Heute hat das Bruderholz noch zwei Tramlinien: Die Nummern 15 und 16. Und sie waren der Grund für eine heftige Auseinandersetzung zwischen den Bewohnern des Quartiers und dem Baudepartement. Auslöser ist die geplante Sanierung der Gleise oben an der Wolfsschlucht.

Die Basler Regierung sieht vor, für 24,6 Millionen Franken die maroden Gleisanlagen zu ersetzen und die Tramhaltestellen umzubauen. Wörtlich und im übertragenen Sinn: Die Haltestelle Airolostrasse soll es künftig nicht mehr geben, dafür wird die Haltestelle Bruderholz rund 70 Meter Richtung Studio Basel verschoben. Zudem sollen neu alle Haltestellen den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes entsprechen. In diesem Zug fallen auch Allmendparkplätze im Quartier weg.

Die erste Erwägung

Entsprechend umstritten ist die Vorlage im Grossen Rat: Die FDP äusserte sich bereits kritisch und im Sinne der Anwohner. Sie befürchten, dass sie Komforteinbussen erleiden. Doch drohen könnte noch mehr.

In einem Schriftverkehr, welcher der bz vorliegt, erkundigt sich Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) bei BVB-Direktor Erich Lagler, ob im Fall einer Rückweisung der Vorlage eine Umstellung auf Busbetrieb «tatsächlich gemeinsam mit Euch ernsthaft» zu prüfen sei. Und ob die Basler Verkehrs-Betriebe eine Weiterverwendung für die kurzen Flexity-Trams habe, die mittlerweile auch die Bruderholz-Strecke bedienen.

Baudepartement beschwichtigt

Das wäre das grösste anzunehmende Unglück aus Sicht der kritischen Bruderholz-Bewohner. Denn genau davor fürchten sie sich: Dass ihre Kritik am Projekt mit der Abschaffung der Tramlinien bestraft würde. Entsprechende Wortmeldungen gab es bereits an einer öffentlichen Veranstaltung im Quartier.

Das Bau- und Verkehrsdepartement aber beschwichtigt: «Niemand erwägt ernsthaft die Aufhebung der Tramlinien übers Bruderholz», sagt dessen Sprecher Marc Keller. Natürlich müsse man für den Fall der Fälle alle Optionen prüfen: «Aber es kann keine Rede von einem Bus- statt Trambetrieb auf dem Bruderholz sein.» Im Gegenteil, denn der Regierungsrat beantrage ja die Sanierung der Traminfrastruktur.

Flexity-Tram flexibel

Der einzige Bus, der statt eines Trams fahren soll, sei der Ersatzbus, der während den Bauarbeiten zum Einsatz kommen soll. Das Departement sei zuversichtlich, dass das Parlament der Vorlage für Gleisersatz und Neubauten zustimme. Keller: «Weiter möchten wir uns – vor der Grossratsdebatte – zu dem Projekt nicht äussern.»

Bei den Basler Verkehrs-Betrieben hüllt man sich mit dem Schreiben konfrontiert in Schweigen und verweist ans Bau- und Verkehrsdepartement. Für solche Fragen sei der Besteller zuständig und damit das BVD. Mehr Informationen sind aber nicht erhältlich. Regierungsrat Hans-Peter Wessels selbst war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die regierungsrätliche Frage nach der Weiterverwendung der kurzen und damit bergtauglichen Flexity-Trams hingegen ist rasch geklärt: Diese können durch den Hersteller Bombardier nachträglich verlängert werden und statt Neubeschaffungen auf dem restlichen Schiennetz eingesetzt werden.

Tiefe Frequenzen

Tatsache ist, dass die Haltestellen auf dem Bruderholz nicht zu den am besten ausgelasteten der Stadt gehören: So verweist die Regierung selbst darauf, dass die aufzulösende Haltestelle an der Airolostrasse ein tägliches Aufkommen von rund 200 Passagieren verzeichne und damit die am wenigsten genutzte auf dem Bruderholz sei.

Auch mit deren Aufhebung sei das Quartier noch gut bedient, heisst es in der Vorlage. Praktisch alle Bewohner des Quartiers würden nicht weiter als 300 Meter von der nächsten Tramhaltestelle wohnen. Die Einwohner der Airolostrasse müssen nach erfolgtem Umbau neu allerdings 100 Meter weiter gehen, um ins Tram zu steigen.

Die Gegner der Vorlage machen unter anderem geltend, dass durch die Verlegung der Haltestellen das in ihren Augen einzige verbliebene Zentrum des Bruderholz-Quartiers weiter geschwächt werde und die wenigen noch verbliebenen Gewerbetreibenden weitere Laufkundschaft verlieren könnten. Vor allem die FDP Basel-Ost stellt sich gegen das Projekt und erachtet es als Verschlechterung der heutigen Situation.