Jugend forscht

Studis und Senioren in einer Wohnung

Linus Flammer reichte im vergangenen Oktober seine Maturarbeit bei Schweizer Jugend forscht ein.

Linus Flammer reichte im vergangenen Oktober seine Maturarbeit bei Schweizer Jugend forscht ein.

Linus Flammer nimmt mit soziologischer Arbeit am Nationalen Wettbewerb «Schweizer Jugend forscht» teil. In der Arbeit untersucht er generationsübergreifende Wohnformen.

Viele Studenten müssen ihren Alltag mit wenig Einkommen meistern, sie leben in Wohngemeinschaften und halten sich in Sachen Shopping-Touren zurück. Seniorinnen und Senioren leiden ihrerseits oftmals unter Einsamkeit. Ihnen fehlen Unterhaltung, Kommunikation und Aufgaben. Die unterschiedlichen Probleme, mit denen die beiden Generationen täglich zu kämpfen haben, sind einfach lösbar – sagt zumindest Linus Flammer, Gymnasiast am Basler Gymnasium Münsterplatz.

Flammer hat in seiner Maturarbeit «Zwischen Seniorenresidenz und Studentenbude. Neue Wohnformkonzepte für junge und alte Menschen» diesen Gegenstand zum Thema gemacht. Seine Arbeit ist so interessant, dass er sie – auf Empfehlung seiner Lehrerin – Mitte Januar in Bern vor Fachpersonen aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten vorstellen konnte und sich provisorisch für den 46. Nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht qualifizierte.

Ideales Konzept für die Unistadt

Flammers Idee ist einfach erklärt. Junge Studenten kommen bei den älteren Damen und Herren unter, wohnen zwar billig, greifen ihren Gastgebern im Gegenzug aber wöchentlich rund acht Stunden unter die Arme. Erfunden hat der 18-Jährige das Wohnkonzept nicht selbst – in Nürnberg, Freiburg im Breisgau und in Zürich existiert diese Art Wohnform bereits und stösst auf Interesse. Für Basel als Stadt mit hohen Wohnkosten und einer Universität eigne sich das Konzept sehr gut, ist der Gymnasiast überzeugt. Zudem seien hier 50 Prozent der Wohnungen Einpersonenhaushalte.

Das Bedürfnis bei Jung und Alt ist vorhanden, wie die Ausarbeitung seines Fragebogens, den 50 Studenten und 50 Senioren beantwortet haben, ergeben hat. 60 Prozent bekundeten ihr Interesse an dem Projekt, rechnet er vor. «Ich musste wissen, welchen Wohnkomfort die Studis erwarten, und was im Gegenzug die älteren Menschen bieten können.»

Zudem habe er wissen müssen, ob die Senioren lieber Schweizer oder Ausländer aufnehmen und wem sie auf keinen Fall Quartier geben möchten – zum Beispiel Rauchern. «Mir ist aufgefallen, dass viele der älteren Personen zwar Interesse haben, aber auch mit der Angst kämpfen, sogleich vermittelt zu werden», sagt Flammer. Er weiss, dass es kein Zuckerschleck ist – sowohl für Jung und Alt – in dieser Wohnform zu leben. «Es gibt aber flexible Senioren.»

Praktikum auf der Geriatrie

Linus Flammer besucht in Basel das Humanistische Gymnasium, dessen Fächerschwerpunkt bei alten Sprachen liegt. Umso mehr erstaunt, dass er sich für seine Maturarbeit ein Thema aus dem Bereich der Soziologie ausgesucht hat. «Ich habe vor zwei Jahren im Unispital auf der Akut-Geriatrie ein Sozialpraktikum gemacht. Seither interessiere ich mich dafür, wie man älteren Menschen schnellstmöglich helfen kann», erklärt der Maturand.

Die Fachjury in Bern möchte von Linus Flammer nun, dass er seine Arbeit bis zum 23. März überarbeitet, um definitiv zum Nationalen Wettbewerb (3. bis 5. Mai in Lugano) zu gelassen zu werden. «Natürlich wünsche ich mir, dass ich beim Wettbewerb gut abschneide. Ich habe viel Zeit investiert. Aber es wäre nicht tragisch, wenn ich nicht gewinne.

«Ich würde es ausprobieren»

Wegen der positiven Rückmeldungen der Studenten und Senioren weiss ich, dass ich mit meinem Konzept nicht falsch liege.» Für Flammer ist es wichtiger, dass er bei Basler Institutionen, die sich mit sozialen Projekten befassen, für sein Konzept Interesse wecken kann.

Selber als Student in eine Seniorenresidenz einzuziehen, kann er sich vorstellen: «Es käme auf meine persönliche Lebenssituation an. Aber ich würde es ausprobieren.» Welchen beruflichen Weg Flammer einschlagen wird, weiss er noch nicht. «Ich möchte bei meiner Arbeit mit Menschen zu tun haben. Aber nicht unbedingt im heilenden Bereich.»

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