Irgendwann kommt der Moment im Leben, in dem manche Dinge alleine zuhause nicht mehr ohne Hilfe funktionieren. Ein Angebot, das in einem solchen Fall greift, ist die Tagesbetreuung in einem Alters- und Pflegeheim, beispielsweise dem Lindenhof des Bürgerspitals. Dort kommen die Patienten am Morgen an, werden betreut, unterhalten sich mit den anderen Kunden und erhalten verschiedene Therapien, ein Mittagessen und nach Wunsch auch Ideen für Beschäftigungen. Insbesondere bei älteren Menschen, die von ihren Lebenspartnern gepflegt werden, ist diese Form der Betreuung beliebt, da der Partner so einen «freien Tag» hat.

Genutzt wird dieses Angebot allerdings nur sehr beschränkt. Sehr zum Erstaunen der Anbieter: Bürgerspital-Direktor Beat Ammann sagt: «Die Auslastung liegt in der Tat bei zirka 50 Prozent. Von den 22 Plätzen sind meist nur 10 bis 14 besetzt.» Und das, obwohl Ammann und das Bürgerspital davon überzeugt sind, dass dieses Angebot wichtig und gut ist. «Von unseren Kunden und ihren Angehörigen haben wir nur positives Feedback. Aber wir schauen natürlich immer, wo wir etwas optimieren können und wie wir die Auslastung verbessern wollen.»

Nachfragen von oben

Dennoch fragt mittlerweile auch die vorgesetzte Behörde, die Aufsichtskommission des Bürgergemeinderats, in ihren Berichten nach, weshalb denn die Auslastung so tief liege. Die Zielvorgabe von über 90 Prozent werde nie erreicht. Das Angebot zu kürzen oder gar einzustellen kommt trotzdem nicht infrage. «Wir sind überzeugt, dass es dieses Angebot braucht und wir wollen es entsprechend aufrechterhalten. Das wollen auch der Kanton als Leistungsbesteller und die Bürgergemeinde, also unsere vorgesetzte Behörde», sagt Ammann und der Leistungsbesteller pflichtet ihm bei.

Auch Anne Tschudin, Sprecherin des Basler Gesundheitsdepartements, ist dieser Meinung: «Tageseinrichtungen sind ein sehr wichtiger Bestandteil der ambulanten Betreuung von betagten Menschen». Tschudin verweist dabei aber auch gleich auf andere Möglichkeiten, wie beispielsweise «Betreuung durch Angehörige, Pflege zu Hause durch Spitex-Dienste und das Wohnen mit Serviceangebot, das von einigen Pflegeheimen angeboten wird.»

Viel Konkurrenz

Genau hier könnte die Krux liegen: in einem Überangebot von Pflegedienstleistungen. Das stellt auch Ammann fest: «Es gibt sehr viel Konkurrenz. Alleine die Zahl der Spitex-Anbieter beläuft sich mittlerweile auf rund 130. Da ziehen es offenbar viele Menschen vor, sich zuhause betreuen zu lassen.»

Gegenüber der Zahl der Anbieter im Spitex-Bereich, die sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt hat, ist die Anzahl der Tagesplätze nahezu verschwindend klein. Laut Anne Tschudin unterstützt der Kanton in acht Tageseinrichtungen für Betagte insgesamt 144 Plätze. Für Ammann ist das ein Stück weit auch die Bestätigung, dass die Auslastung nicht so gering ist, weil sein Angebot nicht gut wäre. «Dieses Phänomen betrifft nicht nur uns. Auch andere Anbieter von Tagesbetreuungen haben freie Plätze.»

Die Kostenfrage

Allerdings bezahlt der Staat nicht für diese freien Plätze. «Der Kanton bezahlt dabei pro Pflegetag oder Pflegenacht, die effektiv beansprucht wurden.» Aber man wolle ein gewisses Angebot aufrechterhalten, auch wenn die Nachfrage stark schwanke. «Die Tageseinrichtungen passen ihre Platzzahl in Absprache mit unserer Abteilung Langzeitpflege entsprechend auch periodisch der schwankenden Nachfrage an.» Diese Schwankungen würden aber stärker: «Wir beobachten, dass die durchschnittliche Auslastung und die Anzahl Pflegetage in Tageseinrichtungen seit 2013 rückläufig ist und die Schwankungen in der Nachfrage höher ausfallen.»

Das könnte auch an einer weiteren guten Nachricht liegen, nämlich daran, dass es in Basel-Stadt seit einigen Jahren genügend Plätze in den Pflegeheimen gibt. Auch das ist ein Effekt der verbesserten Betreuung zuhause, der gleichzeitig dafür sorgt, dass es keine «Überbrückungsangebote» braucht. Wer in ein Pflegeheim will, kann das. Wer zuhause gepflegt werden will, kann das ebenso.

Offenbar wird es da eng für ein Angebot im Mittelfeld, auch wenn dieses bei seinen Nutzern sehr beliebt ist.