Gute Nachricht für alle Kundinnen und Kunden von Ikea: Künftig wird das schwedische Einrichtungshaus nicht nur einen Rückbring- und Reparatur- sowie Rück- und Wiederverkaufsservice forcieren, der die Lebensdauer seiner Produkte erhöhen soll. Ebenso soll es demnächst möglich werden, seine neuen Möbel bei Ikea zu leasen. Die von Ikea-Nachhaltigkeitsmanager Lorenz Isler angekündigten Neuerungen waren nur einige von zahlreichen konkreten Innovationsbeispielen, welche am Tag der Wirtschaft in Münchenstein präsentiert wurden.

Die diesjährige, elfte Ausgabe verschrieb sich ganz dem Thema Megatrends. Die organisierende Baselbieter Wirtschaftskammer präsentierte den hiesigen KMU-Chefs ganz unterschiedliche Unternehmerpersönlichkeiten, die erfolgreich auf der Megatrend-Welle schwimmen. Dabei kommt es nicht auf die Grösse des Unternehmens an, sondern auf die Lust zur neuen Idee. Den Gegenentwurf zum Möbelriesen bildete etwa Stefan Brüngger vom Generalunternehmen Kleinhaus.ch in Lenzburg. Brüngger bietet für Preise zwischen 300 000 und 600 000 Franken 2- bis 3,5-Zimmer-Modulfertighäuser an, die innerhalb von 24 Stunden bezugsbereit sind und später auch an andere Standorte gezügelt werden können.

Besucherrekord in der Joggelihalle

Die Rekordbeteiligung von 3300 Besucherinnen und Besuchern, die meisten davon selber in verantwortlichen KMU-Positionen, nahm solche Inputs jeweils mit warmem Applaus auf. Erstmals konnte sich das Publikum selber einbringen, indem es über einen Onlinezugang via Smartphone Fragen an die Referenten stellte, welche diese dann im Podiumsgespräch thematisierten. Viel Applaus erhielt Barbara Artmann vom Schweizer Sportschuh-Hersteller Künzli, die ihre neue App vorstellte, welche automatisch zur richtigen Schuhgrösse verhilft.

«Der Tag der Wirtschaft hat sich seit der Erstausgabe zum bedeutendsten Wirtschaftstreffen und zum Höhepunkt des Polit-, Wirtschafts- und Verwaltungsjahres in der Nordwestschweiz entwickelt.» Bescheiden ist er nicht gerade, der Selbstanspruch, den die Baselbieter Wirtschaftskammer zu ihrer Vorzeigeveranstaltung formuliert hat. Doch fiele es schwer, ihr zu widersprechen.

Der Reigen der Inputreferate im fast dreistündigen Programm war meist kurzweilig und aufschlussreich, wenngleich ausgerechnet Stargast Ignazio Cassis etwas zu allgemeinverbindlich blieb. «Angst ist nie ein guter Ratgeber. Wir müssen Megatrends als Chance verstehen und die Befürchtungen als Antrieb nutzen, um tragfähige Lösungen zu finden.» Es war offensichtlich, dass sich der Schweizer Aussenminister mit solchen Ausführungen vor dem Nordwestschweizer Publikum nicht allzu stark exponieren wollte.

Verwöhnte Millennials

Umso interessanter dafür die Gedanken von Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser, der an die Adresse der Firmenbosse und Personalchefs durchspielte, was es künftig heissen wird, die verwöhnte, auf sofortige Belohnung gepolte Generation der Millennials als Mitarbeitende zu rekrutieren und zu halten. Wer es hier nicht schafft, seine Angestellten von der Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit und der Wichtigkeit seines Unternehmens zu überzeugen, wird von vornherein auf verlorenem Posten stehen.

Schliesslich war es David Bosshart, der CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, der mit seinen Vergleichen zum Fussball die grosse Klammer schloss. «Das Hauptproblem ist: Man kann sich komplexe digitale Zukunftsstrukturen nicht mehr vorstellen. Megatrends dienen da als verständliche Landkarten.» Wenn man es wie gute Fussballtrainer richtig anpackt und sein Team richtig führt, biete kaum ein anderes Land so gute Voraussetzungen für das Ausnützen der Megatrends wie die Schweiz.