Venezianische «Donna Anna»

Taxiboot kam unter seltsamen Umständen zu neuen Besitzern

Die RB Yachting GmbH beherrscht den Bootsmarkt in Basel. Neu bietet sie einen Taxibootsdienst an, mit Grossrat Eduard Rutschmann als Kapitän. Gekauft hat die RB Yachting GmbH das Boot unter seltsamen Umständen.

Das Taxiboot «Donna Anna» geriet kürzlich in die Schlagzeilen. Denn der SVP-Grossrat Eduard Rutschmann wässerte das Boot aus Venedig in Birsfelden ein, wie «20 Minuten» berichtete. Die Pendlerzeitung folgte einer Einladung, die Rutschmann verschiedenen Basler Medien im Namen der RB Yachting GmbH von Rolf Braun zukommen liess.

Der Artikel «Boot aus Venedig befährt erstmals den Rhein» wurde auf Facebook über 250-mal geteilt. Also die erhoffte Gratis-Werbung. Zwei Tage später hatte Rutschmann die ersten zahlenden Gäste im Boot. Doch die «Donna Anna» befuhr nicht erstmals den Rhein. Sie ist schon seit 2003 in Basel unterwegs. Ihr früherer Besitzer hat das Boot damals in Venedig gekauft. Der notariell beglaubigte italienische Kaufvertrag liegt der bz vor.

Darin ist 1978 als Baujahr der «Donna Anna» angegeben. Gegenüber «20 Minuten» gaben Kapitän Rutschmann und Bootsbesitzer Rolf Braun aber 1965 als Baujahr an. Auch auf Nachfrage der bz bleibt Braun dabei. Er habe das Baujahr anhand der Serien-Nummer festgestellt. Die widersprüchlichen Angaben sorgen für Fragezeichen in der Bootsszene. Und das Boot wird von einem Grossrat gesteuert. Grund genug, der Geschichte dieses einmaligen Boots nachzugehen.

Die Taxiboot-Idee ist nicht neu

Der frühere Besitzer heisst Manfred Hofmänner und wohnt in Birsfelden. Heute fährt er Sanitätswagen, früher war er Taxichauffeur auf der Strasse und seit 2001 auf dem Rhein: Mit Pontonierbooten gründete er das erste Rhein-Taxi, mit ihnen fährt er heute noch. Später bot er Fahrten mit dem Taxiboot aus Venedig an. Ob ein Regierungsrat, der Autor Minu, Hochzeitsfeiernde oder Touristen: Sie alle waren seine Gäste. Bis zum 16. Juli 2010.

An diesem Tag fuhr der holländische Kapitän G.* mit seinem belgischen Schiff TMS «Theodela C» gegen halb neun Uhr abends in den Rheinhafen. Viel zu schnell. Und zu nahe am Regioport. Hohe Wellen erfassten den kleinen Jachthafen.

Polternd wurde die «Donna Anna» hin- und hergeschlagen und massiv beschädigt. «Bordwand aus Holz weist Risse auf der ganzen Länge beidseitig auf. Ankervorrichtung gebrochen. Risse auf dem Achterdeck», heisst es in der Anzeige, die Manfred Hofmänner eine Woche später erstattete. Er kam gerade zurück aus den Ferien, als er sein Boot kaputt vorfand. Sein Boot, das er im September 2003 für 32'000 Euro gekauft hatte. Beim damaligen Kurs von 1,55 waren 32'000 Euro noch fast 50'000 Franken wert.

Hofmänner wollte seine teure «Donna Anna» reparieren lassen. Sie wurde in die Bootswerft der RB Yachting GmbH in Pratteln gebracht und dort gelagert. Noch hatte Hofmänner aber kein Geld von der Versicherung der belgischen Schifffahrtsfirma erhalten, deren Kapitän den Schaden verursachte. Darum konnte die Reparatur noch nicht beginnen. Rolf Braun veranschlagte die Kosten der Reparatur auf 45'700 Franken.

Aber das Geld aus Antwerpen liess auf sich warten. Die Versicherung der belgischen Veca-Shipping wollte nur 25'000 Franken zahlen, obwohl der von ihr beauftragte Experte K.* den Schaden auf 32'724 Franken schätzte.

16 Monate auf das Geld gewartet

Ein Jahr nach dem Unfall reichte Hofmänners Rechtsanwalt Z.* beim Zivilgericht Basel-Stadt ein Schlichtungsgesuch ein. Die Beklagten seien zu verpflichten, dem Kläger 30'000 Franken zuzüglich eines Zinses von 5 Prozent zu zahlen. Der Rechtsanwalt wies in seinem Gesuch auch auf den Verdienstausfall hin, den Hofmänner erlitt. Von Zehntausenden Franken ist die Rede. Dazu kommen Lagerungskosten, die wegen der fehlenden Finanzierung der Reparatur anfielen. 16 Monate nach dem Unfall vermeldete Hofmänners Rechtsanwalt, dass der holländische Versicherer 29'975 Franken überwiesen hatte. Ein langer Kampf für eine grosse Menge Geld. Geld, das nicht für die Reparatur ausreichte.

Hofmänner war am Rande der Verzweiflung. Rolf Braun wusste davon. Die beiden kennen sich schon lange. Im August 2011 kaufte Braun das Boot für 3682,80 Franken, indem er Hofmänner die Lagerungskosten in dieser Höhe erliess. Das steht so im Kaufvertrag von August 2011, wo als Baujahr des Boots das Jahr 1982 sowie das falsche Kennzeichen eingetragen ist. «Rolf Braun hat mich dazu genötigt, ihm das Boot unter Wert zu verkaufen», fasst Manfred Hofmänner die sonderbare Eigentumsübertragung zusammen, der er mittels Unterschrift zustimmte.

Rolf Braun sagt, dass die «Donna Anna» schon vor dem hohen Wellengang im Juli 2010 diverse Schäden aufwies, die aber erst bei der Reparatur zum Vorschein kamen. Bis das Taxiboot eingewässert wurde, habe er Material im Wert von 30'000 Franken und 2500 Arbeitsstunden ins Boot investiert. Die Idee zum Taxiboot hätten Rutschmann und dessen Partnerin gehabt.

* Name der Redaktion bekannt

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