Durchkommen? Unmöglich. Schon von aussen ist zu sehen, dass das Entree des Restaurants Seegarten im Park im Grünen überfüllt ist. Überall stehen, sitzen und knien Menschen. Meistens sind es Kinder, sieben oder acht Jahre jung, begleitet von ihren Eltern. Die Outfits machen deutlich, dass es hier um Fussball geht. Zwei Jungs tragen ein Trikot des FC Basel von der eben zu Ende gegangenen Saison.

Andere tragen ein Trikot der spanischen Nationalmannschaft, bedruckt mit der Nummer eins und Iker Casillas’ Namen. Doch egal, ob Vereins- oder Nationalmannschafts-Trikot, eines haben die Anwesenden alle gemeinsam. Sie haben kleine Stapel in ihren Händen. Stapel mit Panini-Bildern. Und um diese zu tauschen, haben sie sich alle am Sonntag in der Grün 80 zur Panini-Tauschbörse versammelt, die alle zwei Jahre kurz vor dem Start der jeweiligen Europa- oder Weltmeisterschaft stattfindet.

Denn für viele macht das Tauschen mehr Spass als das Kaufen der Bildli am Kiosk. «Es bringt doch nichts, 400 Franken auszugeben, und das Heft am Ende doch nicht voll zu haben. Da tauschst du lieber und bekommst die Spieler, die dir noch fehlen», sagt Martin, der mit seinem Sohn extra früh aufgestanden ist, um vier Stunden lang Rodriguez gegen Ronaldo oder Sommer gegen Schweinsteiger zu tauschen.

Das Rekord-Heft fordert

Seit März sind die beliebten Sammel-Bilder wieder zu haben. Doch ganz so einfach ist es nicht, das Heft vollzubringen. Um die 96 Seiten zu füllen, müssen 680 Bildli gesammelt werden – so viele wie noch nie für ein EM-Panini-Heft. Grund dafür ist die Aufstockung der EM auf 24 statt nur 16 Teilnehmer.

Je länger der Anlass dauert, desto voller wird das Restaurant und desto mehr Möglichkeiten bieten sich an, um zu tauschen. Martin beobachtet seinen Sohn weiterhin beim Tauschen, redet mit, gibt ihm Tipps. «Er hat noch einen Haufen Bilder, die du brauchen kannst», sagt er und deutet auf die ausgebreitete Sammlung des 14-jährigen Dominik hin. Eine Stunde lang sitzen sie zusammen auf der Treppe und gleichen ihre Zettel ab. Der eine hat einen handgeschriebenen Fresszettel, der andere eine fein säuberliche Auflistung, geschrieben am Computer und ausgedruckt. Die Sammler sind alle gut vorbereitet: Listen, Stift, Mäppli, Tupperware, Gümmeli – all dies gehört zur Grundausstattung.

Von der anderen Seite des Raumes schreit ein kleiner Junge: «Endlich! Den hab ich gewollt.» Er hat soeben das Bild von Breel Embolo ergattert. Im Tausch gegen keinen Geringeren als Zlatan Ibrahimovic. Auf die Frage, ob Ibrahimovics Bild denn nicht mehr Wert wäre und gegen beispielsweise Cristiano Ronaldo hätte getauscht werden können, schüttelt der 10-jährige Cédric seinen Kopf. «Ich wollte Breel haben, nicht Ronaldo», sagt er und strahlt. Sein Vater ist fast genau so glücklich über den erfolgreichen Tausch.

Der Countdown läuft

Am Nebentisch sortiert eine Mutter die Bilder ihrer beiden Söhne. Immer wieder muss sie die beiden Jungs daran erinnern, doch noch einen Bissen von ihrem Salami-Brötchen zu nehmen. «Einkleben könnt ihr auch später.» Dass ihr Einwand erfolglos bleibt, damit musste sie rechnen.

Gegen Ende der Tauschbörse läuft ein kleines Mädchen weinend an der Hand ihrer Mutter aus dem Raum. Sie ist untröstlich. Das kleine Mädchen wollte unbedingt an diesem Sonntag das Heft vollkriegen. Geschafft hat sie es nicht. «Wir füllen es noch, bevor die EM beginnt», sagt die Mutter tröstend. Noch 11 Tage haben sie also Zeit. Dann beginnt die Europameisterschaft in Frankreich.