Führung
Tausendsassa mit rotem Parteibuch: Das ist der neue Präsident des IWB-Verwaltungsrats

Der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel übernimmt neu die Spitze der Industriellen Werke Basel – eine von vielen Aufgaben.

Patrik Müller*
Merken
Drucken
Teilen
Benedikt Weibels Verhältnis zu seiner Partei ist nicht immer einfach.

Benedikt Weibels Verhältnis zu seiner Partei ist nicht immer einfach.

KEYSTONE

Jetzt also auch noch die Industriellen Werke Basel! Benedikt Weibel, der vor wenigen Tagen seinen 71. Geburtstag feierte, scheint wieder so aktiv zu sein wie zu Chef-Zeiten bei den SBB. Von 1993 bis 2006 war er «Generaldirektor» der Bundesbahnen, wie es anfänglich noch hiess, bevor man Chief Executive Officer sagte – was Weibel immer missfiel. Auf Anglizismen ist der sprachaffine Manager allergisch. Als SBB-Chef wies er ganze Berichte zurück, wenn sie Modewörter wie «human capital» enthielten.

Parteikollege von Brutschin

Die IWB sind eines von mehreren Verwaltungsratsmandaten, die Weibel seit 2006 gesammelt hat. So etwa bei einer Privatbahn in Österreich – und bei den Rheinhäfen Basel, wo er Verwaltungsratspräsident ist. In dem Gremium sitzt er unter anderem mit SP-Regierungsrat Christoph Brutschin. Vielleicht hat das geholfen. Es ist ja die Basler Regierung, welche das Verwaltungsratspräsidium der IWB vergibt.

Weibel ist nach wie vor SP-Mitglied, auch wenn er zur Partei ein kritisches Verhältnis pflegt und insbesondere in wirtschaftspolitischen Fragen eher bürgerlich-liberal tickt. Als er SBB-Chef war, wurden in der SP sogar Stimmen laut, die ihn – weil er viele Stellen abbaute – aus der Partei ausschliessen wollten. Der Parteitag lehnte den Ausschluss dann aber ab. Vor kurzem kritisierte Weibel öffentlich die Milliarden-Investitionen ins Schienennetz, wie sie der Bundesrat plant. Ebenfalls nicht zur Freude der SP.

Weibels Tatendrang beschränkt sich nicht auf Mandate in der Wirtschaft. Er doziert als Honorarprofessor an der Universität Bern, wo er einst studiert und dissertiert hat (gemeinsam mit dem vormaligen Post-Chef Ulrich Gygi, mit dem er befreundet ist). Er hat vier umfangreiche Führungsbücher geschrieben, die es alle auf die Bestseller-Listen schafften, und vor wenigen Wochen ein Gesellschafts-Buch publiziert: «Das Jahr der Träume», in dem er sich mit der 68er-Bewegung auseinandersetzt, zu der er selbst gehörte. Weibel ist auch Kolumnist: Es war die «Schweiz am Sonntag», die ihn 2007 zuerst anfragte. Er sagte spontan zu und schreibt bis heute für die Nachfolgezeitung «Schweiz am Wochenende», aber inzwischen auch für andere Medien.

Gute Erinnerungen an Euro 2008

Verwaltungsrat, Professor, Publizist – und dann gibt es noch eine weitere Rolle: Benedikt Weibel, Vater dreier Söhne, ist inzwischen auch ein aktiver und begeisterter Grossvater. In seiner Freizeit zieht es den diplomierten Bergführer nach wie vor oft in die Alpen.

Welche Beziehung zu Basel hat der Solothurner Weibel, der seit vielen Jahren in Muri bei Bern wohnt (wie übrigens auch sein Nachfolger als SBB-Chef, der Baselbieter Andreas Meyer)? Die vielleicht schönsten Erinnerungen verbindet er wohl mit der Fussball-EM 2008, für deren Organisation und Durchführung er als «Mister Euro 08» im Auftrag des Bundesrats verantwortlich war. Es war sein erstes grosses Mandat nach dem Rücktritt als SBB-Chef. Legendär war das Viertelfinalspiel der Niederlande gegen Russland im St. Jakob-Park. Über 100 000 Holländer feierten friedlich in Basel.

Eher traumatisch allerdings die Erinnerung an den Tag, an dem Weibels Berufung zum «Mister Euro 08» bekannt wurde: Just dann kam es beim Spiel FCB gegen FCZ zu den schlimmsten Krawallen der Schweizer Fussballgeschichte. Und Weibel fragte sich, ob solcherlei auch an der EM geschehen könnte. Was dann nicht der Fall war.

Ob seine neue Tätigkeit bei den IWB ebenfalls ohne Zwischenfälle verläuft, wird sich weisen.

*«Nordwestschweiz»-Chefredaktor Patrik Müller ist Co-Autor der Biographie über Benedikt Weibel «Der rote Boss» (Orell Füssli Verlag).