Im Beldona lässt sich ein älterer Mann rote Unterwäsche in zwei glänzend rosa Schachteln verpacken. Im Louis Vuitton steht ein auffallend grosser, junger Mann vor der schwierigen Wahl zwischen einer Tasche mit gelbem oder bordeauxrotem Innenfutter. Beide kosten 2560 Franken. Die Verkäuferin findet das Gelbe eigentlich schöner, aber das Rote sei sicherer, es könne «weniger rasch beschmückt werden» (sie meint wohl beschmutzt). Er entscheidet sich für die Schönheit und gegen die Sicherheit.

Beim Münsterbergbrunnen trompeten zwei Buben «O Tannenbaum». Wenige Meter weiter bläst einer ein unreines «Kling Glöckchen klingelingeling» in sein Fagott. Mitten in der Buchhandlung Thalia, wo sich die Menschenmassen «Entschuldigung» rufend Wege rund um die Büchertische bahnen, steht ein Mann und drückt sich sein Mobiltelefon an die Backe: «Je suis perdu. A quelle étage êtes vous?»

Beliebte Weihnachtsfähre

Ein Buch ist immer gut. Vielleicht ist darum die grösste Buchhandlung Basels vor Weihnachten turbulent wie ein Hurrikan. Aber eigentlich verläuft dieser zweite Sonntagsverkauf vor Weihnachten erstaunlich friedlich. Kunden und Verkäuferinnen wirken ausgeglichen bis gut gelaunt. Mathias Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt, bestätigt diesen Eindruck: «Die Kunden schätzen in Basel die Stimmung, die Atmosphäre und die Kompaktheit – alles ist in der Innenstadt nah beieinander.»

Und wer nicht mehr mag, kann sich am verkaufsoffenen Sonntag gratis auf die Fähre setzen, zwei, drei Runden darauf drehen, Glühwein trinken. Diese Weihnachtsfähre, eine neue Errungenschaft, komme sehr gut an, sagt Böhm. Ebenso der Päcklibus auf dem Marktplatz – hier werden Geschenke verpackt, gelagert und auch transportiert – sowie die Velotaxis – sie transportieren müde Kunden. Auch gratis? «Ja, es ist schliesslich Weihnachten!», sagt Böhm.

Scheiss als Chance

In der Buchhandlung Bider & Tanner verlangt eine Frau – ein Heft mit Geschenktipps in der Hand – nach «Drei Frauen im Schnee» und «Scheiss als Chance» (was aus ihrem Mund so klingt, schreibt sich aber «Scheiss als Schanxe»). Der Mann hinter ihr weiss, dass «Scheiss als Schanxe» schon ausverkauft ist, er musste es selbst bestellen lassen.

Ein Elchkopf auf einer Weihnachtsmarktbude singt: «Die heisse Liebe, das ist eben das Wichtigste, das zählt, dabudabudabuda.» (Aber vielleicht ist das ein Verhörer, wie Axel Hackes «Der weisse Neger Wumbaba» – diesen entdeckte er in Matthias Claudius’ Abendlied – «im weissen Nebel wunderbar»). Vor dem Bancomaten an der Freien Strasse bildet sich eine Schlange.

Besser als 2012

In vielen Geschäften liegen die Verkäufe gut über dem Vorjahr», sagt Mathias Böhm. Alles, was als Geschenk tauge, laufe gut: Bücher, Elektronik, Gadgets für iPhone und Co. Was weniger gekauft werde bei diesen eher milden Temperaturen seien «Bedarfskäufe» für den Winter. Schuhe, warme Kleider – «wenn es Schnee hat, verkaufen diese Geschäfte mehr».

Zwischen Kostsport und Bonita spielt eine sympathische Band: «Share your dollar with me!» Eine Frau, einen Einkaufssack in jeder Hand, dreht sich dazu mit ausgestreckten Armen im Kreis, die Einkaufstaschen fliegen.

Alles wird gut

Die Stadt sei «sehr voll», sagt Böhm, «wir müssen mit diesem Sonntagsverkauf zufrieden sein.» Und zwei starke Tage, an denen viele Leute freihaben, kommen noch: der 23. und der 24. Dezember.

Die dreiköpfige Band stimmt ein neues Lied an: «Don’t worry about a thing, ’cause every little thing gonna be all right.»