Die Kabine ist bescheiden. Mehr als der Moderationsstuhl mit dem Mikrofon und dem Mischpult hat darin nicht Platz. Obwohl: Zum ersten Mal geniesst René Häfliger die erfrischende Luft einer Klimaanlage. Bis letztes Jahr habe er ohne auskommen müssen. «Im 2013 war es so heiss, dass hier drin die Hitze auf 50 Grad angestiegen ist.»

Häfliger sitzt hinter dem Mikrofon und beobachtet das Szenario, das sich unten in der Tattoo-Arena abspielt. Er hat einen Logenplatz. Muss er, denn schliesslich teilt er dem Publikum durch die Lautsprecher mit, welche Formation gleich einmarschieren wird.

Nur noch wenige Sekunden, dann beginnt die Show. Häfliger schliesst seine Kabine ab. Nicht, weil man die Stimme einer anderen Person durch die Lautsprecher hören könnte, sondern «damit ich nicht erschrecke, wenn plötzlich jemand reinkommt». Bisher sei aber nie etwas schief gegangen, sagt er. Und das, obwohl seine Stimme seit der ersten Veranstaltung vor zehn Jahren zum Basel Tattoo gehört. «Das absolute Horrorszenario wäre, wenn die Show beginnt und meine Texte verschwunden sind.» Sollte das passieren, hat er vorgesorgt: Hinter der Schaumgummiwand ist ein Back-up-Text versteckt.

Kaffee holen zwischen Auftritten

Und jetzt gehts los: Die Massed Pipes and Drums betreten die Arena und Häfliger sagt an, woher die Musiker angereist sind. Dann: Mikrofon aus – Häfliger hat ein paar Minuten Pause. Unter jeder Textpassage hat er genau notiert, wie lange die Bands jeweils spielen. Wenn die Zeit reicht, kann er problemlos seine kleine Kabine verlassen und mit den anderen Technikern plaudern – oder Kaffee holen. Immer mit dabei ist sein iPhone, auf dem er die Stoppuhr laufen lässt. Aber: «Ich orientiere mich vor allem nach dem Applaus. Wenn die Leute klatschen, weiss ich, dass es höchste Zeit ist für mich.»

Jetzt zum Beispiel, denn gleich ist die Schweizer Rekrutenschule dran. Sobald Häfliger die paar Zeilen zur Ansage gesprochen hat, streicht er die soeben auf Baseldytsch gelesene Passage durch. Damit er vor der nächsten Formation sofort weiss, wo es weitergeht. Für jede Show also bringt er einen neuen Ausdruck mit.

Dirigenten hören auf Häfliger

Geschrieben hat er die Texte selber, Input erhält er im Vorfeld von Tattoo-Produzent Erik Julliard. Es komme immer wieder vor, dass sie plötzlich während einer Aufführung auf eine Kleinigkeit stossen, die man anders formulieren könnte. «Auch wenn das in der zweitletzten Show passiert, ändern wir es für die Letzte noch mal.» In seinen Textpassagen sind einzelne Worte fett angestrichen. «Für die Betonung, oder wenn ich einen komplizierten Bandnamen sagen muss, bin ich vorgewarnt.»

Die Dirigenten, die unten in der Arena ihren Musikern die Einsätze geben, sind auf den Speaker angewiesen. Sie hören auf ihn. Damit keine unnötigen Lücken zwischen Text und Musik entstehen, gibt es Schlüsselwörter. Die meisten Musiker sprechen kein Deutsch, also sei es manchmal sprachlich schwierig, führt Häfliger aus. «Aber es funktioniert.»

Eine Geschichte, die ihn nervös gemacht habe, fällt ihm, der auch an den FCB-Match im Joggeli fürs Stadion-TV mit den Fussballern Interviews führt, dann doch noch ein. «In einer Pause habe ich mir mal selber Kaffee übers Hemd geschüttet und hatte kein Zweites bei mir. Also habe ich einem Helfer meinen Hausschlüssel gegeben, ihm erklärt, wo mein Schlafzimmer und meine Hemden sind und er hat mir dann ein Sauberes gebracht.»

Ein Fan von ruhigen Melodien

Eine Lieblingsband hat Häfliger keine. «Ich habe Lieblingsmomente. Ich mag schöne, ruhige Melodien, die berühren.» Dieses Jahr sind das Celtic Crest und das Panflötenstück «der einsame Hirte», das Jonas Gross im Finale spielt.

Nach gut zwei Stunden kündet Häfliger dieses denn auch an. Das Publikum freut sich, denn wie jedes Jahr folgen imposante Schlussminuten. Obwohl er nun bereits zum neunten Mal das Basel Tattoo – und inzwischen auch das Christmas Tattoo – moderiert, wird es ihm nicht langweilig. «Es ist ein Traumjob. Das Basel Tattoo ist ein Weltanlass, der mit höchster Präzision durchgeführt wird.»

Nach der Show folge der gesellschaftliche Teil. «Man lernt die Gäste aus aller Welt kennen, feiert mit ihnen und verbringt schöne Abende zusammen.» Wenn er nicht der Moderator des Basel Tattoo wäre, würde er auch privat jedes Jahr Tickets kaufen. «Ich mache ja Fasnacht. Das Tattoo ist fasnachtsaffin. Das gefällt mir daran.»

Was ihm hingegen nicht gefällt, sind lange Abschiedsfarcen nach der Show. Häfliger bringt deswegen das Schlusswort kurz und knapp. «Sich bedanken und das Publikum fürs nächste Jahr wieder einladen, reicht völlig.»