«Ja, wir erleben eine turbulente Zeit», bestätigt die Medienbeauftragte Anna Wegelin.

Das jüngste Ereignis ist vor wenigen Tagen der Absprung der Südafrika-Mission SAM, einer der vier Trägervereine von Mission 21. SAM-Präsidentin Nina Sahdeva kommentiert den angeblich überraschenden Austritt so: «Wir haben die Hoffnung aufgegeben, dass unsere Partnerbeziehungen von Mission 21 je wirklich aufgenommen und weitergepflegt werden.» Sie spricht dabei die vielen Einigungsgespräche mit dem Vorstand an, die auf Geschäftsebene kaum zu einer verbesserten Wahrnehmung der Partner im südlichen Afrika führte. Dass der Vorstand diesen März ohne Rücksprache beschloss, das Projekt in Namibia zu sistieren, war «das entscheidende Tröpfchen im überlaufenden Fass», sagt Sahdeva, die seit elf Jahren dem Verein angehört.

Mission sucht neuen Direktor

Einen Monat zuvor hatte Missions-Direktor Martin Breitenfeldt mit sofortiger Wirkung gekündigt. Gemäss «onlinereports» hatte der norddeutsche Pfarrer seit seinem Amtsantritt 2008 in der Organisation immer stark polarisiert. Massive Vorwürfe an seinen Führungsstil wurden in einem Bericht des Onlineportals laut. Mission 21 weist indes die persönliche Kritik an Breitenfeldt offiziell zurück.

Vorstandspräsidentin Bettina Krause beschreibt die Rhetorik des Ex-Direktors lediglich als «pointiert». Sie wisse, dass er damit bisweilen Leute vor den Kopf gestossen habe. Fakt ist nur, dass seit drei Jahren 15 von insgesamt 70 Angestellten bei der Mission 21 gekündigt haben. Unterdessen leitet Magdalena Zimmermann, langjährige Mitarbeiterin und stellvertretende Direktorin, das Missionswerk ad interim. Laut Krause wird die Direktionsstelle sicher bis August vakant bleiben.

«Die Mission 21 steht vor einer Umstrukturierung», sagt Vorstandspräsidentin Krause. Vor der Suche nach einem neuen Direktor müsse zuerst die Ausrichtung des Missionswerks überarbeitet werden. Des Weiteren muss die Frage geklärt werden, in welchem Masse ein neuer Direktor eher ein Manager oder ein Theologe sein soll. Die Unsicherheit ist spürbar. Klar ist nur, dass sich etwas ändern muss.

«Klare Linie sehr anspruchsvoll»

Mission 21 arbeitet weltweit mit rund 60 Partnerkirchen zusammen und leistet in wirtschaftlich schwachen Regionen Entwicklungshilfe. Ein Blick auf die Organisationsstruktur eröffnet die extreme Komplexität dieses Gefüges. Darin sieht Anna Wegelin auch einen wichtigen Grund für die Turbulenzen der letzten Monate und Jahre: «Die internationale Mitbestimmung durch unsere Partner weltweit macht das Verfolgen einer klaren Linie sehr anspruchsvoll.» Auch weist sie darauf hin, dass Geldfragen eine zentrale Rolle spielten. «Wir sind auf Spenden angewiesen und müssen dafür sorgen, dass wir weiterhin auf die Kirchen zählen können, namentlich die Kirchgemeinden und Kantonalkirchen», so Wegelin.

Tatsächlich hat die Mission 21 auch schon erfolgreicher gewirtschaftet als derzeit. Die Jahresrechnung 2010 wies ein Defizit von zwei Millionen Franken aus. Zwar habe man zum Ausgleich genügend Reserven im Organisationskapital, aber auch für 2011 ist ein Mangel von einer halben Million Franken im Rahmenbudget festgehalten. Gemäss der Finanzabteilung habe man vermehrt auf Beiträge von Organisationen verzichten müssen. Vor allem auch von deutschen Partnern, weil der schwankende Eurokurs die Beträge zusätzlich negativ beeinflusst.

Das zehnjährige Bestehen der Mission 21 fällt heuer in eine hektische Phase des Betriebs. Die Medienbeauftragte Wegelin weiss, dass «man noch nicht über dem Berg ist», aber dass nun ein Aufschwung gefragt und unter den Mitarbeitern spürbar sei.