Tamara Wernli gehört seit Jahren zu den bekanntesten Gesichtern der Region. Was kaum einer weiss: Die Self-made-woman ist seit 18 Jahren selbstständig. Mit Einsatz und Hartnäckigkeit hat sie eine gut funktionierende Ich-AG aufgebaut: Sie moderiert die News bei Telebasel, schreibt seit mittlerweile acht Jahren Kolumnen für die «Basler Zeitung» – «jede Woche, ohne eine Pause», wie sie stolz erzählt – und moderiert Firmen- und Privatanlässe.

In den letzten Jahren hat Wernli dabei ihren journalistischen Fokus verlagert. Statt wie bei «Kochen im Schloss» oder zuvor «Tamara uf Bsuech» der lokalen Cervelaprominenz auf den Zahn zu fühlen, beschäftigte sich Wernli in den letzten Jahren vor allem mit gesellschaftlichen Themen, mittlerweile verstärkt auch online. Ihre Kolumne, die in der BaZ und auf der deutscher liberal-konservativen Webseite

«Tichys Einblick» erscheint, baut sie jeweils zu knapp zehnminütigen Beiträgen für das Video-Portal Youtube aus. Gefilmt wird zuhause mit Teleprompter. Auch das Schneiden hat sich Wernli selber beigebracht. Rund einen Tag Arbeit bedeute dies wöchentlich, sagt sie – bisher ohne einen Rappen Zusatzverdienst.

Auf rechten Foren verbreitet

Mittlerweile hat ihr Youtube-Kanal eine beachtliche Grösse angenommen. Über 8000 User haben Wernlis Videos abonniert – der Grossteil davon stammt aus Deutschland. Mit ihrem letzten Video hat Wernli einen Nerv getroffen. «Zustand der Gesellschaft: Es brodelt» wurde innert einer Woche über 150'000 Mal angeklickt. Im Video wirft Wernli die Frage auf, wie die Flüchtlingskrise der letzten Jahre die Stimmung in Deutschland beeinflusst. Ihr Fazit: Die Sorgen der Bevölkerung werden von der Politik zu wenig ernst genommen.


«Ich freue mich natürlich über das grosse Interesse, aber ich bin mir auch bewusst, dass ich nicht so viele Klicks habe, weil der Beitrag pulitzerpreisverdächtig wäre, sondern weil das Thema Zuwanderung gesellschaftlich sehr brisant ist», sagt Wernli. Sie habe sich lange überlegt, ob sie das Thema in einem Video aufgreifen und sich überlegt, wie es wohl aufgefasst wird.

Tatsächlich zeigt die Dynamik, welche um das Video entstanden ist, auch die unschönen Seiten des Internets. Neben Wernlis üblichen Verbreitungskanälen wird das Video auf verschiedensten Portalen mit konservativpopulistischer Stossrichtung im politischen Umfeld der Alternative für Deutschland (AfD) über rechte Verschwörungsblogs bis hin zu unverblümt neofaschistischen Foren geteilt. Die Seiten tragen einschlägige Namen wie «Journalistenwatch», «Staats.tv», «Wakenews», «Germanica Imperii» oder «Schlachtfeld Deutschland». Die Bandbreite der Themen auf den Seiten reicht von «Lügensystem Asyl» über «Linksmaden» bis hin zu «Das Deutsche Reich – Landverluste seit 1919» und «Alarmstufe Rot – die Vorbereitungen für einen Völkermord in Deutschland.»

Dessen sei sie sich nicht bewusst gewesen, sagt Wernli, «aber es ist mir eigentlich auch egal, wer meine Videos teilt.» Es gäbe ja auch keine Möglichkeit, dies zu beeinflussen. «Es war mir wichtig, dieses Thema anzusprechen. Und einen Beitrag nicht zu machen, nur damit ihn nicht die falschen Leute schauen, wäre Blödsinn.» Sie sei sich bewusst, dass man bei einem Thema wie der Flüchtlingsfrage immer auch das Risiko eingehe, dass man instrumentalisiert werde. Sie greife nur Themen auf, die sie für gesellschaftlich relevant halte: «Ich will aber nicht eine gewisse Gruppe bedienen oder mir die Themen von der Klicksituation vorschreiben lassen.»

«Starke Gegnerin von Zensur»

Der gemeinsame Nenner der mittlerweile 40 Videos des letzten Jahres ist Wernlis Kampf gegen die politische Überkorrektheit. Das neue Sexualstrafgesetz in Schweden, das unter dem Titel Sex-Vertrag für Schlagzeilen sorgte, die #Metoo-Debatte oder die Diskussion über Toiletten für Transgender sind Themen, die sie aufgegriffen hat. Ein weiteres Lieblingsthema: Die Meinungsfreiheit: «Ich bin eine starke Gegnerin von Zensur.»

Am stolzesten ist sie auf ein älteres Video, in denen sie Filmklassiker verteidigt, die unter Beschuss geraten sind, weil sie aus heutiger Sicht stossend sind. So wurde etwa «Vom Winde verweht» von der Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter als rassistisch kritisiert. Wernli hält dagegen: «Natürlich würde man den Film heute nicht mehr so machen, aber jetzt mit dem Moralfinger auf die Gesellschaft von früher zu zeigen, finde ich absurd.»

Genauso wie dass bei Formel 1-Rennen die leicht bekleideten Grid Girls, welche die Rundennummer anzeigten, nicht mehr zum Einsatz kommen sollen. «Das ist keine fortschrittliche Entwicklung, sondern pure Prüderie. Wieso sollen einige sogenannte Frauenrechtlerinnen bestimmen, was andere arbeiten dürfen? Sie nehmen den Frauen so das Recht auf Selbstbestimmung. Denn die Gridgirls haben den Job ja selbst gewählt und machen ihren gerne» Man sieht: Die Themen dürften Tamara Wernli nicht so schnell ausgehen.