Man nennt sie auch «Ratte der Lüfte». Die Columba livia domestica, wie ihr wiederum der Fachmann sagt, vermehrt sich in Basel fruchtbar und sprunghaft. Seit Monaten sind besonders die Quartiere Gundeldingen, Klybeck und St. Johann von einer richtigen Taubenplage befallen.

Die Vögel beschmutzen mit ihrem Kot nicht nur Balkone und Fassaden, sie übertragen auch Krankheiten. Und sie verlieren auf öffentlichen Plätzen in ihrem Hunger zunehmend die Scheu vor dem Menschen.

Ganze Fütterungsplätze

Jetzt aber schreitet der Kanton zur Tat: «Wir planen im zweiten Halbjahr 2018 einen runden Tisch mit der zuständigen interdisziplinären Arbeitsgruppe und betroffenen Fachkreisen wie Hausbesitzern», sagt der Stellvertretende Kantonsarzt Simon Fuchs vom Basler Gesundheitsdepartement. Die wachsende Population hänge unter anderem mit gezielter Fütterung durch einzelne Personen und mit liegengelassenen Essensresten auf Balkonen sowie auf öffentlichen Plätzen zusammen, wie es seitens Kanton heisst.

Die notorischen Taubenfütterer stört die seit mittlerweile drei Jahren laufende Kampagne zudem kaum: Wie Brigitte Vogel von der Stadtgärtnerei sagt, fänden die Gärtner bei Unterhaltsarbeiten regelmässig ganze Fütterungsplätze vor.

Kot und Lärm

Eine hartnäckige Zunahme in der Population verzeichnet Basel auch bei den Krähen. «Der Bestand schwankt von Jahr zu Jahr. In diesem Jahr ist uns auch aufgefallen, dass es mehr Nester hat als im Vorjahr», sagt Brigitte Vogel. Wobei hier die Stadtgärtnerei davor warnt, sie als Plage zu bezeichnen. «Doch mit ihrem Kot und ihrem Gekrächze setzen sie den Anwohnern manchmal zu.»

In Basel wurden schon verschiedene Methoden «zur Vergrämung der Vögel ausprobiert», wie Vogel sagt: «Leider alle ohne befriedigenden Erfolg.» Saatkrähen seien sehr schlau und realisieren sehr schnell, ob etwas eine echte Gefahr oder nur eine Attrappe ist.

Andernorts wird geschossen

Ein mögliches Beispiel könnte sich Basel an der Aargauer Gemeinde Kaiseraugst nehmen. Denn die greift rigoros durch, wie es im aktuellen Gemeindeanzeiger heisst. Zwar stehen die Krähen bis Ende Juli wegen ihrer Brutzeit noch unter Schutz. Danach wird Kaiseraugst allerdings geradezu rabiat: Die Jagdgesellschaft soll im Auftrag der Gemeinde den Abschuss der Krähen koordinieren, die Feuerwehr wird die Nester entfernen und ein Falkner wird aufgeboten, um mit Greifvögeln Jagd auf die Krähen zu machen.

In Basel hingegen habe sich der regelmässige Schnitt der Bäume am besten bewährt. Besonders gerne halten sich die Krähen am Steinenring auf; dort schneide die Stadtgärtnerei laut Vogel die Bäume etappenweise etwa alle drei bis vier Jahre. Nach dem Schnitt seien die Bäume für ein paar Jahre weniger attraktiv zum Nisten. Der Kot wird übrigens weitgehend von der Stadtreinigung entfernt.

Ratten lieben den Sommer

Im Gegensatz zur Luftrattenplage sind die eigentlichen Basler Ratten etwas besser in den Griff zu kriegen. Die Tiere halten sich gerne an Wasserläufen auf und laben sich vor allem in den Sommermonaten gerne am liegengelassenen Müll, dem Littering. «Entsprechend erhalten wir im üblichen Mass Meldungen von Rattenaufkommen, wie dies jährlich zu dieser Zeit vorkommt», so Fuchs vom Gesundheitsdepartement.

Eine konsequente Bewirtschaftung durch Giftköder läuft seit Jahren. Erfolgreicher zumindest als bei ihren Gegenstücken, die derzeit Himmel und Hinterhöfe unsicher machen.