Der Tango mit seinem Blick in ein Früher, als man noch jünger, als alles noch schöner, lebendiger war, holt Desirée Meiser und ihr Ensemble ein. Heute Abend spielen sie nochmals das szenische Tangokonzert «Palacio de la danza», das am 4. Dezember 1997 – vor genau 15 Jahren – im alten Buffet des Badischen Bahnhofs, der heutigen Gare du Nord, Premiere feierte. Damit erleben sie selbst, wie die Zeit sich verflüchtigt hat.

«Das ist Tango», sagt Desirée Meiser gegenüber der bz. Die Verflüchtigung der Zeit, der nostalgische Blick zurück auf ein verklärtes Früher, davon erzählt der Tango und davon erzählt «Palacio de la danza», der von Desiréee Meiser erfundene Abend. Sie hat ihn gemeinsam entwickelt mit Cécile Sidler und Romeo Orsini, den Leitern der Tangoschule Basel, dem älteren Paar Nika Nilanowa und Werner Henssler sowie den Musikern Antonio Nuñez, Patricia Draeger, die die Tangos arrangiert hat, Sergej Simbirev und Christian Sutter.

Ein Abend mit eigener Poesie

Sie spielen weit herum verstreute Verlorene, die an irgendeinem Ort, einem heruntergekommenen Durchgangsort – wie es das Bahnhofsbuffet symbolisiert – zusammenkommen, gleichsam angeschwemmt werden. Sie suchen, ein Tangogefühl von damals neu zu leben, sich als Tango-Afficionados zu inszenieren. Dabei fallen sie immer wieder auf die Nase, teils gar in Streit. «Palacio de la danza» pendelt wunderbar zwischen Tango-Passion und Ironie.

Das ist keine Tango-argentino-Kopie, genau das wollte Desirée Meiser auch nicht. Der Blick richtet sich vielmehr auf die Tango-Träumer überall in Europa, darauf wie sich die argentinische Musik hier in den Menschen als Sehnsucht einnistet. Entstanden ist ein musikalisch und szenisch starker Abend von eigener Poesie. Trotz des ironischen Blicks auf die Tango-Träumer: Uns berühren die mit Liebe und Menschlichkeit gezeichneten Figuren.

Eine Idee wurde geboren

«Palacio de la danza» war die Initialzündnung für die Gare du Nord. Desirée Meiser und alle anderen, die am Tangokonzert mitwirkten, waren begeistert vom Buffet des geschichtsträchtigen Grenzbahnhofs, das für sich schon – ohne gestalterischen Eingriff – ein faszinierender Bühneraum ist. In Desirée Meiser entstand langsam die Idee, dass man das ehemalige Erstklass- und Zweitklassbuffet zu einem lebendigen Kulturraum umgestalten könnte. Pläne wurden entworfen und entwickelt; die Dramaturgin Ute Haferburg – heute Direktorin des Theaters Chur – stieg mit ins Boot als Mitdenkerin. Die beiden erfanden die «Gare du Nord», den «Bahnhof für Neue Musik» und arbeiteten das Konzept aus. Baselland legte fürs neue Zuhause der zeitgenössischen Musik in Basel den finanziellen Boden.

Dass nach zehn Jahren Erfolgsgeschichte mit «Palazio de la danza» zum Jahresende nochmals das zehnjährige Bestehen gefeiert wird, ist ein wunderbares Geschenk, dass sich die Gare du Nord macht.