Schon heute ist der Südschwarzwald für die Schweiz ein bekannter und beliebter Ausflugsort. «Erst kürzlich habe ich am Wochenende viele Autos mit Schweizer Kennzeichen gesehen. Viele übernachten auch hier», berichtet Walter Krögner. Er ist beim Freiburger Regierungspräsidium für die Koordinierungsstelle zum sogenannten Biosphärengebiet Südschwarzwald zuständig.

Am Sonntag hat der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller von der Unesco die Anerkennungsurkunde zum Biosphärengebiet erhalten. Gemeint ist damit eine Modellregion, in der nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht exemplarisch verwirklicht werden soll.

In der Schweiz erhielt das Entlebuch im Kanton Luzern 2001 als zweite Region diese Auszeichnung (siehe Box). «Vorher war es nicht so bekannt», konstatiert Krögner und hofft auf positive Auswirkungen auf den Tourismus.

Unterschied zum Naturpark

In einem Biosphärengebiet geht es neben diesem auch um die Regionalentwicklung, die Landwirtschaft und das Infrastrukturangebot. «Es ist auch die Frage, wie attraktiv der ländliche Raum für junge Menschen bleibt», betont Krögner. Während in einem Naturpark 75 Prozent der Fläche der Nutzung entzogen ist, ist dies im Biosphärengebiet nur bei Kernzonen in 3 Prozent der Fläche der Fall.

Die Region zwischen Feldberg, Belchen und Oberem Wiesental war bereits bis Ende 2012 für zehn Jahre ein Naturschutzgrossprojekt. Die Idee, sich weiter zum Biosphärengebiet zu entwickeln, stammt von den 28 Gemeinden, in denen auf 63 000 Hektaren 38 000 Einwohner leben. 2016 wurde das Biosphärengebiet, das sich von 310 bis auf 1420 Höhenmetern erstreckt, bereits nach baden-württembergischen Landesrecht anerkannt.

Der Südschwarzwald hat auf engem Raum unterschiedliche Traditionen hervorgebracht: Fast jedes Dorf hat seine eigene Tracht, die Fasnacht und die Holzschnitzereien sind lebendige Beispiele des Brauchtums. Kennzeichnend sind auch die Allmendweiden – gemeinschaftlich genutzte, meist grossflächige Bergweiden, die bis in die höchsten Lagen reichen. Hier finden sich die Vorderwälder- und Hinterwälderrinder, «beides traditionelle Rinderrassen, die an die bergige Umgebung besonders gut angepasst sind», wie es im Flyer zur Region heisst.

Artenreichtum auf Weiden

Wegen des grossen Artenreichtums sind die Allmendweiden, die seltener geworden sind, besonders schützenswert. «Auch die beiden Rinderrassen zählen zu den gefährdeten Nutztierrassen», erfährt man weiter. Reizvoll sei der Wechsel zwischen Wald und offenem Land. Auf 2100 Hektaren, das sind 3,3 Prozent der Fläche, wird der Wald sich selbst überlassen und so zu einer Art «Urwald».

Generell haben die Gäste- und Übernachtungszahlen 2016 und auch im ersten Halbjahr 2017 laut «Schwarzwald Tourismus GmbH» im ganzen Schwarzwald Rekordwerte erreicht. Mit mehr als 1,6 Millionen Übernachtungen kamen 2016 mehr als ein Drittel der europäischen Gäste aus der Schweiz und zwar «überwiegend aus der deutschsprachigen Schweiz wie der Region Basel, Zürich und dem Kanton Aargau», so die Medienstelle. Im ersten Halbjahr 2017 sind die Schweizer Gästezahlen erstmals seit Jahren leicht um 0,3 Prozent zurück gegangen. Vielleicht hilft die Unesco-Auszeichnung diesen Trend wieder umzukehren?