Regirungswahlen
Stunk bei SP Basel, weil Tino Krattiger FDP-Dürr unterstützt

Bei der Basler SP ist Feuer im Dach: Dass FDP-Regierungskandidat Baschi Dürr zum Auftakt seiner Wahlwerbetour «Auf ein Bier» am Wochenende ausgerechnet im Hinterhof von Flosskapitän und Sozialdemokrat Tino Krattiger Gastrecht genoss, stösst einigen Genossen sauer auf.

Hans-Martin Jermann
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Tino Krattiger (SP, rechts) unterstützt die Regierungskandidatur von Baschi Dürr (FDP).

Tino Krattiger (SP, rechts) unterstützt die Regierungskandidatur von Baschi Dürr (FDP).

niz/key

Am deutlichsten wird Juso-Chefin Sarah Wyss: «Ich frage mich schon lange, was Krattiger in der SP zu suchen hat.» Der Konzertveranstalter und Architekt habe in seiner Zeit als Grossrat (2005 bis 2009) eine eigene Agenda verfolgt und sei abgesehen von der Kulturpolitik oft von der Parteimeinung abgewichen.

Die Wahlhilfe für Dürr sei bloss die Spitze des Eisbergs. Krattiger sei nicht irgendein SP-Mitglied, gibt Wyss zu bedenken. «Als prominenter Repräsentant kann er sich nicht so verhalten.»

Krattiger warb 2011 für Malama

Ein SP-Politiker, der nicht namentlich genannt werden will, ist gleicher Meinung: «Ich finde es falsch, wenn ehemalige oder aktuelle Mandatsträger im ersten Wahlgang für Kandidierende anderer Parteien werben.» Anders wäre die Situation womöglich vor dem zweiten Wahlgang, wenn die SP ihre drei Sitze im Trockenen habe.

Wyss will nicht gleich Krattigers Ausschluss aus der SP fordern. «Aber eine Aussprache mit ihm fände ich gut.» Parteipräsident Martin Lüchinger kann kein Interesse daran haben, dass zum Wahlkampfauftakt in der SP Flügelkämpfe ausbrechen. Im «Sonntag» hat er klargestellt, dass Werbung eines SP-Mitglieds für Kandidaten anderer Parteien gegen das Wahl- und Abstimmungsreglement verstosse. Mit diesem Hinweis will es Lüchinger bewenden lassen, wie er betont.

Krattiger hat gegen das Reglement bereits vor Jahresfrist verstossen, als er im Komitee zur Wiederwahl von FDP-Nationalrat Peter Malama sass. Zu dieser Wahlhilfe, die für Krattiger ohne Folgen blieb, steht er weiterhin. Dass er letztes Wochenende dasselbe für Baschi Dürr gemacht haben soll, stellt Krattiger hingegen in Abrede: «Da bin ich missverstanden worden. Obwohl ich mit Baschi befreundet bin, war das keine Wahlveranstaltung.» Auch sitze er nicht im Komitee für Dürr. Laut Krattiger stand die Veranstaltung in seinem Hinterhof an der Rheingasse unter dem Dach von «Kulturstadt jetzt». Krattiger hat das überparteiliche Komitee mitgegründet, in dem etwa auch Daniel Stolz (FDP) oder Mirjam Ballmer (Grüne) mitmachen. «Im Wahlkampf sind weitere Veranstaltungen mit anderen Regierungskandidaten vorgesehen», verspricht Krattiger. Das Komitee werde dann eine Empfehlung abgeben – welche, sei noch offen.

Hirscheneck will Baschi Dürr nicht

Für Krattiger erübrigen sich daher Fragen nach seiner Parteizugehörigkeit. «Vielleicht müssen sich andere fragen, ob sie noch in der richtigen Partei sind.» Rückendeckung erhält er von SP-Grossrat Tobit Schäfer. Als Volkspartei könne die SP stolz sein auf die Meinungsvielfalt, sagt Schäfer, der selber am rechten Rand der SP politisiert. «Unsere Partei täte gut daran, gelassener mit abweichenden Haltungen umzugehen.»

Baschi Dürr kann die Aufregung um seinen Wahlkampf-Auftakt nur recht sein. Für ihn war das Bier bei Krattiger «weder ein nüchternes Hearing noch eine Propagandaveranstaltung mit Ballonen, sondern eine lebhafte Diskussion im kleinen Kreis». In der neunteiligen Reihe «Auf ein Bier» wäre der 35-jährige Bannerträger des Liberalismus übrigens gerne zu Gast im Hirscheneck gewesen. Doch die genossenschaftlichen Betreiber wollten in ihrer links-alternativen Szenebeiz kein Podium mit dem wirtschaftsliberalen Regierungskandidaten.