Die Polizisten staunten nicht schlecht, als im Februar 2009 gegen halb vier Uhr morgens ein Mann auf der Basler Clarawache auftauchte und behauptete, er habe vor wenigen Stunden einen Taxifahrer ausgeraubt und wolle sich nun stellen. Doch die Geschichte entpuppte sich als echt.

Am Mittwoch beendete fast fünf Jahre später auch das Basler Strafgericht das Verfahren: Der Mann kam, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, mit einer milden Bewährungsstrafe von 18 Monaten davon.

Der 31-jährige Angeklagte schilderte am Mittwoch vor Gericht, wie er damals Kokain kaufen wollte und sich aus Geldmangel eine andere Finanzierungsquelle erschliessen musste. «Ich habe mir ein Taxi ausgesucht, in dem nicht gerade ein jüngerer, kräftiger Mann drinsitzt. Eine Bank kam nicht infrage. Es musste einfach schnell gehen», meinte er.

Beim Taxistand am Claraplatz stieg er gegen Mitternacht ein und liess sich zur Brombacherstrasse fahren. Dort richtete er eine Pistole auf den Taxifahrer. «Zuerst hat er nur gelacht, dann aber hat er mir das Portemonnaie hingehalten.»

Pistole entpuppt sich als Imitation

Mit 160 Franken Beute stieg er aus und spazierte zur Wohnung seiner Mutter am Riehenring. Nach einem Anruf bei der Polizei verfolgte der Taxifahrer ihn zwar, verlor ihn aber aus den Augen. Das Geld gab der Räuber seiner Mutter, die offenbar seit Jahren als Drogenprostituierte lebt. «Ich habe ein schlechtes Gewissen bekommen und hatte auch plötzlich Angst», erklärte der Mann seinen nachträglichen Sinneswandel. Nach drei Stunden ging er zur Polizei.

Die Pistole entpuppte sich als Imitation einer 9-Millimeter-Polizeiwaffe: Es war eine Gasdruckpistole. Wie ein Experte am Mittwoch vor Gericht ausführte, seien für den Kenner durchaus Unterschiede zum Original zu erkennen – im Halbdunkel eines Taxis wirkt die Waffe allerdings echt.

Das Gericht ging von einem qualifizierten Raub aus, weil bei einer Gegenwehr des Opfers ein Schuss durchaus schwere Verletzungen im Gesichtsbereich verursachen könne. Die Waffe hatte der Mann angeblich in einem Flohmarkt in der Rebgasse gekauft, die Munition in einem Waffenladen.

Während der langen Verfahrensdauer konnte der Mann immerhin beweisen, dass er sein Leben geändert hat: Er hat eine eigene Wohnung, wird aber regelmässig betreut. Im nächsten Sommer schliesst er eine Lehre ab, und der Arbeitgeber hat bereits zugesagt, ihn zu übernehmen, sofern er nicht wieder Ärger mit der Justiz bekomme. Nebst dem Überfall wurde er auch wegen Sozialhilfebetruges verurteilt.

Derzeit bezahlt er von seinem Lehrlingslohn monatlich 100 Franken an die Sozialhilfe zurück. Zur Rückzahlung von 160 Franken an den Taxifahrer hat er sich verpflichtet, und das Gericht verurteilte ihn auch noch zur Zahlung einer Genugtuung von 500 Franken an den Taxifahrer wegen des nächtlichen Überfalls. Der Verteidiger hatte lediglich 12 Monate bedingt verlangt, er kann das Urteil noch weiterziehen.