Euro Wechselkurs

SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser: «Der Zolli diskriminiert die Ausländer»

Trotz gestiegenem Euro: Der Zolli passt die Eintrittspreise nicht an.

Trotz gestiegenem Euro: Der Zolli passt die Eintrittspreise nicht an.

Der Franken-Euro-Wechselkurs von 1:1 vertreibe die Touristen aus dem nahen Ausland, sagt SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser.

Der Schweizer Franken ist seit August im Vergleich zum Euro so schwach wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. 1.15 Franken muss man heute für einen Euro bezahlen. Das ist beinahe so viel wie vor dem berühmten Nationalbank-Entscheid Anfang 2015, als die Währungsbindung aufgegeben wurde.

Vom tiefen Franken profitiert die hiesige Wirtschaft. Die ausländischen Touristen können sich einen Ausflug nach Basel eher leisten – könnte man meinen. Doch verschiedene Publikumsmagneten der Region wollen nichts von Anpassungen wissen. Sie behalten den Kurs von 1:1 bei. Wer beispielsweise beim Basler Zoo, bei der Fondation Beyeler in Riehen oder bei Aquabasilea in Pratteln mit Euro bezahlt, der muss derzeit Einbussen von 15 Prozent in Kauf nehmen. 43 Euro kostet der Zolli-Eintritt für eine Familie mit zwei Kindern in bar. Der Kursverlust liegt bei 6.50 Franken. Im Restaurant sieht es nicht anders aus. Ein Eis für drei Franken gibts für: drei Euro.

Fondation erwägt Anpassung

An dieser Preispolitik wird nun Kritik laut. Heinrich Ueberwasser, SVP-Grossrat und Präsident des trinationalen Districtsrats, empört sich über die Kundenunfreundlichkeit der angesprochenen Institutionen, etwa des Zollis. «Die Ausländer werden mit der Euro-Franken-Parität diskriminiert. Das schadet Basel als aufblühendem Tourismus-Standort», sagt der Riehener. Von grösseren Einrichtungen erwarte er, dass sie auf derart starke Währungsschwankungen reagierten.

«Auch wer bar in Euro zahlt, verdient einen fairen Kurs. Wer sich in einem Geschäft fair behandelt fühlt, konsumiert gerne mehr und empfiehlt es gerne weiter», ist Ueberwasser überzeugt. Pro-Innerstadt-Geschäftsführer Mathias Böhm sagt hingegen: «Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass man nicht jeden Tag den Kurs anpassen will und kann.» Zudem sei es den einzelnen Institutionen überlassen, welche Preispolitik sie betreiben. Doch handelten die Unternehmen gewiss «nicht clever», wenn sie sich am neuen Wechselkurs bereicherten.

Nur vereinzelt reagieren die Betriebe auf den neuen Kurs. Das Kunstmuseum verlangt für die Sonderausstellungen «All-in-One» beispielsweise 30 Franken respektive 27 Euro. Und in der Fondation Beyeler, die bisher Euro und Franken gleichstellt, werden «derzeit Anpassungen geprüft», wie eine Angestellte sagt. «Beim Museumseingang wurde dies in den vergangenen Tagen öfters angeregt», sagt sie.

Anders die Aussage bei Aquabasilea und beim Zoo. Im Badeland in Pratteln gilt bei Bar-Zahlungen weiterhin die Rechnung: Ein Euro ist einen Franken wert. Ein Tagespass für Erwachsene kostet demnach 40 Franken – oder 40 Euro. Bei immerhin 25 Prozent der Kunden aus dem Euro-Raum werden derzeit alleine über den Wechselkurs ziemliche Gewinne eingefahren.

Auf Nachfrage, ob eine Anpassung zur Diskussion stehe, antwortet Aquabasilea-Geschäftsführer Michael Atassi ausweichend: «Leider bekommen wir keinerlei Zuschüsse für unseren Betrieb von Stadt oder Kanton, daher sind wir auf unsere qualitätsbewussten Kunden aus dem Euro-Raum ebenso angewiesen wie auf unsere Schweizer Gäste.»

Auch beim Basler Zolli mit den nach eigenen Angaben rund 12 bis 13 Prozent Besuchern aus dem Euro-Raum ist geplant, «vorläufig» am 1:1-Kurs festzuhalten. Dies mit dem Hinweis, dass viele Touristen aus dem nahen Ausland mit Kredit- oder Debitkarte bezahlten.
Man sei zudem nicht besonders interessiert an Euro-Bargeld, lässt Zolli-Sprecherin Tanja Dietrich ausrichten.

«Wir haben nahezu keine Beschaffungen aus dem Euro-Raum», sagt sie. An eine Wechselkursanpassung würden die Zoo-Verantwortlichen erst denken, «sobald sicherer ist, dass der Höhenflug nicht nur vorübergehend ist.» Dies ist Heinrich Ueberwasser nicht schnell genug. Der Grossrat sagt: «Dann hat man die Kunden vielleicht schon vergrault.»

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