte LGBT-Studierende zu ihrem Wohlbefinden an der Basler Uni geäussert. Ihr Fazit ist dafür umso eindeutiger. Mit ihren Bewertungen lassen sie die hiesige Hochschule schlecht aussehen.

Studierende fordern zum Streik auf

Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist: Die Kritik an den Strukturen der Uni Basel ist gerade dieser Tage wieder hochaktuell. Für kommenden Dienstag haben queer-feministische Kreise aus der Universität zu einem Streik auf dem Petersplatz aufgerufen. Die Initiantinnen kritisieren die zweigeteilte Geschlechternorm an der Uni Basel: «Die Uni verlangt, dass Menschen sich der Kategorie ‹Frau› oder der Kategorie ‹Mann› zuordnen», schreiben die Veranstalterinnen auf Facebook.

Zwar ist es an der Uni Basel seit vergangenem Jahr möglich, unabhängig vom amtlichen Ausweis einen Antrag auf eine uniinterne Namens- und Geschlechtsänderung zu stellen. Für den Antrag wird allerdings die Bestätigung einer medizinischen oder psychologischen Fachperson benötigt, die darlegt, dass sich die Person in der «Transitionsphase» befinde. Die Regelung sorgt auch bei Andrea Maihofer für Kritik. «Ich halte die Forderung nach einer solchen Bestätigung, sich in einer ‹Transitionsphase› zu befinden, für eine Diskriminierung und Pathologisierung», kommentiert die Professorin für Geschlechterforschung an der Uni Basel die Bestimmungen. «Personen, die eine Namens- und Geschlechtsänderung beantragen, tun das nicht aus Spass. Meist ist dies das Ergebnis eines sehr langen Prozesses und sehr wohl überlegt.»

Es gelte, den gegenwärtigen Stand der Dinge an den verschiedenen Universitäten zu evaluieren, um so die nächsten zentralen Schritte in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten in Gang zu setzen. Tatsächlich zeigt ein erster Vergleich, dass andere Universitäten bereits weiter sind: An den Universitäten Zürich und Luzern sind die entsprechenden Anpassungen ohne ein Gutachten möglich.

Kommt es nun auch an der Uni Basel zu einer Anpassung des Reglements? Uni-Sprecher Matthias Geering kann die Wünsche der Betroffenen jedenfalls verstehen. Die Universität nehme die Anliegen der Betroffenen ernst: «Wir sind in regem Austausch mit Betroffenen und setzen deren Anregungen nach Möglichkeiten um.»

Uni vergrössert Kommission

Erst in den vergangenen Tagen wurde aus diesem Grund die Kommission Diversity der Uni Basel vergrössert. An der Universität würden momentan verschiedene Anpassungen aktiv diskutiert, so Geering: «Unter anderem die Überarbeitung des Geschlechtereintrags mit drei oder mehr Optionen, genderneutrale Toiletten oder Sensibilisierungsprojekte zur diskriminierungsfreien Kommunikationskultur.»

Ob und wann die Anpassungen vorgenommen werden, sei derzeit aber noch nicht klar. Gerade im technischen Bereich seien Modifizierungen teilweise nur mit einem hohen Aufwand möglich. «Darüber hinaus hat das Anliegen eine grosse soziokulturelle Bedeutung», so Geering. Eine Aussage, die auch Geschlechterforscherin Maihofer unterstützt. «Es handelt sich hier nicht um ein Problem der Universität Basel, sondern um ein gesellschaftlich strukturelles Problem.» Es brauche vermehrt einen breiten öffentlichen Diskurs, sonst werde sich weder im Bewusstsein noch in der Praxis grundlegend etwas ändern.