Angetreten ist die «Tageswoche» als Antwort auf die Blocher-Baz. Protegiert damals von Mäzenin Béatrice Oeri und gefordert vom empörten Basel, das «gerettet» werden wollte. Doch ausgerechnet jetzt, wenn sich die Ära Somm ihrem Ende zuneigt, ist die Zukunft der Online-Zeitung so ungewiss wie kaum je zuvor.

Es war die Trennung vom damaligen Chefredaktor Christian Degen im Februar 2017, die ein Umdenken herbeigeführt hat. Vom Punkt der totalen Entfremdung zwischen der geldgebenden Stiftung für Medienvielfalt und einer Crew, die sich soeben ihres Kapitäns entledigt hatte, mussten Redaktion und Stiftungsrat wieder zueinanderfinden. Als Führungsebene dazwischen vermittelte Verwaltungsratspräsident Oscar Olano. An Workshops, Sitzungen und Apéros tauschten sich die Journalisten mit den Juristen aus und schufen eine gemeinsame Diskussionsbasis. Obwohl Olano zu Beginn wenig Ahnung davon gehabt haben dürfte, was ihn erwartete: eine Redaktion, die sich als Kollektiv versteht, und eine Stiftung, die den Geldhahn abzudrehen droht.

An dieser Situation hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil: Sie spitzt sich zu. Zwar wusste die Redaktion von der versiegenden Geldquelle und hatte auch Verständnis dafür. Es entstand sogar ein Himmelfahrt-Spirit im Frühjahr dieses Jahres, als schon längst klar war: Es reicht maximal noch für zwei Jahre. Doch mit der Ankündigung einer Übernahme der «Basler Zeitung» durch den «Tages-Anzeiger» reklamierte Geschäftsführerin Sibylle Schürch für sich, die neue Zeitung für Basel zu sein – auch wenn es dafür neue Finanzierungsmodelle brauche.

Seither ist nichts Zählbares geschehen. 2017 haben sich die Werbeeinnahmen der «Tageswoche» gemäss Schürch halbiert. Immerhin: Für 2018 seien die Zahlen stabil. Auch die Leser- und Abozahlen sähen gut aus. Zwar ist aus den kürzlich veröffentlichten Zahlen ein Rückgang zu verzeichnen. 2000 Leser büsste das Blatt ein, was sechs Prozent der Reichweite entspricht. «Das hängt damit zusammen, dass wir die Gratis-Grossauflage in der Stadt stark reduziert haben», sagt Schürch. Aus Kostengründen erhalten nicht einmal mehr die Redaktoren die eigene Zeitung zugestellt.

Viel wichtiger ist aber die finanzielle Deadline. Dringend braucht es zusätzliche Geldgeber, doch sind keine in Sicht: Die Stiftung für Medienvielfalt hält hundert Prozent der Aktien der Neue Medien Basel AG, dem juristischen Körper der «Tageswoche». Versuche, dies zu ändern, scheiterten bislang im Vorstadium.

Vor zwei Wochen hat Geschäftsführerin Schürch dem Stiftungsrat um Anwalt Andreas Miescher eine Präsentation eingereicht. Diese soll zwei Wege aus der jetzigen Situation aufzeigen. Angeregt hat das die Stiftung selbst, darüber gebrütet hatten schliesslich unter anderem Leute aus der Redaktion, des Verlags sowie externe Experten. Doch bis jetzt steht eine Reaktion seitens des Stiftungsrats aus, wie Schürch gegenüber der «Schweiz am Wochenende» bestätigt. Die «Tageswoche» scheint dort nicht erste Priorität zu sein. Erst kürzlich wurde dafür bekannt, dass die Stiftung für Medienvielfalt sich an der Finanzierung einer Kulturabteilung für die «Republik» beteiligt, dem Zürcher Hype-Medium.

Miese Stimmung

Die Stimmung auf der Redaktion ist entsprechend schlecht. «Natürlich sind die Angestellten zunehmend angespannt», sagt Schürch. Es zehre an den Kräften, nicht zu wissen, wie lange man noch einen Job habe. Zumal es ja noch nicht einmal einen Termin für einen richtungsweisenden Entscheid gibt. «Ich vertraue darauf, dass die Stiftung diesen zum richtigen Zeitpunkt trifft», sagt Schürch. Auf die Frage, ob es die «Tageswoche» mit Beginn 2019 noch gebe, sagt sie: «Das kann niemand sagen.»

Wöchentlich werde es schwieriger, das Team zusammenzuhalten, heisst es an der Spitalstrasse. Der Unmut auf die Stiftung wächst. Sie steht im Verdacht, den Entscheid absichtlich zu verzögern, bis die Redaktion auseinanderbricht – so entzöge sie sich ihrer Verantwortung. Schürch glaubt nicht an diese These, spricht von einem guten Einvernehmen mit den Stiftungsräten. Doch auch sie weiss: «Für uns alle steht viel auf dem Spiel.» Gerne hätte die «Schweiz am Wochenende» selber mit der Stiftung gesprochen, doch diese blockt ab. Sicher ist: Sollten erste Journalisten abwandern, wäre das Projekt «Tageswoche» kaum mehr zu retten.