Den Basler Taxifahrern gehe es schlecht. Auf diese Annahme stützt das Justiz- und Sicherheitsdepartement seinen Entwurf für ein neues Taxigesetz. Zitiert werden Erhebungen der Gewerkschaft Unia, wonach der Stundenlohn der 350 Basler Taxifahrer zwischen 12 und 16 Franken liege. Zwar würden abschliessende statistische Erhebungen fehlen, doch man könne festhalten, dass der Umsatz im Taxigewerbe seit Jahren tendenziell rückläufig sei. Das steht im Entwurf der Vernehmlassung, die am Freitag endete.

Beide Aussagen aus Baschi Dürrs (FDP) Departement seien falsch, entgegnet nun die Nordwestschweizer Fachgruppe Taxi des Schweizer Nutzfahrzeugverbands Astag. Darin organisieren sich die vier grössten Basler Taxifirmen, die 70 Prozent der Taxihalterbewilligungen des Kantons besitzen: Taxi-Zentrale AG, 33er Taxi AG, Taxiphon-Genossenschaft und Mini-Cab AG. Die vier Firmen haben eine Erhebung durchgeführt, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegt. Befragt wurden fünfzig Taxifahrer nach ihren Einsatzstunden und ihrem Bruttolohn zwischen Januar und Juni 2013.

Die Spannweite ist gross: Der Stundenlohn variiert zwischen 15 und 30 Franken bei einem Durchschnitt von 20 Franken. Diese Zahl ist nicht repräsentativ, da die Fahrer der vier marktdominierenden Firmen überdurchschnittlich verdienen. Trotzdem widerlegt die Erhebung die Angaben von Regierung und Unia. Sie zeigt, dass die Spannweite der Löhne um ein Vielfaches grösser ist als angenommen. Es gibt sie zwar, die Taxifahrer, die am Existenzminimum leben. Es geht aber nicht der ganzen Branche schlecht. Viele Taxifahrer können von ihrem Lohn gut leben.

Die Taxifirmen legen Wert auf die Unterscheidung zwischen Einsteiger- und Bestellertaxis. Die Regierung macht diese nicht. Einsteigertaxis warten an Standplätzen auf Kundschaft, Bestellertaxis fahren auf Auftrag zu den Kunden. Die vier im Astag organisierten Firmen führen fast alle der in Basel getätigten Bestellfahrten aus, machen aber auch Einsteigerfahrten. Die vier anderen in Basel tätigen Firmen hingegen konzentrieren sich auf den Einsteigermarkt: Airport-Taxi, Basilea-Taxi, Blitz-Taxi und Union-Taxi. Von der Konkurrenz werden diese als «Low-Quality-Betriebe ohne Infrastruktur» bezeichnet. Da der Kunde meist in das vorderste Taxi am Standplatz steige, müsse sich der Fahrer nicht mit Qualität durchsetzen, da der nächste Laufkunde trotzdem einsteige. Zudem würden sich diese Firmen nicht selber regulieren, jeder neue Taxihalter sei bei der Einsatzzentrale willkommen. Die in der Fachgruppe Taxi organisierten Betriebe hingegen nehmen nicht unbeschränkt neue Fahrer auf. Zwei der vier Firmen führen derzeit Wartelisten. Ohne Einsatzzentrale darf man gemäss Taxigesetz nicht arbeiten.

Taxifahrer, die hauptsächlich Einsteiger von Standplätzen transportieren, sind unterdurchschnittlich ausgelastet, da sie auf der Rückfahrt zum Standplatz meistens leer bleiben. Deshalb verdienen sie weniger. Sie haben keine professionell organisierte Einsatzzentrale im Rücken, die ihnen regelmässig Auftragsfahrten vermittelt. «Es liegt dabei auf der Hand, dass ein solcher Fahrer eine Zehn-Franken-Fahrt nach einer Wartezeit von zwei Stunden oder länger ablehnt», schreibt die Fachgruppe Taxi in ihrer Vernehmlassungsantwort. Die vier Marktführer hingegen würden an Standplätzen vorschriftsgemäss auch kurze Fahrten annehmen, in der Gewissheit, dass der nächste Auftrag über die Einsatzzentrale bald komme.

Die Basler Regierung ortet auf dem Basler Taximarkt ein Qualitätsproblem. Die Reklamationen beim Taxibüro der Kantonspolizei hätten zugenommen. Frustriert stellt man in der Kantonsverwaltung fest, dass es offensichtlich nicht gelinge, die zahlreichen «schwarzen Schafe» aus dem Verkehr zu ziehen. Die Fachgruppe Taxi wirft der Regierung vor, zu pauschalisieren: «Die Probleme des Taxigewerbes sind nicht bei den seriös arbeitenden Taxigesellschaften mit Bestelltaxis, sondern bei den einzelkämpfenden Einsteigertaxis zu orten.»

Hinter dieser Einschätzung stecken auch Eigeninteressen. Doch die Stellungnahme der Fachgruppe, die beklagt, dass sie in die Gesetzeserarbeitung kaum einbezogen worden sei, zeigt, dass die Basler Taxidebatte derzeit in die falsche Richtung läuft. Die politischen Parteien überbieten sich mit Lösungsvorschlägen; von vollständiger Liberalisierung bis zum staatlichen Taximonopol. Nicht diskutiert wurde bisher, wo die Probleme und deren Ursachen tatsächlich liegen.