René Häfliger, worüber reden wir?

Das Nähkästchen sagt mir: über Talent.

Sie sind vieles von Beruf. Unter anderem FCB-Moderator, Medienprofi, Tattoo-Speaker, Matterhorn-Bezwinger und neuerdings auch Politiker. Was ist Ihr grosses Talent?

Nun, das Matterhorn habe ich ganz sicher nicht dank eines Talents bezwungen, sondern mit eisernem Willen (lacht). Ich denke, mein grösstes Talent ist das Reden.

Wann haben Sie das realisiert?

Es gibt ein Foto, das zeigt mich mit etwa fünf Jahren, mit einer Haarbürste in der Hand als Mikrofon. Ich glaube, ich wurde zum Radiomenschen geboren.

Jedes Kind hat mal eine Haarbürste in der Hand und plärrt da rein.

Aber mir war damals schon klar: Ich will zum Radio. Das war mein grösster Lebenswunsch. Und den erfüllte ich mir bereits während meiner KV-Lehre: Ich bin bei Radio Raurach eingestiegen. Danach hat sich alles schön ergeben; ich arbeitete bei Radio Basilisk, bei Sat1, Teleclub – und im 2001 habe ich mich selbstständig gemacht.

Heute tanzen Sie auf vielen Hochzeiten. Besteht nicht die Gefahr, dass Sie sich verzetteln?

Solange ich alles mit Leidenschaft mache, stelle ich mir diese Frage gar nicht. Aber es ist schon wichtig, bei einer solch vollen Agenda pflichtbewusst zu sein. Denn in meinem Beruf muss ich verlässlich sein.

Welcher Job ist Ihnen der liebste?

Ach, ich mag alle, sonst würde ich aufhören damit. Seit ein paar Jahren gebe ich auch Medientrainings für Private und Geschäftsleute, und ich glaube, darauf werde ich in Zukunft den Fokus legen. Darauf, mein Wissen weiterzugeben.

Was geben Sie denn weiter?

Zentral ist: Man sollte sich vor einem Interview stets klar darüber sein, welche Botschaft man weitergeben möchte.

Und läuft dieses Geschäft?

Ja. Mein Angebot kommt gut an.

Warum mögen die Leute Sie?

Oh, es mögen mich längst nicht alle. Ich ecke auch an und polarisiere. Aber das ist gut so. Ich würde mich nie verstellen, nur, um allen zu gefallen. Es ist unglaublich wichtig, authentisch zu bleiben. Immer. Das gebe ich auch meinen Kunden weiter.

Fahren Sie nun zugunsten des Medientrainings in einem anderen Bereich zurück? Etwa beim FCB?

Nein, auf keinen Fall. Ich kann mich immer noch für den FCB begeistern. Jedes Mal, wenn er Meister wird, ist das der Wahnsinn. Für viele ist dieser Erfolg selbstverständlich geworden.

Viele finden die Meisterschaft langweilig.

Diese Klagen nerven mich. Natürlich wäre ein Kopf-an-Kopf-Rennen spannender. Aber ich sage immer: Lieber mit 20 Punkten Vorsprung Meister werden, als mit einem Punkt Rückstand zu verlieren.

In Basel kennt Sie praktisch jeder, auch wegen des FCB. Streben Sie nicht nach nationaler Bekanntheit?

Nein. Ich geniesse es, wenn ich in der Schweiz unterwegs bin und meine Ruhe habe. Zum Beispiel im Wallis. Da habe ich eine Ferienwohnung und fahre oft hin, um abzuschalten.

Gibt es ein Talent, das Sie gerne hätten?

Oh ja. Ich wäre sehr dankbar, wenn ich handwerklich nicht ganz so untalentiert wäre. Ich kann nicht einmal ein Ikea-Möbeli zusammenbauen. Eine Glühbirne auswechseln geht knapp noch.

Wir sitzen hier an der Oetlinger-Buvette, sie wohnen wenige Meter von hier entfernt. War es ein bewusster Entscheid, im Kleinbasel zu wohnen?

Nein. Früher wohnte ich im Gellert, danach im Gerbergässlein. Die Nähe zum Rhein ist grossartig, deshalb wollte ich diese Wohnung unbedingt. Im und am Fluss fühle ich mich wohl.

Wenn es lärmig ist, hört bei Ihnen offenbar der Spass auf: Als Neo-Grossrat reichten Sie eine Interpellation ein, die gegen eine neue Begegnungszone nahe der Dreirosen-Buvette ist.

Mich stören der Lärm und die vielen Besucher überhaupt nicht. Ich liebe es, wenn hier Halligalli ist, ich bin ein Zentrumsmensch. Aber diese Begegnungszone ist absolut unnötig, das hat es schon genug! Und damit würden wieder ein paar Parkplätze verschwinden, deshalb habe ich – auf Wunsch von Anwohnern – gehandelt.

Erfolg hatten Sie damit nicht, das Projekt wird weiterverfolgt.

Autofahrer haben in Basel einen sehr schweren Stand. Und das linke Lager findet immer wieder einen Grund, irgendwo Parkplätze aufheben zu können.

Sie sind vieles von Beruf. Liebäugeln Sie bereits mit einem weiteren Job?

Nein, aber mit einem Vorhaben: Ich bin noch nie länger verreist und würde mir gerne in absehbarer Zeit eine Auszeit nehmen, so für ein halbes Jahr. Ich arbeite seit 30 Jahren ohne Pause, es ist Zeit, durchzuatmen und loszulassen. Diese Tiefenentspannung zu erleben.