Tanja Grandits ist im Element. Mit ruhiger Hand setzt sie auf den Mini-Lamm-Burger, der auf einem Holzstäbchen steckt, Blaubeerenmousse. Damit ist das kulinarische Gedicht noch nicht fertig: Elegant legt sie eine violette Blüte auf die Mousse.

Für ihre Aromaküche ist die Basler Spitzenköchin, die seit 2008 das Restaurant Stucki auf dem Bruderholz führt, über die Grenzen bekannt. Nun wurde die 43-Jährige von «Gault Millau» Schweiz zum «Koch des Jahres 2014» ausgezeichnet.

Ihre eigenständige, raffinierte Küche wird mit 18 Punkten bewertet, erklärte Urs Heller, Chefredaktor des Gourmetführers, gestern vor den Medien. Grandits richtete für die Gäste zum Apéro 13 verschiedene Amuse-Bouches an: unter anderem Ingwer-Austern mit Fenchel-Pollen oder Tomaten-Gazpacho mit Schwarzkümmel.

Frau Grandits, Sie stehen dieses Jahr ganz oben auf der «Gault Millau»-Rangliste. Wie fühlen Sie sich?

Tanja Grandits: Ich bin einfach überglücklich.

2006 wurden Sie zur «Köchin des Jahres» gewählt. Dieses Jahr wollte «Gault Millau» Ihnen diesen Titel nicht geben. «Koch des Jahres» ist also eine Klasse höher. Klingt das nicht komisch?

Jemandem, der nicht aus der Gastroszene kommt, mag dies komisch erscheinen. «Köchin des Jahres» ist eine Sonderauszeichnung für Frauen, die sich speziell engagieren. Aber «Koch des Jahres» ist die Krönung für mich.

Warum denken Sie, haben Sie den Titel bekommen?

Ich entwickle meine Küche seit Jahren weiter. Ich habe meine eigene Handschrift, indem ich mit Aromen, Farben und Gewürzen arbeite. Das gibt mir eine Art Eigenständigkeit.

Wo holen Sie sich Ihre Inspiration?

Überall. Jeden Tag entstehen in meinem Kopf neue Ideen. Zum Beispiel wenn ich auf dem Markt unterwegs bin, Musik höre oder von Farben umgeben bin. Aber es gibt auch Momente, in denen mich Gäste inspirieren. Eine Dame beispielsweise bringt mir manchmal Wildkräuter vorbei.

Was kochen Sie sich zu Hause am liebsten?

Ein Lieblingsmenü habe ich nicht. Aber ich koche gerne einfach. Mit meiner Tochter setze ich zum Beispiel häufig einen Gemüseeintopf auf den Herd. Weil ich beim Restaurant wohne, haben wir den Vorteil, dass wir über eine grosse Auswahl an Produkten verfügen. Wenn wir Gschwellti machen, können wir unter ganz vielen Käsesorten auswählen.

Essen Sie manchmal auch ein Fast-Food-Menü?

Nein, das mag ich nicht. Eine Falafel zwischendurch ist zwar ganz gut.

Können Sie überhaupt entspannt in ein Restaurant gehen, ohne die Qualität mit Ihrer Küche zu vergleichen?

Ja, ich kann zum Glück gut abschalten und einen Restaurantaufenthalt einfach geniessen. Ich bin immer entspannt und nie kritisch in anderen Beizen unterwegs.

Nun haben Sie mit «Koch des Jahres» den höchsten Titel von «Gault Millau» erhalten. Haben Sie auf die Auszeichnung hin gearbeitet?

Nein, ich arbeite nicht auf etwas hin. Ich bin auf jeden Fall ehrgeizig, aber ich verfolge nicht krampfhaft ein bestimmtes Ziel. Ich arbeite jeden Tag und daraus ergeben sich meine Ziele.