Badminton
Swiss Open: Absagen von Top-Spielern aber trotzdem mehr Zuschauer

Der Präsident des Badminton-Turniers Swiss Open, Christian Wackernagel, zieht eine zwiespältige Bilanz zum Sportevent.

Tobias Müller
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Christian Wackernagel, Turnierchef des Badminton Swiss Open.

Christian Wackernagel, Turnierchef des Badminton Swiss Open.

Roland Schmid

Mit den Finalspielen vom Sonntag in den Kategorien Einzel, Doppel und Mixed ging die 26. Austragung des grössten Badminton-Turniers in der Schweiz, des Swiss Open in der St. Jakobshalle, zu Ende. Es war ein spezielles Jahr für die Veranstalter des mit 1,3 Millionen Franken budgetierten Events: Die zeitgleich stattfindende Baselworld, einige kurzfristige Absagen hochkarätiger Spieler sowie die Vertragsverlängerung mit Hauptsponsor Yonex machten die Austragung 2016 zu einem turbulenten Jahrgang. Präsident Christian Wackernagel äusserte sich nach dem Turnier zu ein paar Aspekten.

Die Absenzen einiger Spieler:

«Natürlich hat es geschmerzt, einfach auch aus der Sicht als Badminton-Fan, da ich diese Spieler gerne gesehen hätte. Vor allem bei der Weltnummer 2 der Männer, Lee Chong Wei, war es besonders bitter. Er ist ja auch schon 33 Jahre alt, und es wäre toll gewesen, ihn hier nochmals in Basel präsentieren zu können. Wenn er bei Olympia in Rio nun die Goldmedaille im Einzel holen würde, eine Auszeichnung, die ihm noch fehlt, ist die Chance gross, dass er seine Karriere danach beendet. Aber auch zum Beispiel im Mixed und im Doppel sagten einige hochkarätige Spieler ab, was schade ist. Es war aber nach wie vor ein Spitzenfeld, das wir hier präsentieren konnten. Mit über 40 Nationen war das Teilnehmerfeld so breit gefächert wie noch nie. Uns kam entgegen, dass das Turnier in Basel relativ kurz vor den Olympischen Spielen in Rio liegt und daher einige Spieler noch Punkte für die Weltrangliste holen wollten. Darum kamen schliesslich trotzdem viele gute Spieler hierher.»

Das sportliche Niveau:

«Das Level der Spieler war trotz Fernbleiben einiger Topstars wirklich gut. Das Leistungsfeld war dieses Jahr unheimlich dicht. Es gab viele enge, spannende Partien. Auch die Zuschauer haben mir bestätigt, dass die Spannung in diesem Jahr noch höher gewesen sei als in den Vorjahren. Man hat dieses Jahr auch neue Gesichter gesehen, was ich erfrischend finde.»

Die Zuschauerzahlen:

«Wir hatten mehr Zuschauer als in den Vorjahren, das ist erfreulich. Vor allem die Kulissen am Freitag und Samstag waren beeindruckend. Aber wir waren an keinem Tag ausverkauft, auch am Finaltag nicht. Das ist auch nicht wirklich realistisch, da die Halle Platz für 5000 Menschen bietet. Eine Ernüchterung war sicher der Donnerstag, als der FCB gespielt hatte. Da war der Abend eine wahre Katastrophe, weil natürlich alle vor dem Fernseher sassen. Trotzdem konnten wir die Gesamtzahl an verkauften Billetten zu den letzten Durchführungen steigern. Insgesamt waren es über die Woche 17'000 Tickets, die wir absetzen konnten. In den Vorjahren waren es rund 15'000.»

Der Einfluss der Baselworld:

«Der Einfluss war gar nicht so gross, wie man dies meinen könnte. Wir hatten wegen der Ausstellung nicht mehr Zuschauer. Das einzige Problem war, dass alle Hotels in der Region ausgebucht waren in dieser Woche und darum unsere Spieler im Grossraum Zürich untergebracht werden mussten. Sie mussten jeden Tag von Zürich hierher transportiert werden und dann wieder zurück. Die Spieler fanden das nicht schlimm. Sie sind es sich gewohnt, wenn sie in grossen Städte wie beispielsweise Los Angeles spielen, dass die Anfahrtswege länger dauern. Für uns Verantwortliche war es doch eher ein Problem, da es Mehrkosten verursachte. Wir zahlten 25'000 Franken obendrauf für die Busse, die Fahrer und das Benzin. In dieser Hinsicht hat uns die Baselworld natürlich belastet. Für ein Turnier, das sowieso schon auf das Geld schauen muss, ist das ärgerlich. Nächstes Jahr ist die Baselworld zum Glück eine Woche nach dem Swiss Open.»

Die Zukunft des Turniers:

«Wir planen in Vierjahres-Zyklen. Wir konnten dieses Jahr den Vertrag mit unserem Hauptsponsor bis 2020 verlängern, dann also, wenn die nächsten Olympischen Spiele stattfinden. Das heisst, wir können auch da wieder die Stars präsentieren, die dann später in Tokio um die Medaillen kämpfen werden. Und ausserdem ist da natürlich auch der finanziell positive Aspekt einer solchen Vertragsverlängerung – sie bedeutet die Existenzsicherung dieses Events. Das ist schon einmal eine gute Absicherung für uns und lässt eine langfristige Planung zu.»

Der Umbau der St. Jakobshalle:

«Der Vertrag des Swiss Open mit der Halle läuft noch ein Jahr. Aufgrund des Umbaus, der 2018 beendet sein sollte, müssen wir in naher Zukunft mit den Verantwortlichen besprechen, wie es weitergeht. Verändern sich die Konditionen für uns? Müssen wir für diese eine Woche, in der wir die Halle nützen, mehr bezahlen in Zukunft? Das sind entscheidende Fragen. Denn, wirklich einen grossen finanziellen Spielraum nach oben haben wir nicht. Das Swiss Open aber in Zukunft nicht in Basel durchzuführen, kommt für uns eigentlich auch nicht infrage. Das Swiss Open gehört hierher, schon alleine wegen der Tradition.»