«Ihre Aussagen waren alles anders als überzeugend», erklärte Gerichtspräsidentin Dorrit Schleiminger dem 50-jährigen Verurteilten am Mittwochabend bei der Urteilseröffnung. Die Formulierung war diplomatisch, faktisch glaubten die fünf Richter dem Mann kein Wort. Sie gingen davon aus, dass er im April 2013 zusammen mit einem weiteren Mann in die Wohnung der Familie am Clarahofweg eingedrungen war, um versteckte Drogen oder zumindest Drogengelder zu suchen. Eine entsprechende «Schuld» bestand offenbar aufgrund des früheren Ehemannes der überfallenen Frau.

Die minutenlange Folterung der Frau mit Elektroschocks nahm zwar nicht der 50-jährige Angeklagte vor, doch als Mittäter rechnete ihm das Strafgericht auch die Handlungen seines Kumpels zu. Der unbekannte Folterknecht selbst ist weiterhin flüchtig und wurde bisher auch nicht identifiziert.

Unglaubwürdige Aussagen

Dass der 50-Jährige über die Gewalt schockiert gewesen sei und nicht bemerkt haben will, dass der andere Täter den Elektroschocker benutzt hat, nahm ihm das Gericht nicht ab. Als unglaubwürdig stufte es auch seine Geschichte ein, wonach er die Messer am Boden bloss aufgesammelt haben will. Das Gericht ging im Gegenteil davon aus, dass er während der Folter den Lebenspartner der Frau mit einem Messer in Schach hielt.

Das Strafgericht verurteilte den Mann wegen versuchten Raubes, versuchter Erpressung und versuchter Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Damit blieb das Gericht deutlich unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmass von elf Jahren. Zwar ging man ebenfalls von einer besonders grausamen Begehung aus, was eine Mindeststrafe von fünf Jahren vorsieht und Strafen bis zu 20 Jahren ermöglicht. Dorrit Schleiminger betonte aber, die besonders verwerfliche Vorgehensweise des Täters sei mit dieser erhöhten Mindeststrafe bereits bewertet.

Die Männer gingen planmässig vor: Der unbekannte Mittäter versuchte eine Woche vor dem Überfall bereits erfolglos, als angeblicher Handwerker die Wohnung auszukundschaften. Bevor die zwei Männer nach dem Überfall abzogen, setzten sie eine Frist von einer Woche: Sähen sie bis dahin kein Geld, werde der Sohn der Familie umgebracht. Daraufhin brachte die Polizei die gesamte Familie in Sicherheit, der Sohn durfte während der Abschlussarbeiten zur Matura wochenlang nicht mehr in seine Schule. Das Gericht sprach der Familie eine Genugtuung von mehreren tausend Franken zu.

Vorstrafe berücksichtigt

Die Verteidigerin hatte vergeblich verlangt, eine Vorstrafe des Mannes nicht zu berücksichtigen, weil sie bereits 20 Jahre zurückliegt.

Schleiminger stellte dazu aber fest, dass diese Frist erst nach Ende einer Gefängnisstrafe zu laufen beginne. Der aus der Türkei stammende Mann sass in Deutschland sieben Jahre wegen Drogenhandels mit einer Waffe. Auch in Polen ist er wegen Waffenbesitzes vorbestraft. Das Urteil kann noch weitergezogen werden.