Die Zuschauerzahlen müssen Telebasel zu denken geben: In keinem Monat dieses Jahres erreichte der Basler Regionalsender das Publikumsinteresse des Vorjahres. Eine Steigerung gab es letztmals 2007. Die in der Eigenwerbung erwähnten 110000 täglichen Nutzer gehören der Vergangenheit an; der Schnitt im ersten Halbjahr 2011 liegt gemäss Medienforschung bei 97400 Zuschauern. Immerhin: Die Nutzungsdauer von 15 Minuten ist stabil und für einen Regionalsender beachtlich.

Die Ausgangslage war eine andere: Seit 2008 sprudeln Gebührengelder. Jährlich 2,5 Millionen Franken. Dazu kommen 1,7 Millionen Franken, die als Basler Besonderheit durch die Balcab-Abonnenten aufgebracht werden müssen. Mit den seit Jahren weitgehend stabilen Werbeeinnahmen verfügt der Sender mittlerweile über ein Budget von knapp 8 Millionen Franken. Damit wurde gegenüber der Konzessionsbehörde eine Programmoffensive versprochen, die sich auch in der Quote niederschlagen müsste.

80000 Franken Jahresgewinn

Doch dies ist Fehlanzeige. Und es lag nicht am Geld. Dies ist vorhanden. Der ausgewiesene Jahresgewinn 2010 beträgt zwar lediglich knapp 80000 Franken. Doch zuvor wurde über eine halbe Million Franken in eine «zweckgebundene Reserve» verschoben und damit dem Gewinnausweis entzogen. Zusätzlich konnte ein Bilanzgewinn von mittlerweile 570000 Franken angesammelt werden.

Geschäftsführer Daniel Prétôt weiss einen Teil Effekte zu erklären. In der Quote etwa sei nicht berücksichtigt, dass immer mehr Personen Telebasel nicht am Fernseher schauen, sondern gezielt einzelne Beiträge per Internet beziehen. Finanziell habe der Sender zudem sehr zurückhaltend budgetiert, was sich nun in den guten Zahlen niederschlage. Schliesslich seien die Rückstellungen notwendig, um die anstehende und teure Umrüstung in HD-Qualität zu finanzieren. Doch Prétôt weiss selbst, dass alle Argumente nur die Hälfte erklären.

Die andere Hälfte der Wahrheit: Telebasel verliert an öffentlicher Aufmerksamkeit, die neuen Programmpunkte tragen nicht zur Profilierung bei und der Sender hat ein ernstes Rekrutierungsproblem bei den neuen Mitarbeitenden.

Tele Basel spielt keine Rolle im Wahlkampf

Während TeleZüri im Vorfeld der eidgenössischen Wahlen in seinem Einzugsgebiet etwa als wichtigste mediale Plattform für die Kandidierende wahrgenommen wird, spielt Telebasel im regionalen Wahlkampf kaum eine Rolle. Die Politiker mit Karriereträumen treten lieber in Tamaras «Kochen im Schloss» auf als in einer Politdiskussion. Und wenn sich ein Kandidat vor die Kamera verirrt, so ist der Journalist kaum in der Lage, dessen Statements mit kritischem Nachhaken zu hinterfragen. So konnte etwa der Baselbieter SVP-Ständeratskandidat Caspar Baader seine Ablehnung der Universitätsfinanzierung, die vergangene Woche hohe Wellen geworfen hatte, mit Behauptungen begründen, die von den Regierungen Baselland und Basel-Stadt umgehend mit einer Gegendarstellung gekontert werden mussten.

Dabei hätte der Sender auch etwas zu bieten. Die wöchentlichen «Telebasel Reports» von Daniel Wahl und Christian Keller etwa sind journalistisch spannend erzählte Geschichten, werden jedoch kaum wahrgenommen. Ähnlich die neue Sportsendung «Heimspiel», die nicht als Eigenleistung des Senders erkannt wird. Telebasel, so auch die interne Erkenntnis, wird mit der Nachrichtensendung «7vor7» und der häufig PR-lastigen «Telebar» gleichgesetzt. Dies soll sich ändern, sagt Prétôt. Im neuen Budget seien Mittel eingestellt, um auch weitere Sendungen bekannt zu machen. Damit sollte der Sender, so die Hoffnung, wieder an Profil gewinnen.

Das Fernsehen sucht Personal

Das Qualitätsproblem ist damit allerdings nicht gelöst. Seit Monaten ist Telebasel auf der Suche nach qualifizierten Medienschaffenden; ein schwieriges Unterfangen, da bei der Suche örtliche Kenntnisse und ein Basler Idiom als Vorbedingungen ebenso einschränkend wirken wie die beschränkten Salärzahlungen.

Die mittlere Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit dem Sender gegenüber spiegelt sich auch in der Trägerschaft wieder. Die Stiftung Kabelnetz Basel, die eigentliche Eigentümerin des Fernsehkanals, wird präsidiert von Regierungsrat Christoph Brutschin. Direkt verantwortlich ist ein Ausschuss unter der Leitung von Stephan Fricker, hauptberuflich viel beschäftigter Direktor des Merian-Iselin-Spitals. Bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren hatte Fricker eine grosse Statutenreform angekündigt. Die Stiftung, in der alle relevanten gesellschaftlichen Kreise von Basel-Stadt eine Stimme haben sollten, wollte er umbauen und auf die gesamte Region abstützen. Das Revitalisierungsprojekt des Klinikdirektors kam nicht über die blosse Absicht hinaus. Das Vorhaben wurde zunächst verschoben und scheint mittlerweile aufgehoben. Auch dies scheint die Stiftungsräte der Trägerschaft nicht zu kümmern.

Wahrscheinlich gehören auch sie zu denjenigen Zuschauern, die immer weniger Telebasel einschalten.