Es war nur ein kleiner Streit unter Taxifahrern: An einem Wochenende im vergangenen April sass der heute 42-jährige Mann in seinem Taxi an der Steinentorstrasse abseits eines Standplatzes. Dies fiel offenbar einem anderen Taxifahrer auf, der ihn darauf ansprach. Danach kam es zu einem handfesten Streit darüber, wer sich wo hinstellen darf, um auf Fahrgäste zu warten. Schliesslich konnte ein weiterer Taxifahrer die beiden Streithähne trennen, die Auseinandersetzung schien beendet.

Heimgefahren, Colt geholt

Wie die Auswertung des Fahrtenschreibers ergab, fuhr der 42-Jährige danach recht zügig nach Hause. Allerdings nicht um sich abzuregen, sondern um aus dem Keller seinen Revolver «Colt Detective spezial» mit Kaliber 38 sowie drei Schachteln Patronen zu holen. Danach fuhr er wieder in die Stadt. In der Nähe des Bahnhofs sahen sich die beiden Taxifahrer später wieder und hielten an, erneut wurde diskutiert und gestritten. Irgendwann fuhren sie zum Café Johanniter an der St. Johanns-Vorstadt, der Streit ging weiter. Laut der Staatsanwaltschaft zog der 42-Jährige nun seine Pistole und schoss auf sein Gegenüber. Wie der Schuss genau abgegeben wurde, dürfte wohl der Hauptstreitpunkt an der Gerichtsverhandlung sein: Das Opfer erlitt laut einem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin an der linken Schläfe eine rund fünf Zentimeter dicke Schwellung.

Kugel landet in der Beiz

Dahinter befand sich das Café Johanniter: Das Projektil flog durch das dreifachverglaste Fenster, wurde in Richtung Decke abgelenkt und fiel dann ohne weiteren Schaden auf den Boden. Im Café befanden sich rund 45 Gäste, die Staatsanwaltschaft geht bei rund einem Drittel der Personen von einer unmittelbaren Lebensgefahr durch einen möglichen Querschläger aus. In Bezug auf den leicht verletzten Taxifahrer geht sie allerdings von einer versuchten vorsätzlichen Tötung aus: Der 42-Jährige habe aus kürzester Distanz auf den Kopf gezielt. Zumindest habe er die Tötung billigend in Kauf genommen, schreibt die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift. Nach der Schussabgabe fuhr der Mann wieder nach Hause, steckte den Revolver mitsamt der Munition in einen Plastiksack und deponierte diesen in einem Reifenstapel in der Tiefgarage. Danach fuhr er wieder an die Steinentorstrasse, dort wurde er rund 20 Minuten nach der Schiesserei festgenommen.

Woher kam der Revolver?

Der Prozess im Basler Strafgericht startet am Dienstag und ist auf zwei Tage angesetzt. Beurteilt wird der Fall von einer Kammer aus fünf Richtern, woraus sich schliessen lässt, dass die Staatsanwaltschaft wohl eine Freiheitsstrafe von über fünf Jahren beantragen wird. Der 42-Jährige arbeitete bereits rund sieben Jahre als Taxifahrer in Basel, seit jener Nacht im April 2016 sitzt er in Haft. Noch nicht bekannt ist, wann und wo er den Revolver gekauft hat.