Motive

Tattootrends: Beim Namen der Freundin hört der Spass auf

Basler Studiobesitzer über die Körperkunsttrends im Wandel der Zeit.

Wer erinnert sich nicht an das berühmt-berüchtigte «Arschgeweih», dass Ende der 90er-Jahre die Hinterseite vieler Menschen zierte? Es gilt wohl als der Tattoo-Trend schlechthin. Zum Glück, ist man versucht zu sagen, ist diese Mode verebbt. Im Verlauf der Jahrzehnte sind andere, künstlerisch ebenso zweifelhafte Trends entstanden. Am besten wissen die Tätowierer Bescheid. Floyd Varesi, der im «Varry’s Tattoo & Art»-Studio in Sissach arbeitet, weiss, wofür die Kunden Vorlieben hegen: «Nach dem Arschgeweih, das gegen Ende der 90er-Jahre im Trend war, kamen kleine Schriften oder chinesische Zeichen in Mode.»

Abgelöst wurden die Schriften und Zeichen von kleinen süssen Motiven. Vögelchen, Federn oder Unendlichkeitszeichen waren der absolute Hit. Laut Varesi liessen sich mit dem Wandel der Gesellschaft nicht mehr nur «Rocker oder Rebellen» tätowieren, sondern auch junge Frauen, Banker oder Familienväter. Roland Altermatt, Mitglied des Schweizer Verbands für Berufstätowierer und Inhaber eines Tattoostudios in Muttenz, ist anderer Meinung. Schon immer hätten sich die Leute tätowiert, man denke nur an die älteste Leiche der Welt, den «Ötzi», der am ganzen Körper Tattoos aufweist. «Früher mussten die Leute ihre Tattoos einfach verstecken», sagt der erfahrene Tattookünstler.

Tattoos wie Beckham

Laut Varesi sei der Körperkunsttrend aber erst in der jüngeren Vergangenheit aufgekommen – und zwar quer durch alle Gesellschaftsschichten: «In meinen Shop kamen beispielsweise schon Hausfrauen, die mehr Tattoos haben als ich. Früher wäre das undenkbar gewesen.» Der Tätowierer arbeitet seit ungefähr 15 Jahren im Tattooshop seines Vaters.

Auch Mario Perez, Inhaber des Tattoostudios «Fresh up», ist überzeugt, dass die Körperkunst «normal« geworden ist. Einige Trends verstehe er jedoch überhaupt nicht. David Holm vom «Basel Tattoo and Body Art» sagt, er habe schon einem 87-Jährigen ein Tattoo gestochen: «Und es war sein Erstes.»

Laut Mario Perez sind Prominente für die meisten Tattootrends verantwortlich. So beispielsweise Gesichtstattoos, die von verschiedenen Hip-Hop-Stars vorgezeigt wurden. Doch nicht nur in der Musikbranche finden sich die Trendsetter. «Bei jungen Männern, die Fussball spielen, sind kleine Wolken oder betende Hände wegen David Beckham voll in», stellt Perez fest. Ungefähr 40 Prozent seiner Kunden würden sich von den Stars inspirieren lassen, «was ich bedenklich finde». Sorgen bereite ihm, dass sich Junge vermehrt Tätowierungen stechen lassen, ohne über die Folgen nachzudenken.

Altermatt hält einen anderen Aspekt an den Trendtattoos für problematisch: «Viele Leute brauchen für jedes ihrer Tattoos eine tiefgründige Bedeutung.» Bei einem Arschgeweih frage er sich dann schon, was die tiefere Bedeutung sein soll.

Letztlich gibt es im Tattoo-Business nicht nur Trends, sondern auch Evergreens. Laut Varesi sind das Schmetterlinge, Rosen oder Totenköpfe. Zu Altermatt kommen fast jeden Tag Kunden in den Laden, die sich Schriftzüge oder die Namen ihrer Kindern stechen lassen wollen. Bei gewissen Motiven hört für Altermatt jedoch der Spass auf: «Beispielsweise den Namen der Freundin tätowieren wir nicht.»

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