SP Basel-Stadt
Tanja Soland will in den Regierungsrat gewählt werden

Tanja Soland tritt als Fraktionschefin der Basler SP zurück - und will ihre Karriere neu lancieren. Der bz sagt sie erstmals öffentlich, dass sie in den Regierungsrat will. Die 37-jährige Juristin hat beste Chancen, 2016 Eva Herzog zu beerben.

Hans-Martin Jermann
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Selbstbewusstsein, gepaart mit Realitätssinn: Tanja Soland (37) plant ihre politische Karriere langfristig.

Selbstbewusstsein, gepaart mit Realitätssinn: Tanja Soland (37) plant ihre politische Karriere langfristig.

Kenneth Nars

Am kommenden Montag tritt Tanja Soland als Fraktionschefin der Basler SP zurück. Die Juristin wirkte nach dreieinhalb Jahren an der Spitze der 33-köpfigen und damit grössten Fraktion im Grossen Rat zuletzt müde und angestrengt. Der Rücktritt kommt daher nicht überraschend. Wer denkt, Soland trete nun ins zweite Glied zurück, hat sich getäuscht. Im Gegenteil: Sie will sich vielmehr politisch neu positionieren. Gegenüber der bz sagt sie erstmals öffentlich: «Ich möchte Basler Regierungsrätin werden.»

Baselbieter SP sucht Frauen

Im Gegensatz zur Basler SP steckt das Baselbieter Pendant in Sachen Frauenkandidaturen in einer veritablen Krise. Sowohl für die Regierungs-Ersatzwahlen vom 3. März als auch für den 9. Juni blieben die SP-Frauen aussen vor. Landrätin Pia Fankhauser, die 2011 den Einzug in die Regierung verpasste, hat sich aus dem Rennen genommen. Nur gerade Landrätin Mirjam Würth strebt aktiv eine Kandidatur bei den Gesamterneuerungswahlen von 2015 an. Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer ist momentan die lauteste Stimme für eine starke Frauenkandidatur. Im Hinblick auf 2015 will die Partei nun gezielt mehrere Köpfe aufbauen. (mn)

Die 37-Jährige hat sich den Schritt sorgfältig überlegt. Zwar dauert es bis zum Start des nächsten kantonalen Wahlkampfes noch drei Jahre. Allerdings ist bei der SP bereits jetzt ein Gerangel um einflussreiche Ämter im Gange. Grund ist die parteiinterne Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren, die bei den nationalen Wahlen 2015 und den kantonalen 2016 gleich drei Zugpferde trifft: Regierungsrätin Eva Herzog, Ständerätin Anita Fetz und Nationalrätin Silvia Schenker. Parteichefin Brigitte Hollinger betont zwar, dass die Partei mit einem Zweidrittelmehr die Amtszeit-Guillotine aushebeln könnte. Die Zeichen deuten bei der grössten Basler Partei dennoch auf einen Generationenwechsel hin.

«Regierungsräte machen super Job»

Ihre Ambitionen seien in keinster Weise als Misstrauensvotum gegen amtierende Magistraten zu verstehen, betont Soland. Im Gegenteil: «Unsere drei Regierungsmitglieder machen einen super Job.» Ob sie bereits in drei oder erst in sieben Jahren für ein Regierungsticket infrage komme, sei zweitrangig. Sie wolle sich aber rechtzeitig positionieren. «Wenn sich die Frage konkret stellt, ist es meist zu spät.» 2010 wurde ihr Name bereits genannt, als die SP bei der Bundesratskandidatur von Eva Herzog intern nach Nachfolgerinnen Ausschau hielt. Doch da war Soland, die damals an ihrer Dissertation arbeitete, eine von vielen möglichen Kandidatinnen.

Seither hat sich die personelle Situation bei der SP verändert – zugunsten einer Kandidatur von Soland. Als eine von wenigen Vertreterinnen der SP ist sie im Hinblick auf die Wahlen 2016 in einem guten Alter, verfügt über die nötige politische Erfahrung und ist in der Partei breit abgestützt. «Die interne Konkurrenz ist aber gross – viel grösser als bei den Bürgerlichen», urteilt Soland. So werden im Umfeld der Partei auch die Namen anderer Hoffnungsträgerinnen herumgeboten: etwa jenen von Beatriz Greuter (42), Präsidentin der grossrätlichen Gesundheits- und Sozialkommission, oder Danielle Kaufmann (45), SP-Fraktionschefin im Bürgergemeinderat. Allerdings verfügen sie und andere mögliche Kandidierende nicht über die Erfahrung und den Bekanntheitsgrad der abtretenden Fraktionschefin.

Tatsächlich ist sie an ihrer Aufgabe gewachsen. «Ich habe viel gelernt», betont Soland, die 2010 als junge Grossrätin – für viele überraschend – das Fraktionspräsidium von Christine Keller übernahm. Soland mauserte sich zur Strippenzieherin der Linken bei wichtigen Geschäften: Gemeinsam mit Lukas Engelberger (CVP) schmiedete sie bei der Auslagerung der Spitäler einen Kompromiss, der dem Personal gute Anstellungsbedingungen sichern sollte. Soland ist stolz, bei diesem und anderen Geschäften an tragfähigen Lösungen mitgearbeitet zu haben. «Für eine Politik der Scherbenhaufen bin ich nicht zu haben.»

Auf der Seite der Gewinner

Soland kann aber auch auf Positionen beharren, wenn sie dies für richtig und zielführend hält: Mit einer Minderheit des Grossen Rates und gegen Finanzdirektorin Herzog wehrte sie sich gegen die Senkung der Unternehmenssteuern – und stand nach dem Volks-Nein plötzlich auf Seite der Gewinner. Kompromisse suchen und Mehrheiten bilden – hier sieht die Advokatin ihre Stärken. Sie ist überzeugt, gut in eine Exekutive zu passen. Als Regierungsrätin müsse man ein Gespür haben für Geschäfte und Sensibilitäten. «Das ist noch wichtiger als die fachliche Kompetenz.» Sich selber hält Soland für pflichtbewusst und hartnäckig – mit Hang zum Perfektionismus. Selbstkritisch räumt sie ein: «Es gibt kreativere Köpfe als mich.»

Bis zu einer allfälligen Regierungskandidatur will Soland ihr Profil schärfen, so als Präsidentin der grossrätlichen Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission. Auch abseits der Politik geht es für sie aufwärts: Vor einigen Monaten hat sie sich als Strafverteidigerin selbstständig gemacht. Soland hat beste Karten, als nächste SP-Frau in die Regierung einzuziehen, legt ihre Ambitionen aber nüchtern und mit Realitätssinn dar. Sie weiss: «Es ist niemand einfach gesetzt.»