Hatten Sie nach Ihrer Ankündigung des Referendums schlaflose Nächte, Herr Julliard?

Erik Julliard: Ja, das erste Mal seit sechs Jahren habe ich tatsächlich einmal nicht so gut geschlafen. Man darf nicht vergessen, dass es beim Tattoo aus meiner Sicht um alles geht, auch um meine Existenz. Ich wäre am Boden zerstört, sollte das Tattoo einmal nicht stattfinden können. Deshalb soll jeder in der Stadt verstehen, wenn ich mich mit Händen und Füssen dagegen wehre.

Aber Sie haben gemerkt, dass Sie den Mund ein wenig zu voll genommen haben?

Nein, das denke ich nicht. Man darf ruhig mal etwas laut bellen. Seit diesem Grossratsbeschluss sind sehr viele Leute zu mir gekommen. Wir haben uns ja nie gegen die Aufwertung des Klingentalwegleins gestellt, und eine seitliche Öffnung haben wir – wenn auch schweren Herzens – kompromissbereit akzeptiert. Ich bleibe aber dabei: Der Grossratsbeschluss ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Einen solchen Wettbewerb könnte Herr Wessels jeden Tag ausschreiben, wenn er wollte.

Damit konnte er die Initianten aber zum Rückzug bewegen. Das ist doch auch in Ihrem Sinn.

Nein, wieso? Hätten wir doch mal den Souverän angehört, was er dazu meint. Dann hätten wir gewusst, wo wir stehen.

Sie wollen die Aufwertung des Klingentalwegleins und eine seitliche Öffnung doch nicht verhindern. Haben Sie die Grossratsunterlagen anfangs zu wenig genau studiert?

Ich habe meine Meinung geändert. Um einen kleinen Teil zu verhindern, ist es nicht nötig, das Ganze anzuhalten. Das würde für uns einen Imageschaden bedeuten. Wir würden unser Wort brechen, da wir gesagt haben, dass wir uns gegen eine seitliche Öffnung nicht wehren. All das habe ich nicht so genau auseinandergehalten, als ich mich an den Grossen Rat gewandt habe.

Sie befürchten einen Imageschaden. Haben Sie diesen ein Stück weit schon erlitten?

Teilweise ja, teilweise gab es auch eine Imageaufwertung. Wie viele Steine wurden mir in den letzten Jahren schon in den Weg gelegt? Diese musste ich halt wegräumen. Wahrscheinlich ist es ein Teil meines Erfolgsrezepts, dass ich einen dicken Kopf habe und mich durchgestiert habe. Ich hatte eine klare Meinung zum Kasernengeschäft und wollte mich dagegen wehren. Jetzt habe ich sie wieder geändert, da ich gesehen habe, dass es andere, bessere Wege gibt.

Ist Ihnen das Umdenken schwergefallen?

Nein. Wissen Sie, meine Aufgabe beim Tattoo besteht nur darin, die richtigen Leute zusammenzuführen: die richtigen Musiker, die richtigen Techniker, die richtigen Zuschauer. Ich bin ein reiner Koordinator. Hier habe ich dasselbe gemacht und viele Meinungen angehört. Ich habe mit Regierungsräten gesprochen, die mir gesagt haben, «He, Alter, nimm dich wieder ein bisschen zurück». Das werte ich ziemlich emotionslos aus. Deshalb ist es mir nicht schwergefallen umzudenken.

Können Sie sich vorstellen, dass Sie in ein paar Jahren nochmals umdenken und einer grosszügigen Öffnung doch noch zustimmen, wenn das Tattoo weiter Platz hat?

Nein. Ich behaupte, dass das ein Widerspruch ist. Wenn mir jemand aber beweisen kann, dass das Tattoo bei einer grosszügigen Öffnung weiterhin möglich ist, können wir selbstverständlich darüber diskutieren.