Suchthilfe beider Basel

Suchthilfe auf Bauernhöfen: Zwischen Hofidylle und Entzug

Die grosse Bandbreite von «Spektrum» zeigt sich darin, dass auch für Personen im Massnahmenvollzug ein Platz auf einem Bauernhof gesucht wird. (Symbolbild)

Die grosse Bandbreite von «Spektrum» zeigt sich darin, dass auch für Personen im Massnahmenvollzug ein Platz auf einem Bauernhof gesucht wird. (Symbolbild)

«Spektrum», ein Angebot der Suchthilfe beider Basel, wird 25 Jahre alt. Auf Bauernhöfen erhalten Menschen Hilfe, die wieder Anschluss an den Alltag finden wollen.

Leben auf dem Bauernhof. Das tönt schön, abenteuermässig und fast ein bisschen wie Ferien. Doch mit Ferien hat das Angebot «Spektrum» der Suchthilfe beider Basel nichts zu tun. Die Suchthilfe bietet für Menschen in schwierigen Lebensphasen oder mit Problemen mit Suchtmitteln Plätze in Gastfamilien, wo sie leben und arbeiten können.

Prädestiniert für solche Wohnsituationen sind Bauernhöfe. Diese seien laut Daniel Benlamri, Leiter von «Spektrum», ideal für eine Familienplatzierung.

Programm mit grosser Vielfältigkeit

Benlamri: «Bauernhöfe bieten eine Tagesstruktur und eine grössere Anzahl an möglichen Tätigkeiten.» Zudem seien die Klienten nicht dem Druck ausgeliefert, wie es im Gewerbe der Fall wäre. Wie die Suchthilfe selbst ist auch das Programm «Spektrum» von grosser Vielseitigkeit. Das Angebot richtet sich an Jugendliche in einer Krise, die eine Auszeit in einem betreuten Rahmen brauchen, oder an solche, die für eine gewisse Zeit vom Schulunterricht ausgeschlossen wurden und ein «Time-out» auf dem Bauernhof machen müssen.

Das Angebot richtet sich aber genauso an Personen in einem Substitutionsprogramm, die mit einem Ersatzstoff versuchen, von der Drogensucht wegzukommen. Die grosse Bandbreite von «Spektrum» zeigt sich darin, dass auch für Personen im Massnahmenvollzug ein Platz auf einem Bauernhof gesucht wird.

Regeln einhalten

Delinquenten, die sich im Rahmen der Drogensucht strafbar gemacht haben und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurden, können beim Richter einen Antrag auf eine Familienplatzierung stellen. Die Suchthilfe garantiert während des mehrmonatigen Aufenthalts Begleitung sowie Beratung und bietet einen 24-Stunden-Pikettdienst, sollte die betroffene Person in eine Krisensituation geraten. Auch für das Umfeld des Betroffenen wird gesorgt. Um teilnehmen zu dürfen, müssen die Personen ohne Suchtmittel leben und bereit sein, sich auf wöchentliche Therapiegespräche einzulassen und Regeln und Abmachungen einzuhalten. Erlaubt seien Methadon und Medikamente nach ärztlicher Verordnung.

Jährlich sind es 20 bis 25 Klienten, die in fremde Familien platziert werden. Es seien immer wieder die gleichen Bauernfamilien, die teilnehmen, erklärt Benlamri. «Es ist schwierig, neue Plätze zu finden, da immer noch viele Vorurteile, die nur teilweise zutreffen, vorhanden sind.» Die Bauernfamilien werden bei Interesse im Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain geschult und erhalten bei einer Teilnahme einen Lohn.

«Spektrum» ist eine Erfolgsgeschichte. Das Wegkommen von der Gasse und vom ehemaligen Kollegenkreis ermöglicht eine langsame Eingliederung in einen Alltag zwischen Familienleben und Arbeit. «Wir haben eine relativ gute Erfolgsquote», sagt Daniel Benlamri.

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