Blues in den Knochen
Summerblues-Organisator Rueff: «Ich habe das Kleinbasel lieben gelernt»

Das Festival feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Mit 18'000 Besuchern jährlich ist der Summerblues mittlerweile zum grössten Blues Openair in der Schweiz geworden.

Delphine Conzelmann
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Summer Blues Basel
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Summer Blues (Archiv)
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Summer Blues Basel

Kenneth Nars

Der erste «Summerblues» wäre fast ins Wasser gefallen. Wortwörtlich. Den ganzen Tag hat es geregnet und Organisator Thierry Rueff war am Ende: «Ich war richtig deprimiert. Nach einer so langen Vorbereitungszeit habe ich mich auf einen wunderbaren Abend gefreut.» Und tatsächlich sollte Rueffs Traum sich auf wundersame Weise erfüllen.

Kurz vor sechs Uhr verzogen sich die Regenwolken, und nicht nur das Wetter, sondern die Stimmung übertraf alle Erwartungen. Heute feiert das Kleinbasler Blues-Openair sein zehnjähriges Jubiläum. Ohne die Leidenschaft des Organisationskomitees gäbe es das ehrenamtlich organisierte Festival nicht.

Im Fall von Rueff sind es zwei Leidenschaften, die ihn zur Gründung des Summerblues inspiriert haben: Die Blues-Musik und das Kleinbasel. Zwei Dinge, die einiges miteinander gemein haben.

Die Blueswelt zu Gast

«Blues ist Musik, die lebt und selbst zum Leben animiert», meint Rueff. Man spielt sie ohne Notenblätter und beim Improvisieren wird jeder respektiert. Blues ist spontane und dynamische Gemeinschaft. Das ist auch das Kleinbasel, ist Rueff überzeugt: «In meiner Arbeit als Direktor der Manor habe ich dieses Quartier neu entdecken dürfen und über die Jahre lieben gelernt. Ich wollte diesem Stadtteil mit dem Openair auch etwas zurückgeben».

Das hat er getan. Mit 18 000 Besuchern jährlich ist der Summerblues mittlerweile zum grössten Blues Openair in der Schweiz geworden, das Gäste und Acts aus der ganzen Welt in die pittoresken Strassen des Kleinbasels lockt. Verdient gemacht hat sich der Summerblues besonders durch seine Nachwuchsförderung. «Uns war es von Anfang an wichtig, dass wir regionale Blueskünstler unterstützen», erklärt Rueff. Deshalb trägt das Openair auch jedes Jahr die «Swiss Blues Challenge», gewissermassen das Cupfinal der Schweizer Bluesmusiker, aus.

Am Summerblues treffen Nachwuchs und Erfahrung aufeinander. Das zeigt sich auch an den Künstlern, die dieses Jahr zur Feier des Jubiläums auf den verschiedenen Kleinbasler Bühnen auftreten werden. Rueff freut sich besonders auf einen speziellen Programmpunkt: «Am Theodorskirchplatz gibt es dieses Mal eine Bühne nur für regionale Künstler».

Dazu gehört das junge Ausnahmetalent Evelyne Péquignot, die unter dem Namen «Little Chevy» gerade ihr neues Album «Lucky Girl» herausgegeben hat, das sie auch am Summerblues präsentieren wird. Im Kontrast dazu werden mit der Band «Lazy Poker Blues Revue» auch richtige Blues-Veteranen die Regio-Bühne bespielen. «Natürlich ist Musik Geschmackssache», räumt Rueff ein, aber am Freitagabend soll etwas für jeden Geschmack mit dabei sein.

Basels Sommer ist musikalisch

Dass das Blues-Festival ausgerechnet am Freitag vor den Sommerferien stattfindet ist kein Zufall. Es ist für viele zu einer Abschlussfeier geworden: Das Schuljahr ist zu Ende, die politischen Geschäfte werden vorerst zur Seite gelegt und «man kann noch einmal so richtig auf die Pauke hauen, bevor alle in die Ferien fahren», erklärt Rueff. Mit «Em Bebbi sy Jazz», das jeweils am Ende der Ferienzeit stattfindet, ist der Basler Sommer musikalisch gerahmt.

Auf die Expertise des Bebbi Jazz-Organisators konnten die Gründer des «Summerblues» damals auch zurückgreifen: «Zuerst dachte ich, wir könnten uns als Kleinbasler Teil an den Bebbi Jazz anschliessen, doch das war von den Kapazitäten her nicht möglich», erzählt Rueff. Zu einer Kooperation kam es dann aber doch: «Besonders wichtig war es für uns, von den Erfahrungen des Festivals zu lernen. Das hat uns viel Lehrgeld erspart.»

Es geht um den «Plausch»

Lehrgeld, das sich der «Summerblues» vielleicht nicht hätte leisten können. Finanziert wird das Openair von Sponsoren, für die Besucher ist es gratis. «Ein Anlass von dieser Grösse in der Innenstadt wäre ohne freien Eintritt gar nicht möglich», meint Rueff. Nicht mehr denkbar sei heute auch ein Festival ohne kulinarische Reize. Seit wenigen Jahren bietet der «Summerblues» auch ein Street-Food-Festival. Es gehe schliesslich nicht um die Musik allein, sondern um das Lebensgefühl, das sie vermittle. Zu Deutsch: um den «Plausch». Deshalb versuche das Festival sich auch jedes Jahr weiter zu entwickeln, und seine vielen Fans immer wieder von Neuem zu überraschen.

Auch wenn der Festivaltag für Rueff zu den anstrengendsten des Jahres gehört, will er sich die Freude am Anlass nicht nehmen lassen. «Mir geht es um den Blues, und nichts anderes», sagt er voller Vorfreude. Vielleicht werde er sich sogar dazu hinreissen lassen, bei ein paar Stücken selbst mitzuspielen. Weitere Infos auf www.summerblues.ch

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