Jubiläum
Tageszentrum Riehenstrasse: «Wenn Arbeit zur Lebensfreude wird»

Noch ist es ruhig an der Riehenstrasse 300. Der wolkenverhangene Himmel lässt viele potenzielle Besucher zögern, das Jubiläumsfest des Kantonalen Tageszentrums für Menschen mit Beeinträchtigungen an diesem Samstagnachmittag zu besuchen.

Charles Martin
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Jubiläum Tageszentrum Riehenstrasse

Jubiläum Tageszentrum Riehenstrasse

bz

Nach und nach trudeln sie aber dann doch ein, und so kommt allmählich auch die erhoffte Stimmung auf.

1997 eröffnete die Stadt Basel das Tageszentren Riehenstrasse für Menschen mit kognitiven und/oder schwersten körperlichen Beeinträchtigungen.

Hier sollen sie die Möglichkeit erhalten, in ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen unterstützt, begleitet und gefördert zu werden. Unter anderem sorgen Sozialpädagogen, Betreuungsfachpersonen und in beiden Bereichen Auszubildende dafür, dass die vom Kanton und deren Fachleuten erarbeiteten Ziele auch umgesetzt werden.

Jeder hat das Recht, zu arbeiten

Die UNO-Resolution 217 A vom 10. Dezember 1948 garantiert in ihrem 23. Artikel jeder Person das Recht auf Arbeit. Hier könnte man anfügen:

und ebenso das Recht auf Mitwirkung und Selbstbestätigung. Vielleicht macht dies die Lebensfreuden aus, die während der Arbeit in der Riehenstrasse 300 täglich zu spüren sind - ebenso wie die Frustrationen, wenn das eigene Bemühen nicht immer zum erwünschten Erfolg führt.

«Die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen erfordert Sozialkompetenz und Empathie. Nötig sind auch die stete Präsenz und hohe Konzentration sowie die Fähigkeit auf alle Eventualitäten sinnvoll zu reagieren», sagt Andreas Braun, Leiter der drei Basler Tageszentren.

Eine dankbare Aufgabe

«Das ist natürlich sehr anspruchsvoll, doch letztlich ist es auch eine schöne und dankbare Aufgabe, und jeder, der mit diesen besonderen Menschen arbeitet, merkt, dass der eigene Horizont sehr erweitert wird.»

Im Tageszentrum, in dem sich, inklusive des Werk- und des Mal-Raums im Untergeschoss, über drei Etagen verteilt mehrere multifunktionale Räume für die unterschiedlichsten Angebote zur Gestaltung des Alltags befinden, herrscht gegen 15 Uhr endlich Jubiläums-Hochbetrieb.

Clown Susi aus Suhr und eine Eigenproduktion «Griechischer Tanz» sorgen für Unterhaltung. Immer wieder sind laute und ebenso ungewohnte wie plötzliche Ausrufe der Freude zu vernehmen, aber auch Laute des Unmuts, wenn die Betreuerinnen und Betreuer nicht schnell genug auf ein Bedürfnis ihrer Schützlinge reagieren.

Begegnung ist (fast) alles

Für besondere Aufmerksamkeit sorgt in dem kleinen Hof zwischen dem Tageszentrum und dem daran angegliederten Wohnheim die Tanzgruppe StrandGut mit ihrem neu ausgearbeiteten Stück «Fragile».

Die Gruppe tritt mit sechs aktiven Tänzerinnen und Tänzern auf, wovon vier im Rollstuhl sitzen. Unter anderem zur Filmmusik «Spiel mir das Lied vom Tod» bewegen sie sich in einem aussergewöhnlichen Reigen auf dem Platz miteinander und aufeinander.

Am kommenden Freitag werden sie bei der «Helvetia»-Statue der Mittleren Brücke um 18 und um 19 Uhr öffentlich auftreten.
Begegnung zwischen den Welten ist eines der Ziele, nicht nur des Jubiläums-Anlasses, sondern des Alltags.

Exkursionen in die Nachbarschaft sowie in Museen und anderen öffentlichen Raum bieten Gelegenheit, der unbekannten anderen Welt zu begegnen und daran teilzunehmen, da wo sich die übrigen Menschen eben ganz selbstverständlich bewegen.

«Begegnungen sind ebenso wie Sinneserfahrungen für Menschen mit Beeinträchtigungen von grosser Bedeutung. Sie erweitern ihre Selbst- wie die Fremdwahrnehmung», sagt Braun.

Gelegenheit dazu bot das Jubiläumsfest zuhauf, vom Alltag im Tageszentrum ganz zu schweigen.