Plage
Taubendreck verunstaltet Messefassade der Basler Stararchitekten

In der «City Lounge» der Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron am Messeplatz haben sich ungebetene Gäste eingenistet. Tauben haben sich die Lamellen der Fassade für ihre Nistplätze ausgesucht. Gegen den Taubendreck geht die Stadt nun vor.

Noemi Lea Landolt
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Vergittert statt verschissen: An den Lamellen an der Fassade der Messe wurden Taubengitter montiert.

Vergittert statt verschissen: An den Lamellen an der Fassade der Messe wurden Taubengitter montiert.

Juri Junkov

Eigentlich sind Tauben äusserst genügsame Vögel: Kirchtürme, Dachgiebel oder wettergeschützte Nischen an unspektakulären Bauten reichen ihnen vollkommen, um ihren Nachwuchs auszubrüten und grosszuziehen. Aber der Platz zum Nisten wird knapp.

Den Tauben geht es gut, sie zeugen fleissig Nachwuchs. Da ist bei der Nestsuche Flexibilität gefragt. Und vor allem: Warum eigentlich sollte man sein Nest ausgerechnet an einem Ort bauen, wo noch Zentimeter hoch der eingetrocknete Kot von früheren Generationen klebt? Eben. Dann doch lieber hinter den schicken, elegant geschwungenen Lamellen an der Fassade des Messegebäudes von Herzog & de Meuron. Ganz nach dem Motto: für meinen Nachwuchs nur das Beste.

Unmögliches wird möglich

Dass die Fassade der Basler Architekten auf Tauben eine gewisse Anziehungskraft ausüben könnte, das hat man bereits während der Planung diskutiert. «Spezialisten sind aber zum Schluss gekommen, es sei nicht möglich, dass sie sich hier einnisten, weil die Lamellen zu eng sind», sagt Edith Thalmann, Mediensprecherin der MCH Messe Basel. Aber manchmal kommt alles anders.

Tauben sind anpassungsfähig: «Wenn sie einmal gelernt haben, zwischen die Lamellen zu fliegen, ihnen das Plätzchen gefällt, nisten sie sich ein», sagt Daniel Haag-Wackernagel, Taubenforscher an der Universität Basel. So haben die grauen Vögel die Lamellen der Stararchitekten kurzerhand zur neuen Kinderstube umfunktioniert. Äste und Blätter herbeigeflogen und in der Manier ihrer Vorgänger die neue Fassade verkotet und vielleicht sogar die Linsen der Hobbyfotografen und Köpfe der Besucher. Scheisse!

Vor ein paar Monaten hat die MCH Messe Basel reagiert: «aus ästhetischen und hygienischen Gründen» und «weil die Reinigung der Fassade auch kostet». Es wurden Gitter montiert. Feinmaschige Taubengitter. An einem der architektonischen Wahrzeichen der Stadt. «Die nun notwendig gewordenen Massnahmen wurden in enger, einvernehmlicher Abstimmung zwischen der Messe und uns vorgenommen», sagen die Architekten. Und: «Von blossem Auge sollten die Gitter nicht sichtbar sein», sagt Thalmann. Wer genau hinschaut, erkennt sie trotzdem. Und weisse Federchen und Kotspuren zeugen von den früheren Bewohnern.

Ob die sich so einfach aus der neuen Luxusbude vertreiben lassen, wird sich zeigen. Bis jetzt wurden die Gitter erst an der Fassade in Richtung Messeplatz montiert, weil die Tauben nur dort genistet haben. Aber die grauen Vögel sind bekanntlich flexibel.

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