In Basel verschwindet ein Ort, der mehrere Generationen geprägt hat. Viele Leute aus der Region kennen das Beizli im Eglisee von Kindesbeinen an. Sie haben dort ihre Freunde getroffen, auf dem Eis trainiert und im Anschluss ein Ketchup-Brot oder eine Wurst gegessen.

Am Sonntagnachmittag öffnet das Beizli zum letzten Mal seine Türen. Dann ist Schluss. Nach über 35 Jahren. Das heutige Beizli wird zum Aufenthaltsraum für das Betriebspersonal. Schuld seien einige «sture, unbelehrbare, unwissende Schreibtischtäter unserer tollen Stadt», die das Beizli aus den Umbauplänen des Eglisee gestrichen hätten, empört sich Beizer Peter Scheidegger in einem Beitrag auf Facebook.

Trauer, Wut, Enttäuschung

Die Kunschti Eglisee ist Scheideggers zweites Zuhause. Er betreibt zusammen mit Ruedi und Uschi Baumeler das Beizli. Seine «tiefe Trauer» über die Schliessung der Beiz bringt er auf Facebook mit weinenden Emoticons zum Ausdruck. Die jahrelange Arbeit werde «einfach kaputtgemacht». Auch Scheideggers Facebook-Freunde sind traurig, enttäuscht und wütend. Viele kommentieren seinen Beitrag im Internet. Von «schad» über «himmeldruurig» bis zu «zum Kotze, was do lauft» ist alles dabei. Einigen «fehlen die Worte». Oft fällt der Satz: «Das passt zu dieser Stadt: Alles was gut ist, muss weg.»

Schuld an der Schliessung sind aber nicht «die Schreibtischtäter der Stadt». Den Entscheid hat der Verein Kunschti Eglisee gefällt. «Das hat auch nichts mit dem Umbau zu tun», stellt Vorstandspräsident Jürg Guldimann klar. Ruedi und Uschi Baumeler würden altershalber aufhören. «Daraufhin haben wir beschlossen, die Beiz aus wirtschaftlichen Gründen zu schliessen.» Natürlich sei es schade, aber letztlich sei sich der Vorstand einig gewesen. «Wir wollen als Verein mögliche Defizite des Beizlis nicht tragen. Dieses Geld würde beim Schlittschuhlaufen fehlen», sagt Guldimann. Und die Kunschti zu betreiben, sei schliesslich die eigentliche Aufgabe des Vereins.

Nach dem Training nach Hause

Das Beizli lief am Schluss auch nicht mehr gleich gut wie früher. Heute hätten viele Leute einen langen Heimweg, sagt Guldimann. «Sie sitzen nach dem Training seltener ins Beizli, um gemeinsam etwas zu essen oder zu trinken.» Zudem trainiere der Nachwuchs nicht mehr auf der Kunschti Eglisee. «Die Vereine kommen erst kurz vor sieben und das restliche Publikum geht in die grosse Beiz», sagt Guldimann. Der Verein Kunschti Eglisee lebt aber auch ohne Beizli weiter. Und die Erinnerungen bleiben: «Die schöne Zeit im Beizli können sie uns nicht nehmen», schreibt eine Frau unter Scheideggers Facebook-Beitrag.