Art Basel
Sven Regener: «Die grüne Flasche deutet deutlich auf mich hin»

Sven Regener und seine Berliner Band Element of Crime stellen zum ersten Mal ihre Kunstsammlung aus. Ausgesuchte Werke aller vier Bandmitglieder sind bis Sonntag in der Orangerie gegenüber der Fondation Beyeler in Riehen ausgestellt.

Susanna Petrin
Drucken
Teilen
Richard Pappik und Sven Regener von Elements of Crime stellen ihre gesammelten Werke aus.

Richard Pappik und Sven Regener von Elements of Crime stellen ihre gesammelten Werke aus.

Kenneth Nars

Kunst ist für Sven Regener etwas, dessen man sich in Berlin kaum erwehren kann. Als der Kopf der Band Element of Crime 1982 nach Berlin zog, war Kunst einfach überall und jeder war auch ein Künstler: «Man konnte keinen Stein werfen, ohne einen Künstler zu treffen oder eine Galerie, in der gerade Vernissage ist», sagt er. Element of Crime beschlossen damals, im Gegensatz zum herrschenden «Jeder-macht-alles-Trend», sich auf die Musik zu konzentrieren. Die bildende Kunst anderer hängten sie aber gern bei sich zu Hause auf.

Jetzt, gut 30 Jahre später – Regener hat seither unter anderem die Lehmann-Trilogie geschrieben –, werden die Musiker doch auch für ihre bildende Kunst bekannt: als Kunstsammler. Ausgesuchte Werke aller vier Bandmitglieder sind bis Sonntag in der Orangerie gegenüber der Fondation Beyeler in Riehen ausgestellt.

Konzertplakat aus Ostberlin

Zuvorderst hängen die Bilder des Frontmanns. «Die gehören zu meinem Leben», sagt Regener, «fast alle haben einen Bezug zu Erlebnissen mit der Band.» Ein spezielles Erinnerungsstück sei das Plakat, das ein «halb-heimliches» Konzert in Ostberlin ankündet, zwei Jahre vor dem Mauerfall. Der anonyme Macher habe es im Treppenaufgang der Ostberliner Umweltbibliothek aufgehängt.

Der Blitz schlägt ein in Karen Koltermanns «Real Fans Don’t Quit», sie malte das Bild nach einem Open-Air-Konzert, «bei dem es ringsum gewitterte, als ob die Welt unterginge». Ihre «Bluebird Tapes» illustrieren Live-Aufnahmen der Band, inspiriert von trashigen Raubkopie-Tapes. Bekannt sind Jens Kloppmanns reproduzierte Einschusslöcher, wie es sie in Berlin noch in mancher Hausfassade gebe. Und im Porträt von 4000 – dieser Künstler verhalte sich zu Rembrandt «wie Rock ’n’ Roll zu Bach» – erkennt Regener sich selbst: «Die grüne Flasche deutet deutlich auf mich hin.»

Tourdaten von Element of Crime:

Heute Donnerstag, 13. Juni, in Solothurn, Kulturfabrik Kofmehl

Am Freitag, 14. Juni, in Zug, Chollerhalle

Samstag und Sonntag, 15. und 16. Juni in Riehen, Spiegelzelt im Sarasinpark

Das erste Bild, das Regener sich je gekauft hat, zeigt zwei Menschen beim Sex. 1983 gemalt vom einstigen Bandkollegen, dem Altsaxofonisten und HdK-Meisterschüler Matthias Düwel. Warum gerade dieses? «Er hatte tolle grössere Bilder, aber diese kleine Skizze war das Einzige, das ich mir damals leisten konnte. Wenn man arm ist, ist alles teuer.»

«Zwergenporno» im Wald

Richard Pappik ist Prinz-Fan. Und zwar des «wirklichen, wahren, einzigen und ersten Prinzen.» Dieser Berliner Prinz baut skurrile Welten in verglasten Holzkästen. Etwa wenige Zentimeter kleine Gartenzwerge, die auf einem Filmset im Wald «einen Zwergenporno» drehen, wie Pappik sagt. «Das ist sogar interaktiv.» Tatsächlich, zieht man an einer Schnur, bewegt man das gefilmte Paar zum Beischlaf. Er grinst: «Diese Kunst macht mich in erster Linie fröhlich.» Prinz und er hätten früher zusammen Musik gemacht und sich «gegenseitig mit Verrücktheit befruchtet».

Die breiteste, kunstkennerischste Kollektion ist die des Gitarristen Jakob Ilja. Ein einziges Bild steuert Bassist David Young bei, gemalt von seiner Oma. Diese Reduktion auf ein Werk sei typisch für den Bassisten, sagt Regener, «einmal bumm und gut ist».

Regener und Pappik kommen gerade von der Art – «toll, diese unkuratierte Überdosis». Der Marktwert ihrer eigenen Bilder interessiert sie aber überhaupt nicht: «Ich will die ja nicht verkaufen», sagt Regener.

Als «weitestgehend prestige-, mode- und marktunabhängig» beurteilen auch Fondation-Beyeler-Direktor Sam Keller und Thomas Dürr, CEO von Act Entertainment, die Sammlung. Mit dieser Ausstellung ist eine aussergewöhnliche Idee und Zusammenarbeit dieser beiden wahr geworden. Sie soll den Auftakt geben für eine ganze Reihe namens «Velvet», die Kunst und Musik verbindet – wie es einst die Band Velvet Underground vormachte.

Element of Crime spielen zudem am Samstag und Sonntag im Sarasinpark – im zauberhaften Spiegelzelt. «Man kann kaum eine tote Katze in die Schweiz schleudern, ohne einen Ort zu treffen, an dem wir nicht schon gespielt haben.» lautet ein Ausspruch Regeners. Da wo sie jetzt sind, waren sie noch nie – in Riehen.

www.actnews.ch

Aktuelle Nachrichten