Öffentlicher Verkehr

Super-U-Abo als Rettung für den Basler öV?

Immer mehr steigen vom Tram aufs Elektrovelo um: Politiker wollen kombinierten Zugang zu den Verkehrsträgern.

Immer mehr steigen vom Tram aufs Elektrovelo um: Politiker wollen kombinierten Zugang zu den Verkehrsträgern.

Regionale Verkehrsbetriebe verlieren fast zwanzig Prozent. Linke fordern ein Abo, das E-Velos und Mietautos beinhaltet.

Die Zahlen bereiten den regionalen öV-Unternehmen Bauchschmerzen. In den vergangenen Monaten verkaufte der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) 13 Prozent weniger U-Abos als in der Vorjahresperiode. Bei den Monatsabos ging die Zahl gleich um 24 Prozent zurück – lediglich beim Absatz der Jahresabos konnte der Schaden in Grenzen gehalten werden (minus vier Prozent).

Den schlimmsten Einbruch verzeichnete der TNW bei den Einzelbilletten, Mehrfahrten- sowie Tageskarten. Der Rückgang beläuft sich hier auf 37 Prozent, wie der TNW-Geschäftsführer Adrian Brodbeck auf Anfrage sagt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr verzeichnet der Transportverbund bisher im Jahr 2020 ein Minus von 19 Prozent – dies bei einem Umsatz von 244 Millionen Franken.

Aboverkäufe bilden die Haupteinnahmequelle

Die Ursachenforschung gestaltet sich zumindest vordergründig einfach: Coronabedingt sind viele Pendler aufs Auto oder Velo umgestiegen – andere, die im Homeoffice tätig sind, sind gar nicht erst auf ein Transportmittel angewiesen. Adrian Brodbeck sagt zwar, dass die Ertragsausfälle für 2020 erst Ende Jahr genau beziffert werden können. Gleichwohl geht er von einem «grossen Loch» in der Kasse aus. Das U-Abo, das monatlich 80 Franken kostet, wird durch die Verkaufseinnahmen sowie einen kantonalen Betrag von 25 Franken pro Monatsabo finanziert.

Die Erträge aus den Abonnementsverkäufen bilden die Haupteinnahmequellen der Transportunternehmen der beiden Basel. Der TNW-Geschäftsführer will von einer Erhöhung der U-Abo-Preise aber absehen, sagt allerdings auch: «Sollten die Einbussen längerfristig anhalten, werden Diskussionen zwischen Kantonen und Transportunternehmen stattfinden müssen, wie die Finanzierung des Angebots in der heutigen Form erfolgen soll.»

Der Basler Umweltpolitiker Raphael Fuhrer (Grüne) will die öV-Krise nun nutzen, um eine grundsätzliche Diskussion über das Umweltschutz-Abo zu lancieren. Der Passagierrückgang bei Tram und Bus habe schon vor Jahren eingesetzt, sagt er. Allein die BVB verzeichneten im Jahr 2019 ein Minus von einer Million Fahrgäste.

50 Prozent der Stadtbasler haben kein Auto

Fuhrer, der die grossrätliche Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) präsidiert, fordert, dass das U-Abo künftig auch für andere Mobilitätsangebote gelten soll. Ihm schwebt ein «Super-U-Abo» für alle öV-Benutzer vor. Die Zielgruppe ist jedenfalls gross. Fünfzig Prozent der Stadtbasler Haushalte besitzen heute kein eigenes Auto mehr.

«Mit dem neuen Super-U-Abo soll man nicht nur Bus, Tram und Zug fahren dürfen, sondern auch ein Guthaben für Elektrovelos und Autos von Carsharingfirmen wie Catch-a-Car haben», sagt Fuhrer. Ein solches Rundumpaket, so die Vorstellung Fuhrers, würde beispielsweise auch die Benutzung des Veloparkings beim Bahnhof SBB beinhalten.

Bei der Basler Regierung ist der Fuhrer (Grüne) gemeinsam mit vorwiegend linken Grossratskollegen bereits vorstellig geworden mit der Anregung, für die vielen verschiedenen Angebote ein personalisiertes Nutzungskonto zu erstellen. Fuhrer sagt: «Der öV lebt von den Leuten, die kein Auto haben. Und ich fordere, dass der Kanton sich damit auseinandersetzt, dass die Fortbewegungsarten immer vielfältiger werden.»

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