Die Spuren des Tattoo vom letzten Sommer sind auf dem Kasernenareal immer noch sichtbar: Der viereinhalb Meter breite Rasenstreifen, der vom Militärmusikfestival im letzten Jahr erstmals zusätzlich zum Teerplatz benützt wurde, hat viele braune Flecken. Um diese viereinhalb Meter ist eine Polemik entbrannt: Mit dieser Ausweitung hat das Tattoo aus Sicht des Komitees «Heb Sorg zum Glaibasel» die tolerierbare Grösse überschritten.

Quartiertreffpunkt arrangiert sich

Dabei geht oft vergessen: Der grösste Teil der Wiese bleibt weiterhin frei. In der hitzigen Debatte ist zudem der Eindruck entstanden, dass Basel in zwei Lager gespalten sei: Tattoo-Hasser und Tattoo-Fans. Das stimmt nicht. Der gestrige Augenschein auf der Kasernenwiese zeigt: Für Fundamentalopposition haben die allermeisten Kleinbasler, die das Kasernenareal in ihrer Freizeit nutzen, kein Verständnis. Kritik ist zwar auch zu hören – diese wird jedoch sehr differenziert geäussert.

Besonders betroffen ist Tomi Zeller, Leiter des Quartiertreffpunkts Kasernenareal. Im Juli schliesst er seinen beliebten Treffpunkt wegen der Grossveranstaltung: «Wir würden das nicht machen, wenn wir nicht müssten.» Die Erfahrung hat aber gezeigt: Ein Betrieb, umgeben von Zäunen und Abschrankungen, ist sinnlos.

Deshalb vermietet der Quartiertreffpunkt seinen Holzbau im Juli zum zweiten Mal als Büro an das Tattoo. «Das ist einerseits gut für uns, andererseits ist es schade, dass wir keinen besseren Kompromiss gefunden haben», bilanziert Zeller. Die Situation sei nicht ideal, trotzdem ist der Treffpunktleiter überzeugt, dass die Vorteile des Tattoo für das Quartier insgesamt klar überwiegen würden: «Das Tattoo soll stattfinden. Gleichzeitig sollen die Organisatoren aber merken, dass die vertretbare Grösse erreicht ist.»

Er zieht folgendes Fazit: «Anfangs hat es den Veranstaltern an Gespür fürs Quartier gefehlt. Deshalb sind Ressentiments entstanden, die von den Medien hochgekocht wurden.»

Dudelsackklänge zum Einschlafen

Auch die drei jungen Frauen auf der Parkbank halten die Aufregung für übertrieben, obwohl sie im Juli ihren Stammplatz aufgeben müssen. Bei schönem Wetter treffen sie sich hier fast täglich. «Ich mag das Tattoo eigentlich nicht, aber Dudelsackklänge zum Einschlafen finde ich nett», bemerkt die eine der drei. Und auch die Essensstände des Tattoo schätzt sie: «Im Juli koche ich deswegen viel seltener.» Ausweichmöglichkeiten zu ihrem Treffpunkt unter den Schatten spendenden Bäumen gebe es genügend: etwa am Rhein oder auf der Claramatte.

Etwas mehr Mühe hat das Studentengrüppchen des Instituts für Modedesign. «Wir kommen im Juli nur noch mit Badges in unsere Räume. Für einen Monat können wir uns aber arrangieren.» Skeptischer ist ein junger Deutscher: «Der Rasen ist nach dem Tattoo komplett zerstört.» Und das fehlende viereinhalb Meter breite Rasenstück sei besonders wichtig: «Hier hat es Schatten.» Dass grundsätzlich über die Nutzung des Kasernenareals diskutiert wird, findet er deshalb sinnvoll. Dass das Tattoo deswegen dieses Jahr nicht stattfinden könnte – das möchte er hingegen nicht. Die Gespräche auf der Kasernenwiese zeigen: Der Rückhalt des scharfen Kurses des Anti-Tattoo-Komitees ist sehr schwach.