Nicht für alle Studierenden war der Dies Academicus gestern ein freier Tag. Denn das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) führte zum sechsten Mal das Teddybär-Spital durch – ein Projekt, das bei den Studierenden der Medizin und Pharmakologie sehr beliebt ist. Zwei Stunden nach der Ausschreibung waren alle Plätze weg. So haben rund 30 Studierende den weissen Kittel übergezogen, um Kindergartenkindern den Krankenhausalltag näherzubringen. Dabei übernehmen die Kinder die Rolle eines Elternteils, während ihre Plüschtiere die Patienten sind. «Wir kommen während unserer Ausbildung nicht oft mit Kindern in Kontakt, das macht dieses Konzept so interessant», erklärt Medizinstudent Benjamin Voit. Vier Kindergartenklassen aus beiden Basler Halbkantonen besuchen das Teddybär-Spital, eine davon ist aus dem Kindergarten Teichweg in Münchenstein. «Wir haben uns in den letzten Wochen darauf vorbereitet und sogar ein Spital aufgebaut», erzählt Alexandra Gautschi. Die Kindergärtnerin hat 14 Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren im Schlepptau. Das Thema Spital ist in ihrer Klasse sehr aktuell: «Mehrere Kinder mussten in diesem Jahr ins Krankenhaus.»

Kinder stellen tausend Fragen

Als Erstes steht die Besichtigung eines Krankenwagens auf dem Programm. Eine Rettungssanitäterin empfängt die Schar. Die Kinder legen schnell alle Scheu vor den unbekannten Dingen und Menschen ab: Sie fragen, was das Zeug hält. Danach geht es ins Innere des Spitals. Die Studenten, die «Doktor Ted» spielen, warten schon auf ihre Patienten. In Zweiergruppen gehen die Kinder und ihre Plüschtiere zu den angehenden Ärzten. Alina mit Hündin Lina und Maurice mit Bär Aibär haben Visite bei Sarah Kraft. Die Medizinstudentin führt zuerst eine Anamnese durch. Durch Alina erfährt sie, dass Lina seit eineinhalb Wochen Ohren- und Bauchweh sowie eine verstopfte Nase hat.

Die Kuscheltiere werden anschliessend gewogen und gemessen. Blutdruck, Fieber, Röntgen, MRI – nichts wird ausgelassen. Am eindrücklichsten ist das Abhören des Herzschlags. Während die Kids mit dem Stethoskop ihre Lieblinge untersuchen, pocht Kraft kurz mit dem Finger auf den Rücken der Tiere. Alina und Maurice staunen, als sie einen Herzton hören. «Vielleicht leben sie ja doch», sagt die Medizinstudentin lachend. Mit vorgefertigten Röntgenbildern wird die Diagnose erstellt. Lina und Aibär werden wegen Brüchen an den Beinen genäht, letzterer erhält einen Gips. Am Schluss wird ein Rezept ausgefüllt, das in der Apotheke eingelöst werden kann. Gegen Vorweisen erhalten die Kinder Mailänderli in Tablettenform und Fruchtsirup, dass wie Medizin aussieht. Die Patienten können die Medikamente logischerweise nicht einnehmen, «doch wenn ihre ‹Eltern› die Medis nehmen, fühlen sich die kranken Plüschtiere automatisch auch besser», weiss Pharmakologiestudentin Marie Hausendorff, die mit drei Kommilitoninnen die Apotheke führt.

«Das war ein ganz tolles Erlebnis», lautet das Fazit von Alexandra Gautschi. Die Kindergärtnerin hat nur Lob für die Studenten übrig. Und sollten die Kinder wirklich Angst vor dem Krankenhaus gehabt haben, ist diese jedenfalls weg.