«Jetzt haben sie nochmals eine Chance. Ihrem Opfer haben sie die genommen», sagte Gerichtspräsidentin Susanne Nese gestern zu den drei Verurteilten. Im Fall des in einer Wohnung am St. Johanns-Ring zu Tode gequälten 38-jährigen Drogensüchtigen blieb das Gericht beim Strafmass leicht unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, kam aber nach fünf Tagen Beweiswürdigung zu denselben Schlüssen. Auch sahen die Richter bei den langjährigen Drogenkonsumenten keine Einschränkung der Schuldfähigkeit.

So war für das Gericht klar, dass der 28-jährige Hauptangeklagte am 9. Dezember 2013 dem Opfer nach mehrtägiger Folter mit einer Spritze den tödlichen Schuss gesetzt hatte. Dabei verwendete er eine Diaphin-Spritze, die er zuvor als Teilnehmer des Janus-Programmes beim Totentanz mitgenommen hatte. Laut dem toxikologischen Gutachten erhielt der Mann in seinem Todeskampf das pharmazeutisch saubere Diaphin, kein Heroin von der Strasse. Wie Susanne Nese betonte, hatten sich die drei Angeklagten in diesem Punkt offenbar abgesprochen: Von der finalen Spritze wollte keiner der Angeklagten mehr wissen.

Ein Verteidiger hatte eingewendet, das Opfer hätte sich möglicherweise selber den goldenen Schuss gesetzt. Laut dem Gericht war der gefesselte Mann aber zu jenem Zeitpunkt nicht mal mehr in der Lage gewesen, etwas zu rauchen. Die fünf Richter sahen nebst vielen kleineren Nebenpunkten der Anklage vor allem die Freiheitsberaubung in einer besonders schweren Form sowie eine eventualvorsätzliche Tötung erfüllt.

«Sie haben ihn mit zunehmender Intensität gequält, gefoltert. Sie haben ihn systematisch und absichtlich geschwächt, physisch und psychisch gebrochen. Und so einer Person setzten sie dann den Schuss. Sie wollten ihn nicht retten, sondern sich selber in dieser Situation. Sie wollten den Tod nicht direkt, aber sie haben ihn in Kauf genommen», sagte Susanne Nese.

Mit kaltem Entzug bestraft

Das Vorgehen der zwei Männer stufte das Gericht als Mittäterschaft ein, die 56-jährige Mutter hingegen wurde lediglich als Gehilfin eingestuft und damit deutlich milder bestraft. Die drei hatten das Opfer zwei Tage zuvor auf den kalten Entzug gesetzt, weil er Kokain gestohlen haben soll. Später lagerte die Leiche wochenlang in einer Kiste auf dem Balkon.

Der 28-jährige Haupttäter muss für zehn Jahre hinter Gitter und eine Suchttherapie durchlaufen. Ein Gutachter sprach bei ihm von einer völligen Verwahrlosung. Nese betonte, er habe in diesem Verfahren als einziger Beklagter eine gewisse Einsicht gezeigt.

Der 30-jährige Mittäter muss für acht Jahre ins Gefängnis, dazu kommt eine frühere Reststrafe von drei Monaten. Allerdings liegt bei ihm die klare Diagnose einer dissozialen Persönlichkeitsstörung vor, weshalb das Gericht die Strafe aufschob und eine stationäre Therapiemassnahme anordnete. Deren Dauer ist unbestimmt, womit er möglicherweise länger hinter Gitter bleiben muss als der Haupttäter.

Die 56-jährige Mutter des Haupttäters soll für fünf Jahre hinter Gitter. «Sie waren während der Quälereien immer anwesend», betonte Nese. Die ehemalige Krankenschwester hatte auch dazu beigetragen, dass niemand den Notarzt rief. Alle drei Verurteilten können das Urteil weiterziehen.